WM

Messi: "Wir haben gelitten"

Argentinische Sangesfreuden im Lusail Stadium

Messi: "Wir haben gelitten"

Fieberte im Elfmeterschießen mit seinen Kollegen mit: Lionel Messi.

Fieberte im Elfmeterschießen mit seinen Kollegen mit: Lionel Messi. Getty Images

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

Mario Kempes wollte nicht mehr hinschauen, Hernan Crespo ebenso, Juan Pablo Sorin hatte zu früh aus Begeisterung das Trikot gewirbelt, wie das Fans in Argentinien tun, wenn sie außer Rand und Band sind - Argentiniens Ex-Nationalspieler erlebten im Viertelfinale gegen die Niederlande wie das Gros der 88.235 Zuschauer (und damit der Argentinier) im Lusail Stadium ein Wechselbad der Gefühle. Es war ein Heimspiel, gefühlt war das Stadion nur mit Fans der Albiceleste gefüllt - und am Ende gab es dann in der Tat die Explosion der Freude aus Sicht der Südamerikaner: Sieg im Elfmeterschießen.

Der eingewechselte Lautaro Martinez machte alles klar mit seinem Schuss. Ausgerechnet der Stürmer von Inter Mailand, der sechs Tage zuvor beim 2:1 im Achtelfinale gegen Australien noch die allerbesten Chancen auf einen Kantersieg vergeben hatte - offenbar hatte er sich das Zielwasser für das Elfmeterschießen aufgehoben. Denn auch am Freitag vor Ende der Verlängerung gegen die Niederlande war der Angreifer mit einer guten Chance an Keeper Andries Noppert gescheitert. In der 120. Minute traf dann Enzo Fernandez sogar den Pfosten - verpasst der Lucky Punch. Just Fernandez sollte kurz darauf als einziger Argentinier im Shoot-out vergeben. Crespo, Sorin und die anderen litten da nicht anders wie die Fans hinter den Toren.

Martinez und Martinez entscheiden

Am Ende dann aber war es ein Freudenberg auf dem Rasen, nachdem der eine Martinez, Keeper Emiliano, zwei Elfmeter gehalten, und der andere, Lautaro, den entscheidenden verwandelt hatte. Superstar Lionel Messi hatte gleich den ersten für Argentinien eingenetzt, so sicher wie den in der regulären Spielzeit zum 2:0. Da hatte alles wie nach einem sicheren Sieg für den sechsmaligen Weltfußballer und sein Team ausgesehen, Historie zeichnete sich ab: Das Halbfinale, zudem durch den insgesamt zehnten Endrunden-Treffer des 35-Jährigen. Er hat damit zu Argentiniens Rekordhalter Gabriel Batistuta aufgeschlossen. Schon früh hatte Messi Nahuel Molina grandios das 1:0 aufgelegt.

Doch dann begann das Wechselbad der Gefühle - für Messi und sein Team. "Am Ende haben wir gelitten. Wir wollten nicht ins Elfmeterschießen", gab der Anführer später freudetrunken zu, nachdem er nach dem gewonnenen Shoot-out zunächst mit Keeper Martinez, der die Schüsse von Virgil van Dijk und Steven Berghuis gehalten hatte, auf dem Rasen gekrabbelt war.

"Wir wollten es unbedingt"

"Wir wollten nicht so lange warten", sagte Messi noch. Aber sie hatten es gemusst. Denn der Ex-Wolfsburger Wout Weghorst hatte für die Mannschaft von Louis van Gaal in der Endphase der regulären Spielzeit und in der elften Minute der Nachspielzeit ausgeglichen.

In der Verlängerung hatte Argentinien zunächst geschockt gewirkt, dann aber, aus Sicht von Messi und Co., kam das gute Ende: "Wir sind eine Mannschaft, die weiß was sie tut. Wir wollten es unbedingt, es war sehr intensiv", so der Superstar, der nun weiter auf die Krönung seiner Karriere am Sonntag in einer Woche hoffen darf. Just im Lusail Stadium.

Kein Wunder, dass der Kapitän noch zehn Minuten nach Schlusspfiff mit Mannschaft und den Fans vor der Kurve gefeiert hatte, der eingewechselte Angel di Maria führte dabei den Choral an.

Gutes Omen Lusail Stadium?

Und die Fans? Hörten einfach nicht auf, auch 45 Minuten nach Ende des Elfmeterschießens skandierten sie in Massen ein "Argentina, Argentina" nach dem anderen an und sangen von "Gefühlen, die nicht zu stoppen sind". Was ganz bildlich stimmte, denn mittlerweile standen die himmelblau-weiß gewandeten Anhänger nicht mehr hinter dem Tor: das war längst abgebaut worden.

Nun zieht der Tross tausender Fans weiter, wobei: Vielleicht singen sie ja einfach durch: Am Dienstag trifft Argentinien im Halbfinale auf Kroatien - im Lusail Stadium. Sie könnten also gleich auf der Tribüne campen, die gut 1.000, die auch nach fast einer Stunde noch sangen.

Bilder zur Partie Niederlande - Argentinien