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Meijer im Interview: Matchwinner? "Havertz kann ein Mann für solche Tage sein"

Liverpools Ex-Stürmer über das FA Cup-Finale

Meijer im Interview: Matchwinner? "Havertz kann ein Mann für solche Tage sein"

Matchwinner? Kai Havertz gegen Liverpools Sadio Mané und James Miler.

Matchwinner? Kai Havertz gegen Liverpools Sadio Mané und James Miler. Getty Images

Herr Meijer, in welchem Vergleich steht es im Duell Niederlande gegen Deutschland 3:0?

Puh, das weiß ich leider gerade nicht.

Drei niederländische Trainer haben bereits ein FA-Cup-Finale gewonnen, erst am Samstag folgt der erste deutsche.

Okay, ja, da ist schön bei unserer Rivalität (lacht).

Welche drei waren es denn?

(überlegt) Louis van Gaal …. Guus Hiddink … und ….

Ruud Gullit in den 90ern mit Chelsea.

Ja, stimmt. Schöne Erfolge waren das.

Schauen wir erst zum Gegner Liverpool: Wie viele Titel werden die Reds am Ende dieser Saison haben? Einen, zwei, drei oder vier?

Wenn es um die Preise geht, muss du sehen, dass deine Jungs fit sind. Das hat Jürgen Klopp gut hinbekommen. Ich hoffe, dass es vier sind. Aber die Meisterschaft noch zu holen bei drei Punkten und sieben Toren Rückstand, das wird sehr schwierig. ManCity ist einfach unglaublich gut. Und das Champions-League-Finale gegen Real? Ja, sehr gerne. Wenn du den FA Cup gewinnst, ist das auch was Besonderes. Also drei aus vier wären auch top.

Erik Meijer

Erwartet drei Titel vom FC Liverpool: Erik Meijer. imago/Revierfoto

Das Endspiel in Paris ist kein Selbstläufer, Meister wird wohl City, wie groß ist da auf einmal der Druck für Liverpool, am Samstag gewinnen zu müssen, damit es nicht bei "nur" einem Titel bleibt?

So darf man das nicht sehen. Das ist alles sehr knapp und ausgeglichen, da stehen sich auch am Samstag zwei großartige Teams gegenüber. Chelsea hat auch nicht zufällig 2021 die Champions League gewonnen. Das wird ein interessantes Schachspiel. Ich vermute, dass Liverpool öfter den Ball haben wird und Thomas Tuchel dies auch gerne sehen wird, um dann kontern zu können. Beide denken aber offensiv, sodass wir auf viele Chancen hoffen dürfen.

FA Cup, das Finale in Wembley

Die drei Remis in den bisherigen Duellen zwischen Chelsea und Liverpool zeigen, wie ausgeglichen es zugeht. Was entscheidet das Match in Wembley am Samstag?

Ich denke, die Stars machen den Unterschied an so einem Tag.

Wer könnte das sein?

Sadio Mané und Mo Salah sind die Trümpfe bei Liverpool, Kai Havertz hat auf der anderen Seite schon bewiesen, dass er ein Mann für solche Tage sein kann.

Wenn Stürmer Selbstvertrauen haben, treffen sie auch.

Erik Meijer

Könnte sogar Romelu Lukaku noch mal ein Faktor werden?

Ja, nachdem wir zunächst wenig von ihm gesehen haben, hat er nun mehr Selbstvertrauen. Und wenn Stürmer Selbstvertrauen haben, treffen sie auch. Er ist einer, der Virgil van Dijk wehtun kann.

Apropos: Bei allen Offensivstars der Reds - wären all die Siege Liverpools ohne van Dijk nicht möglich, ist er der Schlüssel?

Als Leader, als Führungsfigur auf jeden Fall. Er ist Klopps verlängerter Arm auf dem Platz, er hat mit Torwart Alisson Liverpool erst auf dieses Niveau gehievt.

Chelsea wird wohl Dritter in der Liga. Kann man angesichts der Umstände und unabhängig vom Samstag von einer erfolgreichen Saison sprechen oder wäre mehr möglich gewesen?

Ja, das denke ich schon, dass es eine erfolgreiche Saison war. In einer Liga mit City und Liverpool Dritter zu werden, ist gut. Und wenn man bedenkt, was durch den Krieg und Roman Abramovichs Ende bei Chelsea ausgelöst wurde, haben sie es noch gut ins Ziel gelenkt.

Chelsea manager Thomas Tuchel & Antonio Rüdiger of Chelsea embrace at full time after Chelsea win 1-0 during the UEFA Champions League Final match between Manchester City and Chelsea at The Est‡dio do Drag‹o, Porto, Portugal on 29 May 2021. PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright: xAndyxRowlandx PMI-4238-0382

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Doch nun gehen zwei Innenverteidiger: Antonio Rüdiger zu Real, Andreas Christensen zu Barca, wie es aussieht. Kann Chelsea das in den eigenen Reihen abfangen?

Nein, da muss schon eine echte Topverstärkung her, aber das ist natürlich auf diesem umkämpften Markt schwierig.

Sind Sie eigentlich abergläubisch?

Nein, wieso?

Am 14. Mai hat Liverpool schon mal ein FA-Cup-Finale verloren, 1988 gegen den FC Wimbledon …

Ja, das war eine große Überraschung. Nicht bei dem Spiel, da war ich schon etwas älter, aber als Kind habe ich immer mit Billig-Cola und Chips vorm Fernseher gesessen und einmal im Jahr die einzige Übertragung aus England genossen: das Endspiel in diesem Wettbewerb.

Oder sollte diesmal lieber am 16. Mai gespielt werden, weil Sie an diesem Datum vor 22 Jahren schon mal zwei Treffer erzielt haben für die Reds im Abschiedsspiel für Ronnie Moran…

Ja, richtig, gegen Celtic. Aber nein, lassen wir das Ganze mit dieser großen Tradition lieber weiter an einem Wochenende stattfinden (lacht).

Wenn wir Sie gerade schon am Telefon haben - ein kurzer Blick zu City: Werden die Skyblues mit Erling Haaland noch besser?

Er wird sich umstellen müssen, das ist klar, weil er deutlich weniger Räume haben wird als in Dortmund, aber natürlich hat er die Qualität, auch für ManCity viele Tore zu erzielen.

Schließen wir den Kreis mit einem niederländischen Trainer: Erik ten Hag zu Manchester United. Kann er nur gewinnen, weil da alles in Trümmern liegt? Oder ist es riskant, weil nur wenige Topstars trotz hohen Gehalts kommen, um dann auf die Champions League zu verzichten?

Ich denke, dass er ein Risiko geht mit dem Schritt nach Manchester, weil da im Moment vieles im Argen ist. Ich weiß nicht, ob ten Hag sich damit einen Gefallen tut.

Dann doch noch mal nach Wembley - wie geht’s aus?

3:2 für Liverpool - diesmal nach 90 Minuten.

Interview: Thomas Böker