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Moderne und Vergangenheit: Roma im Umbruch

Serie-A-Vorschau: Der Capitano geht in seine letzte Saison

Moderne und Vergangenheit: Roma im Umbruch

Zwei Gesichter der Roma - eine Ikone und ein Ninja: Francesco Totti und Radja Nainggolan.

Zwei Gesichter der Roma - eine Ikone und ein Ninja: Francesco Totti und Radja Nainggolan. Getty Images

Stolz sind die Römer schon immer - oder wie es in einem aktuellen Bericht der "Sports Illustrated" heißt: "Ein Römer zu sein bedeutet, dass die Geschichte dieser Stadt durch deine Adern fließt und dein Herz erobert." Bemerkenswerte Worte über die "Ewige Stadt", deren Geschichte weit zurückreicht.

Doch wie steht es um den größten Fußballverein darin, wie steht es um die in der Stadt beliebte Roma, die weltweit im Konzert der Großen mitspielen möchte? Ganz eindeutig: Seit Jahren bewegt sich wieder etwas, der Klub verschiebt seine Grenzen, der Verein positioniert sich etwas näher am Mittelpunkt des Weltfußballs.

Spielersteckbrief Totti
Totti

Totti Francesco

Spielersteckbrief de Rossi
de Rossi

de Rossi Daniele

Spielersteckbrief Pjanic
Pjanic

Pjanic Miralem

Spielersteckbrief Dzeko
Dzeko

Dzeko Edin

Spielersteckbrief El Shaarawy
El Shaarawy

El Shaarawy Stephan

Spielersteckbrief Nainggolan
Nainggolan

Nainggolan Radja

Spielersteckbrief Strootman
Strootman

Strootman Kevin

Spielersteckbrief Salah
Salah

Salah Mohamed

Spielersteckbrief Sadiq
Sadiq

Sadiq Umar

Trainersteckbrief Spalletti
Spalletti

Spalletti Luciano

AS Rom - Vereinsdaten
AS Rom

Gründungsdatum

22.07.1927

Vereinsfarben

Gelb-Rot

Legende Totti: "Ich bin keine Ikone"

Präsident James Pallotta und Geschäftsführer Mauro Baldissoni stehen für die Modernisierung der Giallorossi. Die Wurzeln des Vereins werden aber dennoch nicht vergessen. Über allem steht Rom! "Ich war schon immer sehr stolz darauf, Römer zu sein. Ich bin ein Teil von Rom. Die Stadt ist ein Teil von mir. Wenn du so etwas sagst und dich dabei wie Julius Caesar fühlst, dann muss das etwas bedeuten", sagt Baldissoni. Stolz und Bescheidenheit zugleich - Eigenschaften, die auch die vielleicht größte Sportlegende der Stadt auszeichnet: Francesco Totti. Der Capitano sagt: "Ich bin keine Ikone. Ich bin einfach ein Bürger Roms, der seine Stadt liebt."

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Die ganze Stadt - mit Ausnahme der Lazio-Anhänger - aber liebt Totti, sie verehrt ihn! Und das ist kein Wunder: Die Nummer 10 der Roma geht für seine große Liebe jetzt in seine 25. Saison, immer blieb er seinem Verein treu. Der Routinier, der am 27. September 40 Jahre alt wird, ist die Ausnahme der Regel. 23-jährige Treue prägen die Roma-Ikone, der mit der italienischen Nationalmannschaft 2006 Weltmeister wurde.

De Rossi: "Ich liebe es, hier zu leben"

Daniele de Rossi

Anführer, Lautsprecher, Ur-Römer: Daniele de Rossi. Getty Images

Doch die aktuelle Roma nur auf ihr Aushängeschild, dessen Probleme mit Trainer Luciano Spalletti aus der vergangenen Saison (Streitereien, Verbannung auf die Bank) ausgeräumt sind, zu reduzieren, wird den Hauptstädtern nicht gerecht. Es bewegt sich was, wenngleich die letzte von insgesamt drei Meisterschaften schon etwas zurückliegt (2001): In den Jahren 2010 und 2013 gewannen die Giallorossi den italienischen Pokal, 2014 und 2015 stand die Vize-Meisterschaft hinter Krösus Juve zu Buche. In der vergangenen Spielzeit erreichte die Roma Rang drei.

Nun also der nächste Angriff auf ganz oben. Doch mit wem? Da gibt es zum Beispiel Daniele de Rossi, der selbst einst Angebote von Manchester United, Real Madrid oder Chelsea ausschlug, seit 2001 im Verein spielt und in dieser Saison seinen 400. Einsatz feiern wird. Andere Spieler wären längst dem Ruf nach Titeln an andere Stellen gefolgt, doch das zählt für de Rossi - den gebürtigen Römer - nicht: "Wenn ich nicht in Rom geboren worden wäre, würde ich niemals Roma-Fan sein. Ich würde nie diese Bringschuld gegenüber der Stadt, den Einwohnern, den Fans spüren. Für mich als Spieler hätte der Weg in der Vergangenheit sicher leichter verlaufen können, doch das ist nur die eine Seite der Medaille." Die andere? "Ich liebe es, hier zu leben. Ich liebe es, die Fans glücklich zu machen. Auch wenn es nur in einem Spiel gelingt."

El Shaarawy, Salah, Rüdiger & Co.

Stephan El Shaarawy und Mohammed Salah

Die Flügelzange, die nach Toren gerne mit einem Pyramiden-Zeichen jubelt: die "Pharaos" Stephan El Shaarawy und Mohammed Salah. Getty Images

Der Kader: Neben Totti und de Rossi enthält die aktuelle Gruppe um Coach Spalletti auch andere Größen: Flügelflitzer Mohammed Salah wurde nach einer Leihe fix vom FC Chelsea verpflichtet, Stephan El Shaarawy hat in der Rückserie sein großes Potenzial wieder vermehrt angedeutet, Wojciech Szczesny erwies sich als sicherer Rückhalt, für die Abwehr wurde neben Kostas Manolas und Antonio Rüdiger Thomas Vermaelen vom FC Barcelona an Land gezogen. Und im Sturm schürt neben Edin Dzeko Nachwuchsmann Sadiq Umar (19) Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft. Eine Zukunft, dessen Teil auch Radja Nainggolan sein soll. Der Belgier, der gerne als "Ninja" bezeichnet wird und immer wieder mit großen europäischen Klubs in Verbindung gebracht wird , gilt als neuer Chef und kann so ziemlich alles: Defensiv glänzt der Mann mit dem Irokesenschnitt mit robuster Zweikampfführung, als Aufbauspieler weiß er präzise Pässe zu spielen und im Abschluss verfügt der 28-Jährige ebenfalls über Power und Präzision.

Bitter: Juventus Turin, der fünfmalige Serienmeister, schnappte der Roma Ideengeber und Regisseur Miralem Pjanic für 38 Millionen Euro weg. Auf dieser Position klafft deswegen ein Loch, das erst noch geschlossen werden muss. Diese Lücke im Mittelfeld stopfen könnte Kevin Strootman, der nach etlichen Verletzungen und ewig langer Pause endlich wieder voll mitwirken soll.

Champions League - und mehr?

Prognose: Die Roma ist ambitioniert, die Roma ist gut aufgestellt, die Roma hat Potenzial. Doch an Meisterschaftsfavorit Juventus Turin wird es wahrscheinlich kein Herankommen geben. Die Giallorossi werden mit Neapel um die direkte Qualifikation um die Champions League kämpfen - wie schon in den letzten Jahren.

Auszuschließen ist aber nichts, denn die Stadt ist im sportlichen Wandel. Die Fans wollen mehr - was allein die Besucherzahlen der letzten Jahre belegen: Im Stadio Olimpico fanden sich in den letzten Jahren im Schnitt stets 40.000 Fans ein - trotz mehrmaliger Sperren oder Boykottierungen der Curva Sud. Das neue Stadionprojekt für 2019/20 steht zudem an, die Investoren befinden sich nur geringfügig hinter dem Zeitplan.

Die Marke Roma wird zudem seit geraumer Zeit weltweit konsequent positioniert. Über die sozialen Kanäle ist der italienischen Erstligist aktiv wie die ganz großen Kaliber im Geschäft (Bayern München, Real Madrid, Manchester United), US- oder Asien-Touren stehen jährlich auf der Agenda. Boss Pallota sagt, "er sieht die Roma als Geschäft, blickt darauf aber wie auf eine Familie". De Rossi ergänzt mit Hinblick auf Moderne und Vergangenheit: "Wir können unsere Geschichte mit der ganzen Welt teilen, die die Menschen in Rom längst kennen und fühlen."

Wir sind nicht allzu weit entfernt.

James Pallotta

Die kommenden Kapitel dieser Geschichte sollen in jedem Fall größer ausfallen - das zeigen nicht zuletzt Aussagen von Pallotta über die Champions League und deren Größen Real Madrid, Barcelona oder Bayern München: "Wir sind nicht allzu weit entfernt, uns mit diesen Mannschaften zu messen." Die Zukunft wird's zeigen - vielleicht schon in dieser Saison.

mag

"Il Capitano Totti" - der nimmermüde Römer