Bundesliga

Mintzlaff ahnte frühzeitig Ungutes - So will Rose die Wende herbeiführen

Coach betritt Neuland in der Leipziger Heimat

Mintzlaff ahnte frühzeitig Ungutes - So will Rose die Wende herbeiführen

Soll "ausreichend Zeit" bekommen: Leipzigs neuer Trainer Marco Rose, hier mit RB-Boss Oliver Mintzlaff (im Hintergrund).

Soll "ausreichend Zeit" bekommen: Leipzigs neuer Trainer Marco Rose, hier mit RB-Boss Oliver Mintzlaff (im Hintergrund). IMAGO/Picture Point LE

Braungebrannt und offensichtlich gut erholt betrat Marco Rose am Donnerstag den Medienraum im Leipziger Leistungszentrum - ganz im Gegensatz zum neben ihm platzierten Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, dem die Turbulenzen bei RB in den vergangenen Tagen mit der Entlassung von Domenico Tedesco als traurigem Höhepunkt anzusehen waren.

Mintzlaff ahnte schon zum Ende der Rückrunde etwas

"Es war sicherlich keine leichte Entscheidung, weil wir mit Domenico Großartiges für unseren jungen Verein erreicht haben", kommentierte der Klubchef die Beurlaubung des Coaches nach nicht einmal neun Monaten. Trotz des Pokalsieges habe er "schon am Ende der Rückrunde gespürt, dass es nicht die Entwicklung ist, die wir uns wünschen. Dieser Trend hat sich fortgesetzt."

Mit der Verpflichtung von Rose verbindet Mintzlaff die Hoffnung auf eine deutlich länger ausgerichtete Zusammenarbeit, der Vertrag ist zunächst einmal bis zum Juni 2024 befristet. Der gebürtige Leipziger Rose äußerte bei seiner Präsentation klare Vorstellungen, wie er den kriselnden Pokalsieger wieder auf Kurs bringen und die Gegentorflut eindämmen will. "Ich werde ein paar Dinge anders angehen. Wir müssen Stabilität durch Aktivität erreichen. Wir wollen hinten stabiler werden, indem wir vorn mehr Druck auf den Ball kriegen", betonte er, dass künftig wieder mehr die klassische RB-DNA in Vordergrund rücken wird.

Einstieg in der laufenden Runde ist für Rose Neuland

Das Auftaktprogramm hat es in sich. In der Liga sind ausgerechnet seine Ex-Klubs Dortmund und Mönchengladbach die ersten Kontrahenten, dazwischen geht es in der Champions League am Mittwoch zu Titelverteidiger Real Madrid. "Ich habe noch nie einen Verein während der Saison übernommen", sagte Rose. Er betritt das Neuland allerdings im Glauben, dass die Voraussetzungen für den sportlichen Turnaround gegeben sind. "Es ist ein spannender Kader, der eine gute Struktur hat und von 1 bis 20 sehr ausgeglichen besetzt ist."

Niemand erwartet Wunder. Wir geben dem Ganzen ausreichend Zeit, um Dinge zu entwickeln.

Oliver Mintzlaff

Roses Aufgabe ist, aus diesem teuersten Kader der Leipziger Klubgeschichte den richtigen Spielstil und den richtigen personellen Mix zu finden. "Wir haben keinen Feuerwehrmann gesucht, sondern einen Trainer, der die Qualität des Kaders wieder auf den Platz holt", formulierte Mintzlaff seinen Anspruch an den neuen Heilsbringer: "Niemand erwartet Wunder. Wir geben dem Ganzen ausreichend Zeit, um Dinge zu entwickeln."

Kontakt zu Rose nach Frankfurt-Pleite

Tedesco, im Mai nach der Qualifikation für die Champions League und erst recht nach dem DFB-Pokalsieg in Berlin noch als Held und Retter umjubelt, bekam vergleichsweise wenig Gelegenheiten, das Ruder noch einmal herumzureißen. Anders als vor einem Jahr, als Mintzlaff die Fehlentwicklungen unter Tedesco-Vorgänger Jesse Marsch bis in den Dezember hinein ohne Konsequenzen verfolgte, griff er diesmal frühzeitig durch. "Wenn Dinge nicht aufgehen, bist du gefordert zu handeln", erklärte der Klubchef. Schon nach der 0:4-Pleite am vergangenen Samstag in Frankfurt hatte er Kontakt zu Rose aufgenommen und andererseits Tedesco aufgefordert, er müsse jetzt Ergebnisse liefern. Als diese beim peinlichen 1:4 gegen Donezk ausblieben, schritt Mintzlaff zur Tat.

"Wir freuen uns sehr, dass Marco Rose in der Kurzfristigkeit gesagt hat, er sei bereit. Es war eine glückliche Fügung, dass er verfügbar war", urteilte Mintzlaff über die Neuverpflichtung, die zwischen 2013 und 2019 in Salzburg schon reichlich Erfahrung im Fußball-Imperium von Red Bull sammelte. Mit Xaver Schlager, Amadou Haidara und Dominik Szoboszlai arbeitete er da bereits zusammen. Schon einmal hatte Mintzlaff seine Fühler nach Rose ausgestreckt, als er 2021 einen Nachfolger für Julian Nagelsmann suchte. Damals aber hatte sich Rose bereits für Borussia Dortmund entschieden - ein Gastspiel, das nach nur einer und in vielerlei Hinsicht ernüchternden Saison im Mai vorzeitig endete.

Rose: "Ich kann den Stress jetzt auch gut ab"

"Ich hatte eine Menge frei in den letzten drei Monaten. Deshalb kann ich den Stress jetzt auch gut ab", sagte Rose und freut sich auf "spannende Wochen mit herausfordernden Aufgaben". Dass diese Konstellation ausgerechnet in Leipzig, wo er noch immer sesshaft ist, eine Besondere ist, verhehlt er nicht. "Es ist nie einfach, in deiner Heimatstadt eine solch öffentlichkeitswirksame Aufgabe zu machen. Ich habe eine sehr hohe Identifikation mit meiner Heimat, mit meiner Stadt. Und ich weiß, dass ich an Ergebnissen gemessen werde", sagte er.

An familiärem Beistand unter anderen von seiner 14-jährigen Tochter aber mangelt es nicht: "Ich kann sagen, dass meine Tochter megahappy ist." Mintzlaff und RB Leipzig wollen es mit ihm wieder werden.

Oliver Hartmann

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