2. Bundesliga

Hannover 96 Boss Martin Kind: "Meine Empfehlung: 50+1 freigeben!"

Hannover: Kind schlägt "neue Leitplanken" für die Klubs vor

"Meine Empfehlung: 50+1 freigeben!"

Kämpft mal wieder für die Abschaffung der 50+1-Regel: Hannover-Boss Martin Kind

Kämpft mal wieder für die Abschaffung der 50+1-Regel: Hannover-Boss Martin Kind imago images

Mit der Vorstellung von Robert Schäfer als neuen Geschäftsführer zweier Gesellschaften der Fußball-KG in Hannover poppte das Thema jüngst wieder auf: Für sein Vorhaben, den Ex-Düsseldorfer in absehbarer Zeit auch zu seinem Nachfolger als Geschäftsführer der gesamten Profifußballsparte machen zu können, muss 96-Profiboss Martin Kind gemäß der 50+1-Regel die Zustimmung des Muttervereins erhalten. Dessen Vorstand allerdings wehrte sich zunächst vehement gegen die Personalie, erteilte Kind gar eine Weisung, künftige Schritte klar anzuzeigen und nicht eigenmächtig vorzupreschen.

Kind stellt die Entscheidung des Kartellamts infrage

Der 77-Jährige freilich bleibt gelassen. "Warten wir doch einmal ab …", orakelte er dieser Tage zu den Plänen mit Schäfer. Dahinter könnte auch die Zuversicht stecken, dass sich mittelfristig in Bezug auf 50+1 einige Dinge zugunsten Kinds, der jahrelang persönlich für eine Abschaffung dieser Regel gekämpft hatte, verändern. "Für die Anfrage, die ja von der DFL und von keinem der Vereine gekommen ist, hat das Kartellamt wider Erwarten sehr lange Zeit gebraucht, um eine Stellungnahme abzugeben", so der Unternehmer. Kartellrechtlich sei darin die 50+1-Regel grundsätzlich für in Ordnung befunden worden, was er persönlich infrage stelle. Dass sie aber mit den Ausnahmen Leverkusen, Wolfsburg und Leipzig teilweise ausgehebelt worden sei, sei laut Behörde kartellwidrig.

Forderung nach der Klärung rechtlicher Fragen

"Jetzt ändert das mal", sei für ihn die Botschaft, folgert Kind und rätselt zugleich: "Im Moment habe ich keine Antwort, wie die DFL das lösen will." Zumal jede Änderung eine Zustimmung von 75 Prozent der 36 Profivereine voraussetze. "Meine Empfehlung ist deshalb, 50+1 freizugeben und neue Leitplanken einzuziehen. Das wäre dann ein Modell, das die kartell- und unternehmensrechtlichen Fragen endlich klären würde und damit alle eine sichere Planungsperspektive hätten." Vor allem hinsichtlich seiner Organisationsform, ob überhaupt und wenn, mit wie vielen externen Investorenanteilen. "Keiner muss - aber jeder hätte eine freie Entscheidung."

"Der e.V. muss seine Probleme lösen, wir unsere"

Und auch die Bestellung der Geschäftsführung für die Profisparten der Klubs wäre sauber gelöst, was sich derzeit in Hannover noch als schwierig gestaltet. Um den von ihm bis vor zwei Jahren angeführten dortigen e.V. selbst, der verständlicherweise erst recht seit der Pandemie unter erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten leide, macht sich Kind nicht übermäßig Sorgen. "Ich kann das inhaltlich wirklich nicht beurteilen, habe die Verantwortung abgegeben. Der e.V. muss seine Probleme lösen, wir unsere."

Der so genannte 96-Vertrag, der unter anderem eine dauerhafte Unterstützung der Profisparte für den e.V. zusichert, sei aber ja bekannt. Und: "Wir leisten jedes Jahr eine Spende von 300.000 Euro, die sie on top zu ihren Mitgliedereinnahmen haben." Klar sei für Kind, 96 müsse auch als Breitensportverein erhalten bleiben. "Vielleicht muss er sich anders aufstellen. Das kann ich nicht beurteilen. Aber meine gefühlte Wahrnehmung ist, dass der Vorstand und auch der Aufsichtsrat die Verantwortung annehmen."

Michael Richter

Diese Zweitliga-Sommerneuzugänge stehen bislang fest