Bundesliga

Modeste erklärt Zwiespalt: Zwischen "Liebe zu Köln" und "einmaliger Chance"

Stürmer bedankt sich bei Baumgart - Keller bedankt sich beim Stürmer

Modeste erklärt Zwiespalt: Zwischen "Liebe zu Köln" und "einmaliger Chance"

Turbulente Beziehung zum FC: Anthony Modeste.

Turbulente Beziehung zum FC: Anthony Modeste. IMAGO/Laci Perenyi

Kaum war der 1. FC Köln in die Vorbereitung zur aktuellen Bundesliga-Saison gestartet, da ließ Anthony Modeste gleich mal aufhorchen.  Überraschend kam das nicht, der 34-jährige Stürmer ist keiner, der im stillen Kämmerlein zuhause ist. "Ich habe eine klare Linie", erklärte er  im Trainingslager des FC Anfang Juni: Und diese sah für ihn so aus: "Wenn etwas kommt, muss ich mit dem Verein reden. Aber ich denke, es wird kein Problem sein, der Top-Verdiener muss langsam weg."

Wahrscheinlich war dies ironisch gemeint, möglicherweise eine verbale Spitze gegen wen auch immer in einem Verein, der finanziell auch aus Pandemie-bedingten Gründen nicht auf Rosen gebettet ist. Wenn das knappe Budget um 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt für den Stürmer reduziert werden kann und rund fünf Millionen Euro in die Kassen gespült werden können,  dann muss man als Verein immer alle Szenarien durchdenken und einkalkulieren.

Bundesliga, 1. Spieltag

Als Modeste mit seinem Abschied kokettierte, nannte er auch ziemlich konkrete Gründe: "Wenn ich die Möglichkeit habe, einen Vertrag über zwei oder drei Jahre zu bekommen, werde ich mit dem Verein reden. Ich muss an mich denken, ich habe nur eine Karriere, um Titel zu holen, aber auch, um Geld zu verdienen." Kohle und Silberware - kein Wunder, dass Modeste, dem in Köln viele Brücken gebaut wurden, nach solchen Sprüchen gieriger Egoismus vorgeworfen wird. 

Seit Sonntagabend, beim 3:1 gegen Schalke, ist das sportliche Szenario - Köln ohne Modeste - Realität. Seit Montagabend ist die Tinte trocken, der Franzose stürmt jetzt nicht mehr unter dem Dom, sondern vor der Gelben Wand in Dortmund. Titel sind dort wahrscheinlicher - nun ja, immerhin kann der BVB in Modestes Vertragsjahr im Gegensatz zum FC noch den DFB-Pokal gewinnen. Geld verdienen wird er in Dortmund sicherlich auch ausreichend, möglicherweise in den selben Dimensionen während eines Jahres wie in Köln in den erhofften zwei Spielzeiten. Die er aber nicht bekam.

Tony hat Großes für den FC geleistet. Das wird bleiben, darf nicht vergessen werden und dafür sind wir ihm sehr dankbar.

Christian Keller

Einerlei, als der Deal schließlich durch war, glätteten sich die offiziellen Wogen. "Tony hat Großes für den FC geleistet. Das wird bleiben, darf nicht vergessen werden und dafür sind wir ihm sehr dankbar. Genauso gilt es zu respektieren, dass Tony in Dortmund die sportliche Chance erhält, erstmals in seiner Karriere in der Champions League zu spielen", sagte FC-Geschäftsführer Christian Keller in einer Mitteilung des Vereins und sprach von einer "für alle Beteiligten gangbaren Einigung".

Modeste: "Baumgart hat immer an mich geglaubt"

Auch Modeste selbst durfte sich noch in einer Mitteilung seines bisherigen Klubs verabschieden und seinen Gefühlen freien Lauf lassen. "Köln wird immer meine zweite Heimat bleiben - ich liebe den Klub und die Stadt", so der Angreifer, der speziell seinem Trainer dankte: "Steffen Baumgart hat immer an mich geglaubt." Und doch war die Anziehungskraft des BVB größer als alles, was ihm Köln-Müngersdorf zu bieten hatte. "Mit dem Angebot des BVB hat sich für mich die in meinem Alter einmalige Chance ergeben, Champions League zu spielen und mich auf höchstem Niveau beweisen zu können."

Am 8. Spieltag kehrt er nach Köln zurück. Rund acht Wochen sind es bis dahin. Dann wird sich zeigen, ob sich die enttäuschte Kölner Fanseele mit Modestes fluchtartigem Abschied arrangiert hat. Vergessen machen können ihn die einstigen Kollegen, sie müssen sich nur so präsentieren wie gegen Schalke. Als Kollektiv, ohne den Topverdiener.

bst

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