2. Bundesliga

Meggle: "Für mich ist das kein Rückschritt"

St. Paulis Personalkarussell: Lienen rein - Azzouzi raus

Meggle: "Für mich ist das kein Rückschritt"

Vom Trainer zum Sportdirektor: Thomas Meggle bleibt dem FC St. Pauli erhalten.

Vom Trainer zum Sportdirektor: Thomas Meggle bleibt dem FC St. Pauli erhalten. picture alliance

Das Aus gab es zum Frühstück. Bis in den frühen Dienstagmorgen hatte St. Paulis Präsidium getagt, seit Sonntag und dem blutleeren 0:1 gegen Darmstadt in allen möglichen Konstellationen zusammengesessen. Mit Rachid Azzouzi und ohne, mit Thomas Meggle und ohne. Und vor allem mit Ewald Lienen. "Weit nach Mitternacht", wie Präsident Oke Göttlich verrät, stand dann die neue sportliche Führung fest. Mit Lienen als Coach, dessen Vorgänger Meggle als neuem Sportdirektor. Und ohne den bisherigen Amtsinhaber Azzouzi.

"Zur Frühstückszeit", sagt Göttlich, habe er dem früheren Fürther die Entscheidung mitgeteilt. "Ein schwerer Gang", erklärt der neue Boss. Noch Montag im kicker hatte Göttlich versichert, in dieser Konstellation weitermachen zu wollen – schon zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch Gespräche in andere Richtungen geführt, in die auch Meggle und Azzouzi eingebunden waren. "Wir haben mehrfach mit Ewald Lienen geredet und die ersten Runden waren keine Einstellungsgespräche". Göttlich, sein Präsidium und die sportliche Leitung haben sich beim Suchen nach Auswegen aus der Krise Rat bei mehreren Trainern eingeholt, auch Ehemaligen. "Als wir uns Montag trafen, war auch immer noch ein Weitermachen eine Option", versichert der Unternehmer.

2. Bundesliga - 18. Spieltag
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Trainersteckbrief Lienen
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Azzouzis entscheidende Fehler

Am Ende aber stand dann doch der Schnitt: Ja zu Lienen, "von dem wir uns einen Reiz erhoffen", Jein zu Meggle, "den wir unbedingt im Verein behalten wollten" und Nein zu Azzouzi, "der wirklich alles getan hat". Der aber wenig Fortune mit seinen jüngsten Trainerentscheidungen hatte: Die erste Entlassung von Andre Schubert, wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im September 2012, war am wenigsten ihm anzulasten; die Trennung von Michael Frontzeck, seinem erfolgreichsten Coach, im Nachhinein ein Fehler; das Festhalten an Roland Vrabec gegen alle Bedenken in diesem Sommer war ebenso falsch. Dass Meggle Azzouzis letzter Schuss war, stand im Prinzip mit dessen Inthronisierung fest.

Ich weiß, das ist eine Plattitüde, aber es ist die Wahrheit.

St. Paulis neuer Trainer Ewald Lienen will die Defensive stabilisieren

Meggle selbst geht die veränderte Aufgabenstellung ohne gekränkte Eitelkeit an. "Ich war sehr aktiv in die Gespräche involviert, es herrscht eine große Vertrauensbasis. Für mich ist das kein Rückschritt und es steht auch nicht fest, dass ich nicht wieder als Trainer arbeiten werde. Aber jetzt ging es darum, eine Entscheidung im Sinne der Mannschaft zu treffen". Die hatte der 39-Jährige, auch aufgrund vieler Verletzungen, nicht in die Spur bringen können. Seine bittere Bilanz: Neun Punkte aus 13 Partien, der Absturz auf den letzten Platz.

Lienen absolvierte unmittelbar vor dem Aufbruch nach Ingolstadt gemeinsam mit seinem Co-Trainer Abder Ramdane eine erste Einheit mit der Mannschaft und weiß wo angesichts von 36 Gegentoren der Schuh drückt. "Wir müssen schnell die Defensiv-Organisation in den Griff bekommen. Ich weiß, das ist eine Plattitüde, aber es ist die Wahrheit". Eine weitere Wahrheit ist: St. Pauli braucht noch vor Weihnachten Punkte, um in der Rest-Rückrunde nicht hoffnungslos hinterherzuhecheln. Vielleicht nicht zwingend am Mittwoch beim Spitzenreiter, aber spätestens Samstag gegen Mitkonkurrent VfR Aalen. Göttlich weiß das, und das erklärt den ungewöhnlichen Zeitpunkt des Machtwechsels fünf Tage vor der Winterpause. "Wir wollten uns am Ende nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben".

Sebastian Wolff