Int. Fußball

Matthäus: "Was mache ich falsch?"

Österreich: Sein Ziel bleibt die Bundesliga

Matthäus: "Was mache ich falsch?"

Lothar Matthäus

Ernste Mine: Lothar Matthäus macht sich Gedanken über seine Trainerkarriere. dpa

kicker: Herr Matthäus, haben Sie diesen Rauswurf schon verdaut?

Lothar Matthäus: Dieser Schritt kam wirklich überraschend, solche Dinge gehören jedoch zum Fußball. Ich brauche schon etwas Zeit, um diese Entlassung zu verarbeiten. Schön wäre es vor allem zu erfahren, weshalb es dazu kam.

kicker: Kennen Sie keine Gründe?

Matthäus: Es hieß, zwischen Trapattoni und mir gebe es zwei verschiedende Spielphilosophien.

kicker: Sind Sie mit dieser Begründung einverstanden?

Matthäus: Ich akzeptiere sie, weil ich sie akzeptieren muss. Aber ein Trainer und sein Assistent haben doch überall verschiedene Auffassungen, Henke würde bestimmt auch manchmal anders spielen lassen als Hitzfeld. Diese unterschiedlichen Auffassungen gab es schon 1988, als ich zu Inter Mailand kam. Also wusste man, dass wir nicht immer einer Meinung sein würden.

kicker: Waren Sie loyal?

Matthäus: Ich habe Trap zugearbeitet und versucht, seine Meinung auf die Mannschaft zu übertragen.

kicker: War Trapattoni kooperativ?

Matthäus: Ich möchte über die Vergangenheit nicht mehr sprechen.

kicker: Hatten Sie nach der Freistellung noch Kontakt zu ihm?

Matthäus: Da muss erst Gras drüber wachsen, dann können wir mal essen gehen in Salzburg.

Trapattoni und Matthäus

Verschiedene Blickrichtungen: Giovanni Trapattoni (links) und Lothar Matthäus. dpa

kicker: Matthäus als Co-Trainer: Kann das überhaupt gutgehen?

Matthäus: Ich kam vor einem Jahr als Cheftrainer zu Red Bull, ich habe einen Trainervertrag. Trap stieg nach mir ein; da habe ich akzeptiert, dass er Trainer wurde.

kicker: Übernehmen Sie nun bald die Nationalmannschaft Tschechiens, wie gemutmaßt wird?

Matthäus: Vorerst passiert gar nichts. In keinerlei Richtung.

kicker: Wollen Sie Trainer bleiben?

Matthäus: Man macht sich schon Gedanken. Bei allen Stationen - Rapid, Partizan Belgrad, Ungarns Nationalelf, Brasilien oder Salzburg - habe ich etwas bewirkt. Ich frage mich: Was mache ich falsch? Mir wird der Vorwurf gemacht, meine Engagements seien so kurz. Aber es liegt nicht immer an mir. Woran es liegt? Ich weiß es nicht.

kicker: Womöglich hatten Sie mit den Spielern Probleme?

Matthäus: Nie, bei keinem Verein; außer wenn ich zu alte Spieler aussortieren musste. 95 Prozent der Spieler würden gerne wieder mit mir zusammenarbeiten. Ilic unterschrieb bei Red Bull, weil ich dort Trainer war. Ich fordere viel, stehe aber auf der Seite der Spieler.

kicker: Machen Sie also in diesem Trainerberuf weiter?

Matthäus: Es wäre der falsche Weg, wenn ich jetzt aufhören würde.

kicker: Sehen wir Sie irgendwann doch in der Bundesliga?

Matthäus: Sie muss das Ziel sein.

Interview: Karlheinz Wild