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Mobilität in der Schwebe

Seilschwebebahnen für die Citys - Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln - Förderprojekt angelaufen

Mobilität in der Schwebe

TransMiCable: In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gehört eine Seilbahn zum öffentlichen Nahverkehr. Sie ist an das Busnetz angeschlossen.

TransMiCable: In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gehört eine Seilbahn zum öffentlichen Nahverkehr. Sie ist an das Busnetz angeschlossen. ampnet/Doppelmayr Seilbahnen

Die Suche nach alternativen Mobilitätskonzepten, die verstopfte Innenstädte auf umweltfreundliche Art entlasten könnten, fördert immer neue Ideen zutage. Eine, die auf den ersten Blick geradezu abenteuerlich anmutet, beruft sich auf ein Verkehrsmittel, das eigentlich Skifahrer oder Gipfelstürmer auf die Bergeshöhen transportiert: Seilbahnen, so die Vision, könnten als Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und Bahnen über urbane Ballungsräume schweben.

Über die Stadt gondeln

Ein vorgezogener Aprilscherz ist das keineswegs. Tatsächlich loten das Ingenieurbüro "SSP Consult Beratende Ingenieure" und das Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart derzeit aus, inwieweit es sich über unsere Städte gondeln ließe.

Dass das auf zwei Jahre angelegte Projekt nicht als weltfremd eingestuft wird, zeigt die Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Neben fachlicher gewährt sie auch finanzielle Unterstützung und greift mit gut 300.000 Euro unter die Arme.

Umweltfreundliche Alternative

Projektleiter Michael Welsch sieht die Vorteile des ungewöhnlichen Verkehrsmittels in dessen Umweltrelevanz. Im Vergleich zu S- oder U-Bahnen falle die Bauzeit kürzer aus, es müsse verhältnismäßig wenig Fläche versiegelt werden und nicht zuletzt seien weniger Resourcen anzugreifen.

"Seilschwebebahnen sind sehr geräuscharm, zerschneiden kaum Natur- oder Bewegungsräume und bieten eine sehr gute CO2-Bilanz sowohl in der Herstellung als auch im Betrieb", sagt Welsch.

Ob solch theoretische Argumente einer praktischen Umsetzung standhalten könnten, soll das Förderprojekt klären. Mit im Boot (respektive der Gondel) ist ein Expertenbeirat, dem neben Vertretern von Politik, Wissenschaft und Verbänden auch diejenigen angehören, die ein Seilbahn-Vorhaben letztlich betreffen würde - die Kommunen nämlich.

Akzeptanz ausgelotet

Im Rahmen einer Untersuchung erfahren nicht nur Wirtschaftlichkeit, Umweltaspekte und Lebenszyklus eine nähere Betrachtung, sondern auch die Bevölkerungsakzeptanz. Nicht jedem Bürger mag die Seilbahn über der Innenstadt schließlich gefallen, und ob er sie überhaupt benutzen würde, ist noch eine ganz andere Frage. Ob sich irgendwann Berliner Fahrgäste per Seilbahn vom Brandenburger Tor zum Potsdamer Platz begeben, scheint doch sehr in der Schwebe.

ule