BBL

Mammutaufgaben, Sperre, Derby: Die BBL-Play-offs im kicker-Check

Chemnitz konnte die Bayern bereits dreimal schlagen

Mammutaufgaben, Sperre, Derby: Die BBL-Play-offs im kicker-Check

Die Favoriten auf den Titel: Alba Berlin und der die Basketballer des FC Bayern.

Die Favoriten auf den Titel: Alba Berlin und der die Basketballer des FC Bayern. imago images

Alba Berlin (1.) - Brose Bamberg (8.)

Der zehnfache deutsche Meister Alba Berlin, nur Leverkusen steht mit 14 Titeln noch über den Albatrossen, trifft auf das erfolgreichste Team dieses Jahrtausends. Allerdings muss natürlich ergänzt werden, dass die glorreichen Jahre von Brose Bamberg seit einiger Zeit rum sind. Die Oberfranken schienen bereits aus dem Play-off-Rennen raus zu sein, sicherten sich aber mit einem tollen Schlussspurt und neun Siegen aus den letzten elf Spielen noch den letzten Spot für die Postseason.

Die Saison von Alba war erneut mit dem vollen Spielplan aus BBL und Euroleague pickepackevoll. Doch die Berliner haben es einmal mehr sehr gut gehandelt und sich am Ende Platz eins geholt. Das hängt natürlich sehr viel mit dem tiefen Kader zusammen, das Team aus der Hauptstadt ist wohl die am tiefsten besetzte Mannschaft der ganze Liga. So können die Jungs von Israel Gonzalez ihre starke und intensive Verteidigung spielen, mit nur 72,9 zugelassenen Punkten des Gegners haben die Berliner nämlich die beste Defensive der Liga. In der Offensive sprangen 87 Zähler im Schnitt heraus, nur Bonn ist hier etwas besser. Der Tabellenerste spielt vielleicht mit den schönsten Basketball der Liga, schaltet immer wieder schnell um und lässt den Spalding hervorragend laufen.

Genau das gilt es natürlich für die Bamberger zu unterbinden. Die sogenannte Transition-Defensive muss passen, sodass die Albatrosse zu nicht so vielen leichten Punkten kommen. Die Ballzirkulation der Berliner muss zudem eingedämmt werden, hier könnte für Brose die Körperlichkeit ein Mittel zum Erfolg sein. Auch unter dem Korb muss die Mannschaft von Trainer Oren Amiel, dessen Vertrag am Donnerstag bis 2024 verlängert wurde, gehörig aufpassen, denn Alba ist das beste Rebound-Team der Liga (39,6 pro Spiel). Die Hoffnungen der Bamberger ruhen sicher auf Topscorer Christian Sengfelder (16,3 Punkte) sowie Point Guard Justin Robinson, der durchaus das Potential zum X-Faktor in dieser Serie hätte.

kicker-Tipp: Alba ist der haushohe Favorit und hat sich durch starke Leistungen zum Saisonende hin Platz eins geholt. Deswegen lautet der Tipp 3:0 für die Berliner.

Telekom Baskets Bonn (2.) - Hamburg Towers (7.)

Parker Jackson-Cartwright (re,)

Ganz wichtiger Spieler für Bonn: Parker Jackson-Cartwright (re.). IMAGO/Beautiful Sports

Bonn ist vielleicht das Überraschungsteam der Saison und stand lange Zeit ganz oben in der Tabelle, am Ende zog Alba noch vorbei. Die Mannschaft von Trainer Tuomas Iisalo, der zum Coach des Jahres ausgezeichnet wurde, hat richtig Spaß gemacht, in Bonn wurde eine neue Euphorie entfacht. Nach zwei Jahren ohne Play-offs lechzen die Fans natürlich wieder nach Play-off-Basketball. Während die Baskets "überperformed" haben, konnte bei den Hamburgern mit genau jener Platzierung um Rang sieben herum gerechnet werden.

Bei Bonn dreht sich sehr viel um den zum besten Spieler des Jahres ausgezeichneten Parker Jackson-Cartwright. Der quirlige Point Guard erzielte im Schnitt 19,3 Punkte, nur TJ Shorts war mit 20,6 Zählern besser. Allerdings fehlte der 26-Jährige aufgrund eines Trauerfalls zuletzt fünf Spiele. Natürlich muss hier abgewartet werden, wie er das wegsteckt. Die beste Offensive der Liga (87,9 Punkte) lebt von der Extraklasse von Jackson-Cartwright.

Ähnlich wie für Bamberg wird es für die Hamburger darum gehen, gegen das Spitzenteam aus Bonn eine gute Transition-Defensive aufs Parkett zu legen. Denn kommen "PJC" & Co. ins Laufen, dann wird es für jede Mannschaft extrem schwer. Es wird natürlich durchaus interessant zu sehen sein, wie die Towers gegen einen Ausnahmekönner wie Jackson-Cartwright agieren. Doppeln sie ihn? Versuchen sie ihn mit wechselnden Verteidigern zu stoppen? Mit 26,2 Jahren haben die Norddeutschen den zweitjüngsten Kader aller Play-off-Teams und treffen mit Bonn auf das Team mit dem ältesten Kader (28 Jahre).

kicker-Tipp: Bei Bonn steht und fällt viel mit Parker Jackson-Cartwright. Ist er in Top-Verfassung, dürfte es eine klare Sache werden. Kann Hamburg den Ausnahmekönner stoppen, haben sie eine Chance. In Summe wird Bonn den Lauf fortsetzen und mit 3:1 gewinnen.

FC Bayern München (3.) - Chemnitz 99ers (6.)

Andrea Trinchieri

Verlor mit seinem Team dieses Jahr dreimal gegen Chemnitz: Bayerns-Coach Andrea Trinchieri. IMAGO/Eibner

Ähnlich wie bei Alba Berlin hätte der Spielplan der Bayern mit der Euroleague kaum voller Saison können. Für die Münchner ging es sogar in die Play-offs, wo knapp gegen Spitzenteam Barcelona Endstation war. Am Ende beendeten die Münchner die Hauptrunde auf Rang drei, was aufgrund des Glaubens an die eigene Stärke wohl kein großes Problem darstellen sollte. Mit Chemnitz wartet nun allerdings eine Mannschaft auf den fünffachen Deutschen Meister, der die Jungs von Andrea Trinchieri bereits dreimal (zweimal Liga, einmal Pokal) schlagen konnte.

"Damals kamen wir entweder aus einer doppelten Euroleague-Woche oder direkt von einer schwierigen Auswärtsreise und mit verletzten Spielern", erinnert sich Kapitän Nihad Djedovic auf der Website der Bayern, fügt aber respektvoll an: "Tatsache ist, dass sie uns dreimal besiegt haben. Wir wollen es besser und wieder gut machen. Aber klar ist auch: Wir wissen, dass es schwer wird." Aber die Bayern wissen natürlich auch um die eigenen Stärke. Topspieler Darrun Hilliard fällt zwar weiter mit einem Schlüsselbeinbruch aus, aber der Kader der Münchner ist tief genug besetzt. Die Offensive der Mannschaft von Trainer Andrea Trinchieri ist sehr variabel, defensiv können die Münchner sehr kompakt spielen, was unter anderem gegen Barcelona zu sehen war. Mit nur 74 zugelassenen Punkten weist nur Alba einen besseren Wert auf.

Und was macht Chemnitz gegen dieses Starensemble aus München Mut? Natürlich allen voran die drei Siege in dieser Saison. Außerdem ist in der zweiten BBL-Saison überhaupt das Erreichen der Play-offs bereits ein großer Erfolg. Es zählt also frei das Motto: Die 99ers haben in dieser Serie mal so gar nichts zu verlieren. Allerdings hat es die Aufgabe in sich - und es wird nochmal ein deutlich härterer Brocken, da mit Darion Atkins der wichtigste Spiele erst einmal fehlt. Der beste Scorer, Rebounder wie auch Shotblocker der Chemnitzer wurde wegen einer Tätlichkeit im Spiel gegen Crailsheim am 7. Mai für drei Spiele gesperrt. Wenn es also blöd läuft, spielt er gar nicht für die 99ers in der Postseason. Hinzu kommt, dass Nationalspieler Niklas Wimberg nach über zweimonatiger Verletzungspause gerade erst in den Kader zurückkehrte und obendrein mit Isiaha Mike, Frantz Massenat, Eric Washington und Ivan Karacic zuletzt vier Leistungsträger gesundheitlich angeschlagen waren.

kicker-Tipp: Natürlich hat Chemnitz dreimal in dieser Saison gegen die Bayern gewonnen, aber in diesen Spielen gab es andere Vorzeichen. Nun haben die Münchner eben nicht diese Doppelbelastung, dazu kommen die personellen Fragezeichen bei Chemnitz sowie die Sperre von Atkins. Deswegen geht die Serie klar mit 3:0 an die Bayern, die im Übrigen bei den Buchmachern als Titelfavorit geführt werden, ganz knapp vor Alba.

MHP Riesen Ludwigsburg (4.) - ratiopharm Ulm (5.)

Per Günther

Wird es seine letzte Play-off-Serie? Per Günther. IMAGO/Nordphoto

Die Ludwigsburger haben sich knapp den Heimvorteil gesichert und eröffnen gegen Ulm also die Play-off-Serie vor den eigenen Fans. Es kommt zum schwäbischen Derby, in dem durchaus einiges an Feuer drin sein dürfte. Für die Ulmer es ist in den vergangenen elf Jahren die zehnte Postseason, die Mannschaft hat also durchaus eine Dauerkarte. Und alleine zum Abschied von BBL-Legende Per Günther, der nach der Saison mit dem professionellen Basketball aufhören wird, wollen die Ulmer sicher noch mindestens eine Runde weiterziehen.

Der Basketball der Ludwigsburger unter Coach John Patrick ist natürlich seit Jahren bekannt und dürfte auch die Ulmer in den Play-offs nichts überraschen. Doch wenngleich klar ist, wie gerne die Riesen über das ganze Feld pressen, so bereitet das natürlich durchaus Probleme. Bei "Lubu" konzentriert sich im Spiel viel auf Spielmacher Jonah Radebaugh (14,8 Punkte) und Small Forward Justin Simon (13,5 Zähler). Zweitgenannter wurde zum besten Defensivspieler der Liga ausgezeichnet und ist somit an beiden Enden des Feldes ein wichtiger Faktor.

Diese beiden gilt es für Ulm unter anderem in den Griff zu kriegen. "Es wird eine spannende Serie, die uns alles abverlangen wird. Wir haben diese Saison bereits gesehen, dass wir Ludwigsburg schlagen können und auch im Auswärtsspiel waren wir nicht chancenlos. Gegen Ludwigsburg konnten wir bereits eine reguläre Serie für uns entscheiden und der Gegner uns lediglich im Finalturnier in München besiegen", sagte Sportdirektor Throsten Leibenath auf der Website der Ulmer. Und Coach Jaka Lakovic fügt an: "Die Play-offs sind eine neue Saison. Alles steht auf null und das Team bekommt jetzt einen extra Boost. Wir erwarten eine sehr schwierige Serie, da Ludwigsburg sehr physisch spielt." Beide Teams kennen sich natürlich bestens, auf Seiten von ratiopharm hoffen sie in der Offensive unter anderem auf den starken Jaron Blossomgame.

kicker-Tipp: Auf dem Papier ist das die engste der vier Serien. Es kann absolut in beide Richtungen kippen. Aufgrund des Heimvorteils lautet der Tipp 3:2 für Ludwigsburg.

Mirko Strässer

"Der Letzte, der kam und der Erste, der ging": Besuch bei Ulms Per Günther

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