Champions League

Mourinhos Veitstanz endet mit Sperre

Inter-Coach verliert mal wieder die Nerven - Wiedersehen mit Chelsea

Mourinhos Veitstanz endet mit Sperre

José Mourinho (Inter Mailand)

Was will uns dieser Trainer sagen? José Mourinho beim Spiel gegen Sampdoria. picture alliance

Im heimischen Giuseppe-Meazza-Stadion mussten die Mailänder eine Stunde in Unterzahl agieren, über 50 Minuten davon sogar mit nur neun Mann. Inter errang dennoch ein 0:0 und vergab durch Eto'o in der 77. Minute sogar noch die einzige Großchance des ganzen Spiels. Mourinhos beeindruckende Heimserie überstand somit auch das 130. Liga-Heimspiel in Folge. Viel mehr Positives lässt sich über die Partie allerdings auch nicht berichten.

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Was die Zuschauer in San Siro zu sehen bekamen, erinnerte mitunter eher an ein Schmierentheater als an ein Fußballspiel: Die Akteure purzelten im Minutentakt über den Rasen, jeder Schiedsrichterpfiff zog heftige Proteste nach sich. Und an der Seitenlinie führte José Mourinho einen 90-minütigen Veitstanz auf, der seinen Höhepunkt darin fand, dass er direkt in die Fernsehkamera mit überkreuzten Handgelenken ein Handschellensymbol imitierte. Dieser Schiedsrichter gehört verhaftet, wollte er damit wohl andeuten. Auch die 54.000 Zuschauer hatten Paolo Tagliavento zum Sündenbock auserkoren und wedelten aus Protest mit weißen Tüchern.

An den beiden Platzverweisen gegen Inters Walter Samuel (31., Rot) und Ivan Cordoba (38., Gelb-Rot) gab es dabei genauso wenig auszusetzen wie an der späteren Gelb-Roten-Karte gegen Sampdorias Pazzini (74.). Vielmehr verdiente sich Tagliavento ein Kompliment dafür, dass er in aufgeheizter Atmosphäre als einer der wenigen nicht in Hysterie verfiel und den Überblick behielt. Von den Inter-Verantwortlichen, allen voran Mourinho, der sich seit Wochen in Verschwörungstheorien ergeht und sich dabei mit fast jedem anlegt, lässt sich das nicht behaupten.

José Mourinho (Inter Mailand) leidet am Spielfeldrand

Die Leiden des José Mourinho: Der Portugiese übte sich in gewohnter Theatralik. imago

"Man muss uns auf sechs Fußballer reduzieren, um uns zu besiegen", schrie der Inter-Coach nach dem Match wütend durch die Stadion-Katakomben. Die Schiedsrichter wollten seine Mannschaft bewusst daran hindern, die Meisterschaft zu gewinnen, behauptet Mourinho schon seit Wochen. Mit den Journalisten wechselte er nach dem Abpfiff wie seine Spieler kein Wort. Silenzio stampa nennt man das in Italien. Verordnet hatte sie Klubchef Massimo Moratti. Wohl um Schlimmeres zu verhindern. Die Presse ist von Mourinho Ausrastern sowieso nur noch genervt. Der seriöse Corriere della Sera nannte die Handschellen-Gestik gelangweilt "Gag Nummer 1 264 721". Auch der italienische Ligaverband verstand keinen Spaß und sperrte den Trainer am Montag für drei Ligaspiele. Inters Vorsprung ist auf fünf Punkte geschrumpft.

Mourinhos Wiedersehen, Ancelottis Rückkehr

Carlo Ancelotti (FC Chelsea)

Kehrt mit Chelsea nach Mailand zurück, wo er jahrelang den AC trainierte: Carlo Ancelotti. imago

Und nun kommt am Mittwoch der FC Chelsea nach Mailand. Im Vorfeld des Duells mit seinem Trainerkollegen Carlo Ancelotti stichelte Mourinho fleißig in Richtung London. Chelsea ein sehr starkes Team? Dann hätte es bestimmt nicht schon vier Spiele in der Premier League verloren. Ancelotti? "Ich vermisse ihn nicht. Und befreundet bin ich nie mit einem Kollegen." Und überhaupt gebe es Trainer, die mehrmals die Champions League gewannen, aber nur einer habe nach einer 3:0-Führung noch ein Finale verloren. Irgendwann platzte auch dem eher für sein ruhigeres Naturell bekannten Ancelotti der Kragen: "Wenn er Jesus ist, gehöre ich sicher nicht zu seinen Aposteln", meinte der 50-Jährige vor der Rückkehr nach Mailand im Hinblick auf das Gebaren des Portugiesen.

Wenn er Jesus ist, gehöre ich sicher nicht zu seinen Aposteln.

Carlo Ancelotti über José Mourinho

Dieser trifft erstmals seit seinem erzwungenen Abgang im September 2007 auf seinen Ex-Klub Chelsea, den er 2005 und 2006 zum Gewinn der englischen Meisterschaft führte. Sein Herz hängt noch immer an England. "Eine Liebe, die nie begann, kann doch gar nicht enden", beschrieb Mourinho unlängst das Verhältnis zu seiner Wahlheimat Italien. Vor dem Wiedersehen mit seiner alten Liebe Chelsea gibt sich der Portugiese betont gelassen: "Ich versichere Ihnen, ich bin weder nervös, noch aufgeregt", gab er zu Protokoll. Sollte Inter weiterkommen, würde Mourinho auf seine gewohnten Jubelausbrüche verzichten: "Aus Respekt vor Fans und Verein, denn ich bin ein Teil der Chelsea-Geschichte. Und außerdem gäbe es ja nichts zu feiern, denn Inter stünde zwar im Viertelfinale, hätte jedoch noch rein gar nichts gewonnen." Das wäre doch aber auch schon mal was. Zuletzt war für Inter nämlich dreimal in Folge im Achtelfinale Endstation.