EM

Mancini darf sich ausgerechnet bei Jorginho bedanken

Unschöne Äußerung aus dem Jahr 2015

Mancini darf sich ausgerechnet bei Jorginho bedanken

Der entscheidende Schuss ist von ihm gekommen: Jorginho hat Italien ins EM-Finale geschossen.

Der entscheidende Schuss ist von ihm gekommen: Jorginho hat Italien ins EM-Finale geschossen. imago images

Der in der brasilianischen Hafenstadt Imbituba geborene Jorginho ist als Teil einer italienischen Familie einst im Alter von 15 Jahren in Richtung Stiefel aufgebrochen, um bei Hellas Verona den Fußball richtig zu lernen. Gesagt, getan: Bei den Veronesen ist der Mittelfeldmann zum Profi gereift und über Napoli (2014-2018) zu einem Top-Mann geworden, ehe der FC Chelsea durchgeklingelt hat. In London  hat Jorginho mit den Blues nicht nur die Europa-League 2019 sowie die Champions League 2021 gewonnen, sondern auch an diesem Dienstagabend italienische Fußballgeschichte geschrieben.

Sein Schuss zum Abschluss dieses hochspannenden Abends, zum Abschluss des intensiven Elfmeterschießens, hat den 4:2-Sieg nach dem 1:1 nach 120 Minuten unter Dach und Fach gebracht. Und was für ein cooler Schuss es gewesen ist: Jorginho läuft an, hat den Kopf oben, verzögert etwas, sieht Spaniens Torwart Unai Simon aus seiner Sicht nach links abspringen - und so wird rechts unten eiskalt vollendet.

Spielersteckbrief Jorginho
Jorginho

Frello Filho Jorge Luiz

Trainersteckbrief Mancini
Mancini

Mancini Roberto

Europameisterschaft - Halbfinale
Italien - Vereinsdaten
Italien

Gründungsdatum

01.01.1898

Italien - Die letzten Spiele
Deutschland Deutschland (A)
5
:
2
England England (A)
0
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0

Jorginhos Coolness macht den Unterschied

Kurz nach Spielschluss zeigt sich der Nationalspieler dann tief bewegt - und lobt vor allem den so oft beschriebenen Teamgeist der Squadra Azzurra: "Wir haben gegen einen mächtigen Gegner gespielt, sie haben es uns ganz und gar nicht leicht gemacht. Wir haben gelitten, doch wir spielen und leiden stets zusammen - und das ist das besondere an diesem Team. Das kann man sehen, alle fiebern mit und unterstützen." Und genau deswegen habe es Italien ins Endspiel in Wembley am kommenden Sonntag (21 Uhr) entweder gegen Dänemark oder England geschafft, auch wenn zwischenzeitlich die spielerische Dominanz der Iberer die Azzurri schon in arge Bedrängnis gebracht hat. "Am Ende haben wir es ins Finale geschafft", so Jorginho, der bei seinem finalen Elfmeter kurz nach Alvaro Moratas fatalem Fehlschuss einfach nur eines beachtet hat laut eigener Aussage: "In dem Moment habe ich einfach nur tief durchgeatmet."

Roberto Mancini klatscht mit Jorginho ab.

Roberto Mancinis verlängerter Arm bei dieser EM: Strippenzieher Jorginho von CL-Sieger Chelsea. Getty Images

Ein recht kurzer Satz für einen Mann, der bei der unter Roberto Mancini eingeleiteten Modernisierung des italienischen Fußballs eine so wichtige Rolle als Organisator im Mittelfeld eingenommen hat - und über sich selbst eigentlich sagt: "Ich rede tatsächlich immer." Doch manchmal sagt eine Aktion einfach mehr aus als viele Wörter, so gesehen eben bei seinem lässigen Elfmeter trotz reichlich Druck.

"Er ist für uns ein sehr wichtiger Spieler, da er das Tempo vorgibt und die ganze Mannschaft zum Ticken bringt", hat Coach Mancini zuletzt erst über seinen Strippenzieher erzählt. Und das erstaunt ein klein wenig, wenn man Mancinis Satz von Anfang 2015 damit vergleicht. Denn hier hat der heutige Nationaltrainer noch deutlich gesagt: "Die italienische Nationalmannschaft muss italienisch sein. Ich denke, dass es ein italienischer Spieler verdient, in der Nationalelf zu spielen, während derjenige, der nicht in Italien geboren ist, auch wenn er italienische Verwandte hat, es nicht verdient. Das ist meine Meinung." Eine Meinung, die der Trainer überdacht hat - zum Glück aus Italiens Sicht.

mag

Bilder zur Partie Italien - Spanien