Bundesliga

Musiker Alphonso Davies und der Weg zurück zum Rhythmus

Bayerns Linksverteidiger: Comeback, CONCACAF-Award, WM-Traum

Musiker Davies und der Weg zurück zum Rhythmus

Meisterfeier auf dem Balkon des Münchner Rathauses: Alphonso Davies (re.) macht ein Selfie mit Jamal Musiala und Thomas Müller.

Meisterfeier auf dem Balkon des Münchner Rathauses: Alphonso Davies (re.) macht ein Selfie mit Jamal Musiala und Thomas Müller. IMAGO/Sammy Minkoff

In der Winterpause erhielt er die Diagnose aus der medizinischen Abteilung: Herzmuskelentzündung. Alphonso Davies musste pausieren. Und niemand wusste so recht, wie lange er fehlen wird. Jegliches Risiko galt es zu vermeiden. Für ihn hieß es: warten. "Die Nachricht wegen meines Herzens war sehr hart", sagt der Kanadier im Interview mit dem Vereinsmedium: "Es ging um meine Gesundheit. Aber die medizinische Abteilung bei Bayern ist hervorragend. Nicht auf dem Platz zu stehen, mit meinen Teamkollegen, mit der Nationalmannschaft, das hat genervt. Aber ich weiß, dass meine Gesundheit vorgeht."

Die Zeit war hart für meinen Kopf. Ich habe viel Musik in meinem Studio gemacht.

Alphonso Davies

Sein Trikot war gefühlt eingestaubt. Elf Spiele verpasste Davies in der Bundesliga, zudem das Achtelfinale der Champions League gegen Salzburg. Diese Zeit sei "sehr langweilig gewesen", resümiert der 21-Jährige, "sie war hart für meinen Kopf. Ich habe viel Musik in meinem Studio gemacht. Meine Familie war lange hier und ich habe ein-, zweimal meine Freundin in Paris besucht. Und sonst: Warten, warten, warten." Zudem musste er in diesen knapp vier Monaten mitansehen, wie die Mannschaft aus der Balance geriet. Mit seiner Rückkehr, so hoffte das Münchner Trainerteam damals, werde sich vieles zum Positiven verändern.

Seine Eingliederung bei der Rückkehr war unglücklich und undankbar

Das Comeback sollte Davies beim Viertelfinalhinspiel in Villarreal geben. Dort, bei der 0:1-Niederlage, schickte ihn Chef-Coach Julian Nagelsmann sofort von Beginn aufs Feld. Über die gesamten 90 Minuten. So wichtig war dem Trainer das Wirken des Youngsters, hat er doch als flexibler Außenbahnspieler, der vorne wie hinten aus einer Dreier- eine Viererkette macht, eine Sonderrolle im System Nagelsmann. Doch ob das so clever war? Denn auch der schnelle Davies kann nach so langer Ausfallzeit nicht von Null auf Hundert durchstarten. Im Gegenteil. Der Linksverteidiger sank nach Abpfiff erschöpft zu Boden. Am darauffolgenden Bundesligaspieltag (1:0, in der 57. Minute eingewechselt) und im Rückspiel eine Woche später stand der Kanadier nicht mehr in der Startelf. Gegen Villarreal kam er drei Minuten vor dem Ende für Lucas Hernandez, als Linksverteidiger in der für ihn ungewohnten Dreierkette. Eine Minute später fiel der Ausgleich - über eben diese Seite.

Zusammen mit Coman: Ein Duo, das es in Europa selten bis gar nicht gibt

Es waren undankbare Einsätze für den kanadischen Nationalspieler bei seiner Rückkehr in den Matchmodus, die gezeigt haben: Davies braucht Zeit. Vier Monate Pause rauben nun mal den Rhythmus, den es jetzt wiederzufinden gilt. Schließlich soll Davies ja, so der Plan des Trainerteams, einer der Taktgeber sein. Gerade im Zusammenspiel mit dem Flügelspieler auf seiner linken Seite, meist Kingsley Coman. Wohlwissend, dass es ein derart flottes Duett auf einer Seite selten bis gar nicht gibt in Europa: Linksfuß Davies, gemeinsam mit Rechtsfuß Coman, beide pfeilschnell, beide dribbelstark. In Kombination können sie die ganz große Klaviatur bedienen.

CONCACAF Spieler des Jahres und erstmals seit 36 Jahren wieder zur WM

Aktuell befindet sich Davies in der Heimat, in Edmonton. Dort besuchte er in der Nacht von Sonntag auf Montag das NHL-Spiel seiner Edmonton Oilers, die gegen Calgary mit 4:1 gewannen. Der Bayern-Profi war im Draisaitl-Trikot zu Gast. Doch das Wichtigste ist, dass Davies gesund ist. Und dass er der Mannschaft zum Trainingsauftakt wieder mit alten Kräften zur Verfügung stehen kann. Immerhin hat er nicht nur mit dem FC Bayern viel vor. Erstmals seit 36 Jahren hat sich der CONCACAF Spieler des Jahres wieder mit Kanada für die Weltmeisterschaft qualifiziert.

Georg Holzner

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