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Nach Grindel-Kritik: Gute Karten für Rathjen

BDFL droht juristische Schlappe

Nach Grindel-Kritik: Gute Karten für Rathjen

Vor dem Landgericht Frankfurt klagte das langjährige BDFL-Vorstandsmitglied Gerd Rathjen gegen seinen Rauswurf.

Vor dem Landgericht Frankfurt klagte das langjährige BDFL-Vorstandsmitglied Gerd Rathjen gegen seinen Rauswurf. picture alliance

Mit Meinungsfreiheit ist es so eine Sache in Verbänden. "Ich denke nicht, dass man seine persönliche Meinung am Eingang abgeben muss", sagt zum Beispiel Lars Iffländer, Vorsitzender Richter der 21. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt/Main, wo am Dienstagmittag Gerd Rathjen gegen seinen Rauswurf aus dem BDFL, dem Berufsverband für A- und Fußballlehrer-Lizenzinhaber, klagte. Der 70-Jährige war in der Kreiszeitung Syke die DFB-Führung und insbesondere Präsident Reinhard Grindel scharf angegangen: "Grindel verkauft die Amateure. Die Funktionsträger des DFB predigen das Ehrenamt in den Vereinen und die Angestellten machen sich die Taschen voll." Und weiter: "Der 1. Generalsekretär des DFB hatte ein Jahresgehalt von 400. 000 Euro, der 2. Generalsekretär von 300. 000 Euro. Und er hat eine Abfindung in Höhe von 1,1 Millionen Euro abgelehnt, da er noch einige wichtige Unterlagen von der WM 2006 in seiner Schublade hat."

"Nach 27 Jahren Ehrenamt - das hat mich getroffen"

Der BDFL fand diese Äußerungen schädlich für die anstehenden Verhandlungen mit dem DFB, für den die Organisation die für die Verlängerung der Trainer-Lizenzen nötigen Fortbildungen regelt. Friedensgespräche scheiterten, das verbandsinterne Ehrengericht schloss Rathjen im November 2017 aus. Eine Berufung wies die nächsthöhere Instanz, das BDFL-Bundesgericht, im April 2018 zurück. Unmittelbar danach, so Rathjens Anwalt Christian Grüter, habe man den Ausschluss vollzogen, obgleich der Rauswurf noch nicht rechtskräftig gewesen sei. Folglich konnte sein Mandant nicht an den neuerlichen Vorstandswahlen im Norden teilnehmen. "Nach 27 Jahren Ehrenamt, das hat mich getroffen", klagte Rathjen.

Die Gegenseite, vertreten von Prof. Dr. Anne Jakob, hob auf vorherige Verfehlungen des A-Lizenz-Inhabers ab. Im Anschluss der Verhandlung wollte aber BDFL-Präsident Lutz Hangartner diese auf kicker-Nachfrage nicht weiter präzisieren. Für Iffländer spielten diese in dem Zusammenhang keine Rolle, da keine konkreten Sanktionierungsmaßnahmen ergriffen worden seien. Der Richter forderte beide Seiten zu einem Vergleich auf, ahnte aber schon, dass zu viele persönliche Befindlichkeiten im Raum stünden: "Bei Verbandssachen wäre manchmal das Familiengericht die bessere Adresse." Rathjen erklärte, er werde die Wahl des Nord-Vorstandes, zu welcher er nicht zugelassen war, nicht anfechten, um seinen Kollegen keinen Ärger zu bereiten. Dennoch kam es nach kurzer Diskussion der Parteien zu keiner außergerichtlichen Einigung.

Die darauffolgenden Ausführungen des Richters lassen für den Urteilsspruch Anfang April aus BDFL-Sicht wenig Gutes erahnen: "Ich denke, der Ausschluss wird keinen Bestand haben." Iffländer zählte vier Aspekte auf, die für eine Rücknahme des Rauswurfs sprechen. Zunächst erkannte er im Prozedere einen Formfehler. Zudem hätte man auf Basis der gültigen BGH-Rechtsprechung das höchste Organ, die Hauptversammlung, am Ausschlussverfahren beteiligen müssen. Drittens bestehe eine Unverhältnismäßigkeit ob des einmaligen Verstoßes, schließlich habe es zuvor keine Sanktionen gegen Rathjen gegeben.

Verbandsschädigung? - "Da sieht es dünn aus"

Und dann ist da noch die Sache mit der Meinungsfreiheit. Da gelte es abzuwiegen gegenüber dem vorgeworfenen Tatbestand des verbandsschädigenden Verhaltens. "Da sieht es dünn aus", gab er Hangartner mit auf den Weg. Zwar könne man darüber streiten, ob alle Aussagen Rathjens von der Meinungsfreiheit gedeckt seien. Damit spielte Iffländer auf die Behauptung an, dass der stellvertretende Generalsekretär wichtige Unterlagen von der WM 2006 in seiner Schublade und daher eine Millionen-Abfindung abgelehnt habe.

Rathjen bezog sich dabei auf den Arbeitsgerichtsprozess zwischen Stefan Hans und dem DFB. Die erste Instanz hatte die fristlose Kündigung Hans' im Zuge der WM-Affäre für rechtswidrig erklärt, der Ex-Funktionär hatte einem 1,1 Millionen Euro schweren Vergleich plus 300.000 Euro Gehaltsfortzahlung im Frühsommer 2016 nicht zugestimmt. Später folgte überraschend eine außergerichtliche Einigung, über die Höhe etwaiger Zahlungen wurde Stillschweigen vereinbart.

In der Tat sind Rathjens Äußerungen bezogen auf die Sache Hans Mutmaßungen. Den Kern der Kritik aber sah Iffländer im Bereich der Meinungsfreiheit. Denn: "Das finanzielle Verhältnis zwischen dem DFB, den Profis und den Amateuren ist damals schon sehr kontrovers diskutiert worden." Vor diesem Hintergrund steht der BDFL vor einer Schlappe. Präsident Hangartner wollte unmittelbar im Anschluss an die Verhandlung kein Statement abgeben.

Benni Hofmann