2. Bundesliga

Nürnbergs Dovedan setzt sich selbst den Maßstab

FCN muss gegen St. Pauli nachlegen

Nach erstem Sieg in diesem Jahr: Dovedan setzt sich selbst den Maßstab

Nikola Dovedan steht in der Kritik, lieferte jedoch beim Sieg des 1. FC Nürnberg in Darmstadt seine bisher beste Saisonleistung ab.

Nikola Dovedan steht in der Kritik, lieferte jedoch beim Sieg des 1. FC Nürnberg in Darmstadt seine bisher beste Saisonleistung ab. imago images

Der jüngst zu Recht in der Kritik stehende Mittelfeldspieler hat in Darmstadt seine beste Saisonleistung abgeliefert - endlich, muss man aus Club-Sicht anfügen. Inmitten einer bislang enttäuschenden Saison des FCN ist der Österreicher unterm Strich bislang einer der großen Enttäuschungen. Und beides hängt eng zusammen, was alleine der Umstand dokumentiert, dass die Franken im Sommer 2019 immerhin 2,5 Millionen Euro hinlegten, um ihn aus Heidenheim loszueisen. Eine Investition, hinter der sich die Hoffnung verbarg, dass der wendige, dribbel- und spielstarke offensive Mittelfeldspieler dem Club-Spiel seinen Stempel aufdrücken und in engen Spielen den Unterschied ausmachen würde.

Vom Stammspieler zur Teilzeitkraft

Eine Hoffnung, die aufgrund von Dovedans Darbietungen in Heidenheim unter Trainer Frank Schmidt berechtigt war, allerdings bislang unerfüllt blieb. Fiel sein Start in Nürnberg in der Saison 2019/20 noch ordentlich aus, so baute er nach und nach ab, der Abstieg vom Stammspieler zur Teilzeitkraft als logische Folge.

Wenn vor Saison der neue Sportvorstand Dieter Hecking mit Blick auf die zurückliegende Katastrophen-Saison vom nicht abgerufenen Potenzial des Kaders sprach, dürfte er vor allem auch Dovedan im Sinn gehabt haben. Das Drücken des Reset-Knopfes nach der dramatischen Relegation mit eben Hecking, einem neuen, jungen Trainer und dessen Idee vom stets aktiven Spielstil sollten zünden, bei der Mannschaft, aber gerade auch bei einem wie Dovedan, der so deutlich unterm Radar segelte.

Erneut eine berechtigte Hoffnung, denn selbst in schwachen Spielen blitzte das Vermögen des Österreichers immer auf. Nicht zu vergessen, dass ihm sein gewiss nicht zu Lobhudelei neigender Ex-Coach Schmidt beim Abschied attestierte, die Bundesliga locker im Kreuz zu haben.

Klauß gibt Rückendeckung

Den Beweis, dass diese These stimmt, blieb Dovedan aber wie gesagt bislang noch schuldig - und ist deswegen in den sozialen Medien zur Zielscheibe beißender, mitunter auch fernab von jeder Fairness liegenden Kritik geworden. Ob es sinnvoll von Dovedan war, darauf zu regieren? Eher nicht, zumal er eine andere, viel, viel bessere Gelegenheit hat, darauf etwas zu erwidern - auf dem Platz, und nur da zählt's bekanntlich. Sein Trainer hat sich erst kürzlich öffentlich vor ihn gestellt und gemeint, dass gerade ein Spielertyp wie er Vertrauen spüren muss.

Worte, denen Klauß Taten folgen ließ. Nachdem Dovedan zuvor fünfmal den Anpfiff von der Bank aus erlebt hatte, ist er in den vergangenen vier Begegnungen stets in der Startelf gestanden. So sehr er des Trainers Vertrauen jüngst in Darmstadt rechtfertigte, so sehr stellte er es davor mitunter auf die Probe. Beim 0:2 in Sandhausen zum Beispiel. Und dies nicht, weil er sein persönliches Scorerkonto, auf dem ein Tor und ein Assist stehen, nicht aufstocken konnte, was wiederum möglich gewesen wäre. Dass er eine riesige Chance liegenließ, geschenkt, passiert einem Offensiven nun mal. Wie auch sein Spiel nach vorne nicht das Problem war, das war bei den Nord-Badenern trotz der vergebenen Chance ordentlich. Nicht so sein Defensivverhalten. Wieder einmal. Das Nachsetzen hatte oftmals nur Alibi-Charakter, weil halbherzig vorgetragen. Siehe das 0:1, an dem er zwar nicht ursächlich schuld war, bei dem er aber die vorausgegangenen Fehler seiner Kollegen hätte ausbügeln können - und zwar dann, wenn er mit der entsprechenden Körpersprache entschlossen in den Zweikampf unmittelbar vor dem Schuss zum ersten Tor des SVS gegangen wäre.

Fehlt die Entschlossenheit?

Dies wiederum hat nichts mit Vertrauen seitens des Trainers zu schaffen. Das muss ein Spielertyp wie Dovedan in der Tat spüren, um sich in der Nähe des gegnerischen Strafraums zu trauen, ins Eins-gegen-ein zu gehen, den Abschluss zu suchen oder den überraschenden, aber riskanten Pass zu spielen. Entschlossen, mit der entsprechenden Körpersprache in einen Defensivzweikampf zu gehen, ist indes keine Frage des Spürens von Vertrauen, sondern des Willens.

Bei seiner Darbietung in Darmstadt indes passte der Mix, so gesehen hat der Offensivallrounder für sich selbst den Maßstab gesetzt - für den Sonntag und die nächsten Wochen.

Christian Biechele