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Mega-WM: Das Gejammer der Großen ist scheinheilig

Kommentar von Rainer Franzke, kicker-Chefredaktion

Mega-WM: Das Gejammer der Großen ist scheinheilig

Glaubwürdigkeitsproblem? Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach sich klar gegen eine WM-Aufstockung auf.

Glaubwürdigkeitsproblem? Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach sich klar gegen eine WM-Aufstockung auf. picture alliance

Einige Vertreter der führenden Fußballnationen sind verärgert, die große Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände der FIFA zeigt sich begeistert: Ab der Weltmeisterschaft 2026 nehmen 48 statt derzeit 32 Mannschaften an der Endrunde teil, die Zahl der Spiele erhöht sich darüber von 64 auf 80. Kein Grund zur Aufregung!

Deutschland und Spanien, Argentinien und Brasilien etwa tangiert diese Reform nun überhaupt nicht. Die Anzahl der Spiele ihrer Mannschaften wird bei den Endrunden nicht erhöht. Es bleibt bei maximal sieben Auftritten für die beiden Endspielteilnehmer. Die Belastung für die Spieler wird nicht größer. Statt drei Spielen in der Gruppenphase mit vier Mannschaften wird es ab 2026 zwei Spiele in Gruppen mit drei Mannschaften geben. Dafür findet eine K.-o.- Runde (Sechzehntelfinale) mehr statt - und diese Spiele finden ohnehin größeren Anklang als die "Aufwärmphase" in den Gruppenspielen.

Die Liga hat sich die Kommerzialisierung doch auf die Fahnen geschrieben

Der Fußball als weltweit populärste Sportart wird von dieser Reform profitieren. Mehr Teilnehmer garantieren weltweit auch mehr TV-Zuschauer. Und was soll das von einigen Bundesligarepräsentanten erhobene Gejammer über eine zunehmende Kommerzialisierung. Genau das hat sich die Liga doch auf ihre Fahnen geschrieben mit ihren Internationalisierungsplänen: mit den Sommerreisen nach Asien oder Amerika, mit den Wintertrainingslagern in Katar oder Abu Dhabi.

Mit der Erweiterung der WM werden doch genau diese Bemühungen unterstützt, werden die Nationalmannschaft und ihre Stars auch auf kleineren Märkte bekannter. Eben in jenen 16 Nationen, die zusätzlich an einer Endrunde teilnehmen können, wird das Interesse am Fußball noch stärker sein. Das von den Topvereinen vorgebrachte Kommerzialisierungs-Argument ist scheinheilig.

Die Folgen für die DFB-Pokal-Reform

Die FIFA steuert mit dieser Entscheidung gegen den Trend der UEFA und einiger nationaler Verbände. Bei der UEFA geht die Reform der Champions League ab 2018 gegen die kleineren Vereine. Und in Deutschland fordern einige Topvereine eine DFB-Pokal-Reform mit einem späteren Einstieg der Großen in den Wettbewerb. Der DFB hat sich gegen solche Überlegungen ausgesprochen. Dass er jetzt gegen die Reform der Weltmeisterschaften ist, macht ihn in der Diskussion um eine Pokalreform im eigenen Lande nicht glaubwürdig.

Rainer Franzke

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