Bundesliga

VfL Wolfsburg: Matchwinner Gerhardt und die halbe Wahrheit

Lobeshymnen auf den Siegtorschützen, der es beim VfL nicht immer einfach hatte

Matchwinner Gerhardt und die halbe Wahrheit

Umjubelt: Matchwinner Yannick Gerhardt.

Umjubelt: Matchwinner Yannick Gerhardt. Getty Images

Natürlich, den Ball über die Linie zu drücken war nicht mehr die komplizierteste Aufgabe für Yannick Gerhardt, als er am Samstag in der Nachspielzeit zum erlösenden 3:2 gegen den VfB Stuttgart einschoss. Die größere Leistung hatte er vorher erbracht und strich selbst heraus: "Man muss erst mal dort stehen."

Der 28-Jährige lief 11,69 Kilometer und damit die meisten der Wolfsburger Mannschaft, der Mittelfeldmann macht unzählige Wege auch ohne Ball. Wege, die wehtun. Wege, die Trainer Niko Kovac einfordert, in dieser Saison aber zu selten bekommen hat von seinen Spielern. Auch, weil Gerhardt nach einer schweren Knieverletzung den Saisonstart verpasst hatte, nun aber sein Debüt in der Startelf feierte. "Er läuft in der Bundesliga unter dem Radar umher", versucht Kovac den Wert seines Antreibers hervorzuheben. "Er ist ein sehr intelligenter Fußballer, ein absoluter Teamspieler."

In diese Kerbe schlägt auch Marcel Schäfer. Der Sportdirektor und künftige Geschäftsführer betonte im NDR: "Yannick Gerhardt identifiziert sich zu 100 Prozent mit diesem Klub, das wird manchmal total unterschätzt. Er ist goldwert für diesen Verein, weil er 'Arbeit, Fußball, Leidenschaft' im Herzen trägt."

Gerhardt war bisher kein Trainerliebling

Die vermeintlich fehlende öffentliche Wertschätzung von Gerhardts Leistung ist freilich nur die halbe Wahrheit seiner nun schon sechs Jahre andauernden Zeit in Wolfsburg. Tatsächlich waren es nämlich auch immer wieder die Trainer beim VfL, die nicht dauerhaft auf den Dauerläufer setzten, andere Spieler vorzogen. Seine Bilanz seit 2016: In 88 der 224 Spiele, in denen Gerhardt zur Verfügung stand, saß er entweder 90 Minuten auf der Bank (42-mal) oder wurde nur eingewechselt (46-mal). In fast 40 Prozent der Partien war der Linksfuß also nicht die erste Wahl.

Bei Kovac, das deutet der Trainer an, dürfte er künftig eine Schlüsselrolle einnehmen. Der Kroate betont: "Yannick Gerhardt ist wichtig für uns." Als Läufer und Leader, der mit seinen 28 Jahren mittlerweile zu den ältesten in diesem jungen Kader gehört, dessen Wort Gewicht hat. Gerhardt wiederum hofft auf das Vertrauen des Coaches: "Er kommt mir sehr entgegen, weil er ehrliche Arbeit honoriert und man sich durch harte Arbeit im Training einen Platz in der Mannschaft erkämpfen kann."

Thomas Hiete

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