Europa Conference League

Mourinho könnte mit Lattek und Trapattoni gleichziehen

"The Special One" könnte mit Lattek und Trapattoni gleichziehen

Mourinho: "Fühle mich verantwortlich, diesen Wettbewerb zu einem großen zu machen"

Zunge raus: José Mourinho hat die Roma in die Europa League geführt - und ins Finale der Conference League.

Zunge raus: José Mourinho hat die Roma in die Europa League geführt - und ins Finale der Conference League. IMAGO/LaPresse

Als die Roma Anfang Mai mit einem knappen 1:0 gegen Leicester City ins Finale der Conference League eingezogen war, brachen beim "Special One" alle Dämme. AS-Coach José Mourinho, im vergangenen Sommer nach Italien zurückgekehrt und als neuer Heilsbringer bei den nach großen Erfolgen lechzenden Giallorossi vorgestellt, weinte hemmungslos - und sprach anschließend von einem Sieg "für die Familie".

Seine neue Familie: Der Star-Trainer, ehemals bei Porto, Chelsea, Inter, Real, ManUnited oder auch Tottenham, fühlt sich heimisch in Rom. Die "Ewige Stadt" mit den leidenschaftlichen Roma-Fans, das ist seines: "Warum ich in Tränen ausgebrochen bin? Weil ich fühle, was sie alle fühlen. Es ist ein großer Klub ohne die Trophäensammlung für die soziale Bedeutung des Vereins. Über die Jahre bin ich weniger egozentrisch und mehr wie ein Vater geworden. Es ist ein Sieg für die Familie. Es geht nicht nur um die Familie auf dem Platz und der Bank, sondern im gesamten Stadion."

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Mourinho weiß genau, was dieser Finaleinzug für den italienischen Klub bedeutet. Die Vitrine im Vereinsmuseum ist klein, angesichts dreier Scudetti (1942, 1983, 2001), neun Pokalerfolgen und dem Messestädte-Pokal 1961 (Vorläufer des UEFA-Cups) fast schon mickrig gemessen an den Trainererfolgen des 59-jährigen Portugiesen. "Mous" Vita hat schließlich acht nationale Titel in vier Ländern vorzuweisen, vier nationale Pokalerfolge - und dazu zwei UEFA-Pokale plus zwei Champions-League-Trophäen mit Porto und Inter.

Das ist Mourinho dieser Tage aber herzlich egal - was der AS-Trainer selbst am Wochenende nach dem Erreichen der Europa League im Gespräch mit der UEFA unterstrichen hat: "Das hier ist für uns, für die Roma, die Champions League. Ich fühle mich verantwortlich, diesen Wettbewerb zu einem großen zu machen - schließlich hat dieser Verein so ein Spiel schon sehr lange nicht mehr erreicht." Seit 2008, dem Gewinn der Coppa Italia, hat die Roma gar nichts mehr gewonnen.

"Druck, Anspannung und Verantwortungsbewusstsein"

Nun steht im Air Albania Stadium zu Tirana an diesem Mittwochabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) das erste Finale in der neu geschaffenen Conference League an. Es ist zugleich das fünfte europäische Endspiel für Mourinho, der noch keine dieser Partien verloren hat: das UEFA-Pokal-Finale 2003 und das Champions-League-Finale 2004 mit dem FC Porto sowie die Endspiele in der Königsklasse 2010 mit Inter Mailand sowie der Europa League 2017 mit Manchester United - allesamt Siege.

Der Respekt vor dem Gegner, dem niederländischen Klub Feyenoord Rotterdam (Dritter in der Liga), ist aber groß. Das von Arne Slot trainierte Team um Spieler wie Orkun Kökcü, Ex-Freiburger Guus Til oder die Torjäger Bryan Linssen und Luis Sinisterra imponiert "The Special One": "Sie haben wie wir 14 Spiele absolviert und einige schwierige Gegner bezwungen. Im Halbfinale haben sie Marseille geschlagen, dabei gehört das Stade Velodrome zu den faszinierendsten und schwierigsten Stadien, in denen man spielen kann."

Wenn du in Rom arbeitest und in Rom lebst, dann atmest du Rom und diesen Klub. Ich habe das vom ersten Tag gefühlt.

José Mourinho über die Roma

Mourinhos Fokus liegt aber auf seinem Team, das die zuletzt angeschlagenen Offensivkönner Nicolo Zaniolo sowie Henrikh Mkhitaryan rechtzeitig fit bekommen will: "Für mich geht es darum, dass man ein Endspiel als einzelnes Spiel ansieht - mit eigenem Druck, Anspannung und Verantwortungsbewusstsein. Wir müssen uns nur auf dieses Finale und den Gegner konzentrieren und vergessen, welche Geschichte die Roma hat oder was ein Titel für die Stadt bedeuten würde."

"Vergiss es"

Die Leidenschaft, als Trainer weiterhin alles zu geben, gehe ihm bei der Arbeit mit Spielern auch nach über 20 Jahren in diesem Geschäft nicht ab. Und ziemlich sicher auch in Zukunft nicht, was Mourinho anhand eines Gesprächs zu seiner Real-Zeit 2012/13 mit United-Legende Sir Alex Ferguson beschreibt: "Er hat mich in sein Büro eingeladen und ich habe ihn gefragt: 'Wie ist es für dich, Boss? Ändert sich irgendetwas über die Jahre?' Und er meinte nur: 'Vergiss es. Nichts ändert sich. Alles bleibt gleich bis zum letzten Tag.'"

Das habe sich bis heute erfüllt: "Die Leidenschaft ändert sich nicht."

Mourinho voller Vorfreude: "Wir haben solche Momente vermisst"

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Eben jene Leidenschaft erwartet Mourinho von seinen Spielern, um Feyenoord zu bezwingen. Dass die Giallorossi dafür das Potenzial haben, steht außer Frage: Mit seinem persönlichen "Monster" Tammy Abraham ("Ein Tor im Finale zu machen, wäre ein absoluter Traum") hat Mourinho einen Torgaranten ebenso in den Reihen wie in Kapitän Lorenzo Pellegrini eine Führungsfigur mit außerordentlicher Standardstärke - plus viele weitere fähige Profis auf hohem Niveau.

Gelingt in Albanien ein Sieg, erweitert sich sowohl die Trophäensammlung der Römer als auch die von Mourinho, der noch eine Premiere feiern kann: den dritten Europacup-Pott. Drei unterschiedliche Europacup-Trophäen haben bislang nur Udo Lattek und Giovanni Trapattoni (jeweils den Europapokal der Landesmeister und Pokalsieger plus UEFA-Cup) geholt.

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