Bundesliga

Mainz: Baumgartlingers Weihnachtswunsch

Schmidt lobt Bells Mentalität

Mainz: Baumgartlingers Weihnachtswunsch

"Schleichender Umbruch": Moritz Baumgartlinger (re., mit Stuttgarts Lukas Rupp) lobt die Neuen im Team.

"Schleichender Umbruch": Moritz Baumgartlinger (re., mit Stuttgarts Lukas Rupp) lobt die Neuen im Team. Getty Images

Denn an guten Tagen, da zwingt die Mannschaft von Trainer Martin Schmidt mit ihrem phänomenalen Umschaltfußball auch individuell bessere Gegner in die Knie. Diese überwogen bislang in der Hinrunde. Auch, weil die Nullfünfer seit fünf Partien auf hohem Niveau verteidigen. Wenn ein Gegner, so wie der VfB am Freitag, die Mainzer Stärken gut analysiert, schnell hinter den Ball kommt und dann auch noch die Individualisten Yunus Malli, Yoshinori Muto und (zumindest bis zur 60. Minute) Pablo De Blasis größtenteils aus der Partie nimmt, dann tut sich Schmidts Elf nach wie vor schwer. Das ist jedoch kein Wunder, findet Julian Baumgartlinger: "Einen Gegner 90 Minuten lang bespielen, das können nicht mehr ganz viele Mannschaften in der Bundesliga."

Schmidt: Bell hat sich "rausgebuddelt"

Insofern ist Schmidt zufrieden, dass seine Schützlinge diesmal, als zwei konzentriert und fleißig verteidigende Teams aufeinander getroffen sind, punkteten - anders als noch zum Saisonauftakt gegen Ingolstadt (0:1) und vor wenigen Wochen gegen Werder (1:3). Der Schweizer verglich diese Partien mit der gegen Stuttgart. Zutreffend. Wenig ansehnliche Geduldsspiele, die eine Mannschaft dahingehend locken können, zu viel zu riskieren. Seine Elf tat es diesmal nicht, was der 48-Jährige als Weiterentwicklung einordnet. "Es gehört zu Mainz 05, dass wir keine Spieler haben, die 200 Bundesligaspiele auf dem Buckel haben und solche Partien, Siebter gegen 17., cool runterspielen", findet Schmidt. Er sagte das, als er auf die seltsam fahrige Vorstellung Stefan Bells in der ersten Hälfte angesprochen wurde. Der Rechtsfüßer ist nicht bekannt dafür, besonders nervös zu sein. Er ist ein solider Verteidiger, der durchaus Qualitäten in der Spieleröffnung hat. Das zeigte er größtenteils erst nach der Pause. Schmidt lobt diese mentale Stärke: "Er hat sich rausgebuddelt und wie das ganze Team in der zweiten Halbzeit von der besseren Seite gezeigt." Ähnlich sei es bei Danny Latza gewesen, der nach zwei, drei Fehlpässen zu Beginn hektisch wirkte. "Ich habe ihm gesagt: Das passiert, abhaken, weiter", erklärte Schmidt. Auch der Sechser steigerte sich.

Ein 0:0 gegen den Vorletzten, das ist ein Rückschritt für ein Mainz 05, das zuvor fünf Partien ohne Niederlage absolviert hatte, könnte man meinen. Aber ist es das wirklich? Eher nicht, findet Schmidt. "Wenn man sich die Kader anschaut, sieht man: Stuttgart hatte noch mehr Spieler auf dem Feld aus dem Frühjahr als wir." Was der FSV-Coach damit sagen will: Der Umbruch in Mainz fiel einmal mehr groß aus. Dass neben Johannes Geis und Shinji Okazaki auch ein Joo-Ho Park ging oder ein Ja-Cheol Koo bewusst abgegeben wurden, das wird oft vergessen. "Er ist etwas schleichender gekommen, der Umbruch", sagt Baumgartlinger, der allen Neuen ein gutes Zeugnis ausstellt, was die Integration angeht. "Man merkt auch, dass Pablo (De Blasis, Anm. d. Red.) und Jairo im zweiten Jahr super drauf sind. Es hilft ihnen, dass sie länger da sind und alles verinnerlicht haben", ergänzt der Kapitän. "Wir sind noch in der Findungsphase. Dass wir so eine solide Vorrunde spielen und so eine Phase wie im Oktober wegstecken, ist schön", lobt Schmidt.

Eine Belohnung in Form einer teaminternen Weihnachtsfeier gibt es dafür nicht. Terminlich sei es schwierig, erklärt Baumgartlinger. Dann überlegt der Österreicher kurz: "Wir können uns ja in Berlin selbst beschenken."

Benni Hofmann