Bundesliga

Mainzer Aufsichtsratsboss: "Wer seine Seele verkauft, der kommt in die Hölle!"

Detlev Höhne geht in die Offensive und kritisiert Leipzig, Schalke und Hertha BSC

Mainzer Aufsichtsratsboss: "Wer seine Seele verkauft, der kommt in die Hölle!"

Mainzer Aufsichtsratsboss Detlev Höhne

Teilt mit deutlichen Worten aus: Der Mainzer Aufsichtsratsboss Detlev Höhne. imago images

"Die Corona-Krise zeigt deutlich, dass es keine Wettbewerbsgleichheit in der Liga mehr gibt", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Detlev Höhne vom FSV Mainz 05 in einem Bild-Interview. Präsident Markus Hankammer vom Zweitliga-Absteiger SV Wehen Wiesbaden klagt im Zusammenhang mit Staatskrediten für Profivereine: "Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung und unfair gegenüber allen anderen."

Höhne nimmt RB Leipzig, Schalke 04 und Hertha BSC ins Visier

Für Höhne existiert "das nationale Financial Fairplay doch schon jetzt nicht mehr." Beim VfL Wolfsburg und Bayer 04 Leverkusen werde "ein Minus am Ende einfach vom Konzern ausgeglichen." Voll ins Visier nimmt der Mainzer die Konkurrenten RB Leipzig, Schalke 04 und Hertha BSC. "Bei RB kann die Führung deutlich entspannter arbeiten, wenn man weiß, dass im Hintergrund einer ist, der einem 100 Millionen Schulden erlässt, man keinem Aufsichtsrat Rechenschaft ablegen und lediglich 19 Mitgliedern Rede und Antwort stehen muss, darunter sich selbst. Grundgedanke der DFB-Statuten ist, dass Verein, Mitglieder, Fans immer die Mehrheit haben sollen. Und Leipzig gründet einen Verein, in dem gar keiner Mitglied werden kann sondern berufen wird? Es darf bei uns nicht wie in England, Italien oder Spanien sein, dass private Millionäre den Klub führen."" Schalke habe "mit den großen Hunden pinkeln" wollen, dafür habe man Schulden gemacht: "Das ist ja nun gründlich schiefgegangen." Und "bei der Hertha kauft ein reicher Immobilienunternehmer 60 Prozent der Profiabteilung. Das will der DFB genehmigen, weil der Investor sagt, dass er dafür nur 49 Prozent der Stimmrechte haben will."

Höhne zieht folgendes Fazit: "Wer seine Seele verkauft, der kommt in die Hölle! Der Fußball gehört den Fans und nicht einer Handvoll Superreichen." Seine Forderung: Eine andere Verteilung der Fernsehgelder unter stärkere Berücksichtigung der kleineren Vereine und international verbindliche neue Muster-Arbeitsverträge, da "die Risikoverteilung zwischen Klubs und Spielern nicht stimmt."

Hankammer: "Situation wird schamlos ausgenutzt"

Beim Thema Wettbewerbsverzerrung spricht der Markus Hankammer im Zusammenhang mit Staatskrediten in der Corona-Krise von einer Situation, "die schamlos ausgenutzt wird." Über "eine nicht nachvollziehbare Aktivität gegenüber dem Steuerzahler." Vereine, die "über viele Jahre Misswirtschaft betrieben haben", hätten nun "eine historische Chance, ihre Probleme sozusagen durch die Hintertür zu lösen. Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung und unfair gegenüber allen anderen. Das hat nichts mehr mit vernünftigem Wirtschaften zu tun." Niemand müsse sich bei dieser Entwicklung wundern, "wenn die Menschen kein Verständnis mehr für den Fußball haben." Dazu trage auch der Erlass von Stadionmieten durch Kommunen oder die "Öffnung der Insolvenzklausel im deutschen Profifußball"bei.

R.F.

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