Bundesliga

Meunier ist bei Borussia Dortmund im Aufwind

Dortmund: Rechtsverteidiger im Aufwind

Meuniers guter Start der Mission "Vergessen lassen"

Dortmunds Thomas Meunier (li.) kommt immer besser in Fahrt.

Dortmunds Thomas Meunier (li.) kommt immer besser in Fahrt. imago images/Revierfoto

Der Diagonalschlag von Mahmoud Dahoud kam gut in dieser 20. Minute, die Verlängerung von Thomas Meunier war fast noch besser: Von der rechten Seite leitete der Außenverteidiger den Ball direkt in den Strafraum weiter, wo ihn Jude Bellingham technisch sehenswert mitnahm und aus spitzem Winkel vollendete. 1:0 für Borussia Dortmund, so etwas wie die halbe Miete des wichtigen 2:1-Auswärtssieges bei Besiktas am Mittwoch zum Start der Champions League.

Rose: "Die letzte Saison will Thomas vergessen lassen"

Für den BVB ein wichtiger Schritt in eine erfolgreiche Saison, erst recht für Vorlagengeber Meunier. Nach einer schwachen Premierensaison, in der er am Ende seinen Stammplatz erst an Mateu Morey und dann an Routinier Lukasz Piszczek verlor, steht der Belgier an einem Neuanfang im schwarz-gelben Dress. Das wurde Trainer Marco Rose bereits in den ersten Telefonaten im Sommer klar: "Die letzte Saison, das hat er mir in den Gesprächen in seinem Urlaub immer wieder so mitgeteilt, will Thomas vergessen lassen."

Zwar standen da am Ende immerhin 32 Spiele, der Liga-Notenschnitt von 3,88 und wettbewerbsübergreifend gerade einmal drei Scorerpunkte bezeugen aber eine maximal mittelmäßige Spielzeit, eine deutlich unter den Erwartungen des 2020 von Paris St. Germain nach Dortmund gewechselten EM-Teilnehmers. "Er weiß, dass er es besser kann und dass er besser ist als das, was er letztes Jahr zeigen konnte", bestätigt Rose. Das soll er nun weiter beweisen. "Wir bauen darauf, dass wir in dieser Spielzeit den richtigen Meunier sehen", hatte Sportdirektor Michael Zorc vor etwas mehr als zwei Wochen gehofft, bisher wurde er bestätigt.

Meuniers Wille und Einstellung stimmen

Denn die Tendenz stimmt. Nach einem schwierigen Start mit Leistungssteigerung gegen Hoffenheim gelang Meunier beim 4:3-Sieg in Leverkusen seine erste Torvorlage, Erling Haaland köpfte die Flanke zum zwischenzeitlichen 1:1 ein. Zwar offenbarte der 30-Jährige auch bei Bayer einige Schwächen in der Rückwärtsbewegung, der Wille und die Einstellung stimmten aber. "Thomas hat in den letzten Spielen unglaublich fürs Team gearbeitet, immer wieder die meisten Sprints und die meisten Meter gehabt", lobt Rose.

In Istanbul hielt er seine Seite gegen den gefährlichen Cyle Larin weitestgehend dicht, fand aber dennoch immer wieder die Zeit, um seine als ehemaliger Stürmer erlernten Stärken in der Offensive auszuspielen, nicht nur beim Führungstreffer. "Er bekommt inhaltlich und fußballerisch immer mehr Qualität in sein Spiel. Es gefällt mir gut, was er macht", findet sein Coach und sagt: "Thomas hat richtig gut reingefunden."

Bei allen Ansätzen wissen aber auch Trainer und Spieler, dass noch deutlich Luft nach oben ist. Immer wieder baut der Belgier vermeintliche einfache Fehler ein, nicht alle drei Gelbe Karten in den bisherigen drei Saisoneinsätzen waren notwendig, in Leverkusen hätte er in einer zweiten Szene durchaus auch vom Platz fliegen können. Das Wichtigste aber: Meunier hat ein Stück mehr zu sich gefunden. "Ich denke, er vertraut sich im Moment und bekommt Vertrauen", sagt Rose.

Zorc: "Thomas ist sehr selbstkritisch, manchmal sogar etwas zu sehr"

Ein wichtiger Schritt, denn der Belgier ist ein reflektierter Charakter, etwas verkopft. "Thomas ist sehr selbstkritisch, manchmal sogar etwas zu sehr. Ihm würde ein Schuss Lockerheit guttun", findet Zorc. Meunier benötigt Selbstvertrauen und Rückendeckung, um seine Leistungen zu bringen. Bisher, so scheint es, ist Meunier auf dem Weg, das Vertrauen zurückzuzahlen.

Patrick Kleinmann