WM

Haftstrafe für Ex-Mediendirektor des WM-Komitees

Während WM-Generalprobe

Nach Einsatz für Arbeiter: Haftstrafe für Ex-Mediendirektor des WM-Organisationskomitees

Immer wieder gibt es im Vorfeld der WM Kritik am Gastgeber Katar.

Immer wieder gibt es im Vorfeld der WM Kritik am Gastgeber Katar. imago images/Norbert Schmidt

Die Berichterstattungen über Missachtungen der Menschenrechte in Katar reißen auch während der WM-Generalprobe, dem Arab-Cup, nicht ab. Nachdem sich in der Vergangenheit immer wieder Menschenrechts-Organisationen - darunter Amnesty International - kritisch über die Zustände im arabischen Emirat geäußert hatten, kam es nun zum nächsten Eklat im Gastgeberland der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft. Im Mittelpunkt steht Abdullah Ibhais, bis Ende 2019 Medien- und Kommunikationsdirektor des Organisationskomitees. 

Untersuchung nach Differenzen mit Komitee-Chef

Gegen den Jordanier war im Oktober 2019 eine interne Untersuchung eingeleitet worden, weil er angeblich Bestechungsgelder angenommen haben soll. Zuvor hatte er sich im August desselben Jahres in einer Konfrontation gegen den Komitee-Chef Hassan Al-Thawadi gestellt, der eine kritische Berichterstattung über die WM verhindern wollte.

In dieser ging es um einen Streik und die Rechte der Arbeiter auf den Baustellen der WM-Stadien. Nach Abschluss der Untersuchung gegen Ibhais war dieser im November 2019 festgenommen und im April diesen Jahres zu fünf Jahren Haft verurteilt worden - in einer Verhandlung, in der keine Beweise gegen ihn vorgebracht wurden, er nicht anwesend sein durfte und seinem Anwalt das Recht einer Verteidigung entzogen wurde, basierend auf einem vermeintlichen Geständnis, das durch Drohungen erzwungen worden sei. 

Inhaftierung kurz vor Interview mit kritischen Journalisten

Nachdem er in Folge eines Einspruchs zwischenzeitlich wieder auf freiem Fuß gewesen war, wurde er vor wenigen Wochen erneut in Gewahrsam genommen. Dies geschah nur wenige Stunden vor einem geplanten Interview mit zwei norwegischen Journalisten - welche wiederum nach einer kritischen Live-Schaltung im norwegischen Staatsfernsehen, in dem es um die Lage der Gastarbeiter in Katar gegangen war, ebenfalls kurzzeitig inhaftiert wurden.

Nun fiel in Doha erneut der Hammer vor dem Berufungsgericht, welches Ibhais zu drei Jahren Haft verurteilte. Laut dem norwegischen Fußball-Magazin "Josimar", das ihn bereits seit der ersten Verhandlung begleitet, erneut in einem Verfahren, in dem kein Beweis gegen ihn erbracht wurde und er selbst nicht anwesend sein durfte. Human Rights Watch und Fairsquare hatten diesen Umgang bereits beim ersten Verfahren im April bemängelt und eine faire Verhandlung gefordert. Diese habe es laut katarischen Behörden nun gegeben. 

Wiederholte Einflussnahme auf Anwälte

Doch damit nicht genug: Wie "Josimar" weiter berichtet, sei Ibhais' aktueller Anwalt - der vierte seit Beginn der Untersuchung 2019 - vom WM-Organisationskomitee aufgefordert worden, sein Mandat niederzulegen. Andernfalls würde er "seiner Karriere schädigen". Laut der Familie des Whistleblowers kein Einzelfall: "Wir sind von dieser Entwicklung nicht überrascht. Dies ist nicht das erste Mal, dass das Komitee Abdullahs Rechtsbeistand kontaktiert hat, um ihn zu bitten, sein Mandat niederzulegen." 

So trat Asma' al Ghanem, die zweite Anwältin Ibhais', nach sieben Monaten von ihrem Mandat zurück und arbeitet inzwischen in der juristischen Abteilung des Organisationskomitees. Dieses verneinte gegenüber "Josimar" "kategorisch sämtliche Anschuldigungen". Es habe sich lediglich um einen "Interessenskonflikt" gehandelt. 

Die FIFA bleibt stumm

Die Familie Abdulla Ibhais' richtete sich in ihrer Stellungnahme auch an den Weltverband: "Wir verlangen ernsthafte und sofortige Maßnahmen der FIFA, um die Ungerechtigkeit der Behörden des Landes, welche sie als Gastgeber der WM ausgewählt haben, gegenüber Abdullah zu stoppen." Ob die FIFA, deren ranghöchste Offizielle um Präsident Gianni Infantino derzeit aufgrund des Arab-Cups in Katar verweilen, sich zu den Geschehnissen äußert, bleibt jedoch ungewiss.

Die Familie Ibhais wird weiter darauf hoffen. Denn "es gibt keine Rechtfertigung für seine Haft". 

kon

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