NFL

New England Patriots: Mac Jones vor der Meisterprüfung

Patriots-Quarterback bestreitet sein erstes Play-off-Spiel

Mit Brady-Parallelen und Wilson als Vorbild: Mac Jones vor der Meisterprüfung

Erinnert in vielem an den jungen Tom Brady: Patriots-Quarterback Mac Jones.

Erinnert in vielem an den jungen Tom Brady: Patriots-Quarterback Mac Jones. Getty Images

Einerseits lagen die Expertisen daneben, andererseits waren sie doch irgendwo richtig. Vor dem NFL-Draft im vergangenen April wurde Mac Jones von den NFL-Draft-Analysten zumeist als fünftbester, teils nur als sechstbester Quarterback der Klasse bewertet, teilweise erhielt er nicht einmal eine First-Round-Grade.

Nach Abschluss der ersten Saison hat sich das Narrativ gedreht. Während die vier vor ihm ausgewählten Spielmacher Trevor Lawrence (Jaguars, Pick 1), Zach Wilson (Jets, Pick 2), Trey Lance (49ers, Pick 3) und Justin Fields (Bears, Pick 11) entweder enttäuschten oder nur phasenweise überhaupt spielten, hat Jones (Pick 15) die vergangenes Jahr nach einer dominanten Ära schwachen New England Patriots zurück in die Play-offs geführt. Dort trifft der NFL-Neuling in der Nacht von Samstag auf Sonntag (2.15 Uhr MEZ) auf die Buffalo Bills.

Die Parallelen zu Brady sind unübersehbar

Und doch waren die Jones' Vorab-Bewertungen nicht komplett falsch.

Denn häufig war eben auch zu lesen, dass Jones - neben dem letztlich hart aufgeschlagenen Wunderkind Lawrence - am meisten "NFL-ready" sei, durch sein Spielverständnis und seine Arbeitsbedingungen am Top-College Alabama, mit dem er vor ziemlich genau einem Jahr die nationale Meisterschaft gewann. Im Finale gegen das von Justin Fields angeführte Ohio State warf Jones fünf Touchdown-Pässe.

Warum er im Draft trotzdem erst später gezogen wurde? Es sind die athletischen Limitierungen, die Jones im Vergleich zu seinen Mitbewerbern mitbrachte. Zu langsam sei er, hieß es, zu unbeweglich, vielleicht sogar ein wenig zu übergewichtig. Die Parallelen zu den Meinungen eines Quarterbacks, der im Draft 2000 ebenfalls erst hinter anderen, athletischeren Spielmachern gezogen worden war, waren kaum zu übersehen. Sein Name: Tom Brady (sechste Runde erst an 199. Stelle).

Tom Brady - Der erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte

Belichick adelt Jones: "Einer unserer konstantesten Spieler"

Es passt also nur zu gut, dass nun auch der "Baby-Brady" für die New England Patriots aufläuft und quasi mit einem Jahr Verzögerung dessen Nachfolger geworden ist. Praktisch auch für Head Coach Bill Belichick, der sein Brady-System nicht großartig anpassen musste. "Er ist sehr konstant, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche", sagte die Trainer-Ikone zuletzt über seinen Spielmacher. "Ich glaube sogar, er ist einer unserer konstantesten Spieler." Und wenn Belichick etwas mag, dann ist das Konstanz.

Vor allem aber profitiert Jones umgekehrt von Belichick. Anders als etwa Lawrence oder Fields, denen das Coaching in ihrem ersten Jahr eher schadete als half, konnte Jones in einer für seine Art des Quarterback-Spiels geschaffenen Struktur spielen und auch Spiele gewinnen, ohne den Helden spielen zu müssen.

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20. Januar 202201:07:03 Stunden

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Bestes Beispiel: Das vom Winde verwehte Division-Duell in der AFC East mit den Buffalo Bills Anfang Dezember gewannen die Patriots, obwohl Jones im gesamten Spiel gerade einmal drei (!) Pässe geworfen hatte. Genau gegen diese Bills wird der junge Spielmacher nun - vermutlich ohne derartige Extremwetterbedingungen - sein erstes Play-off-Spiel bestreiten. Eine äußerst unangenehme Aufgabe: Buffalo stellt eine der besten Defenses der Liga, beim zweiten Aufeinandertreffen in der Regular Season warf Jones am zweiten Weihnachtsfeiertag zwei Interceptions, zeigte seine schwächste Saisonleistung.

Macht Jones es so wie einst Wilson?

Generell ist die Leistungskurve des 23-Jährigen - recht untypisch für einen Rookie - nach einem starken mittleren Saisondrittel zuletzt eher abgeflacht. Zur denkbar ungünstigsten Zeit also. Und dann wäre dann ja noch diese Statistik, die den Patriots wenig Hoffnung machen dürfte. Der letzte Play-off-Sieg eines Rookie-Quarterbacks liegt nämlich schon neun Jahre zurück - damals Russell Wilson mit den Seattle Seahawks.

Die Aufgabe ist also groß für den 1,93 Meter langen Spielmacher, zumal der Hunger der erfolgsverwöhnten Patriots-Fans auf eine Rückkehr zu alter Stärke groß ist. Die Anhänger werden - trotz ähnlicher Anlagen - wohl kaum erwarten können, dass aus Jones ein zweiter Tom Brady wird. Fürs erste dürfte ihnen ein zweiter Russell Wilson reichen.

mib

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