FIFA WM

WM 2022: Mainz-Profi Lee über Katar und Südkorea

Die unterschiedlichen Perspektiven in der Heimat und der Wahlheimat

Mainz-Profi Lee: "In Korea sind die Menschen von der WM begeistert"

Südkoreas Nationalspieler Jae-Sung Lee.

Südkoreas Nationalspieler Jae-Sung Lee. Getty Images

Aus Katar berichtet Thiemo Müller

Trotz der Erfahrung von bereits drei WM-Einsätzen 2018, unter anderem beim 2:0-Erfolg gegen Deutschland, fühlte sich Jae-Sung Lee an diesem Donnerstag wie beim ersten Mal. "Ja, beim World Cup zu spielen, ist mein Traum", erklärte der 30-Jährige, "vor dem Spiel war ich deshalb auch ein bisschen nervös. Aber mit dem Anpfiff war das vorbei."

Bei Südkoreas 0:0-Auftakt gegen Uruguay erledigte Lee dann seine Aufgabe so, wie man es auch im Trikot von Mainz 05 kennt. Mannschaftsdienlich, zuverlässig, ohne Attitüden. Also im besten Sinne solide. Gegen den Ball beorderte ihn Trainer Paulo Bento in die vorderste Pressing-Linie, bei eigenem Ballbesitz agierte Lee im halblinken Mittelfeld bis zur Auswechslung nach 74 Minuten als fleißiger Schlepper und Verteiler. So trug er gegen favorisierte Südamerikaner seinen Teil bei zu einem Resultat, das die Tür zum zweiten Achtelfinaleinzug überhaupt (neben dem Heimturnier 2002) offenlässt.

"Ein Punkt gegen Uruguay ist gut. Ghana ist das Team, das wir schlagen müssen."

"Natürlich habe ich auf drei Punkte gehofft", so Lee, "doch ein Punkt gegen Uruguay ist ein gutes Ergebnis - und nicht zu wenig. Wir fühlen uns damit glücklich, und ich bin stolz auf unsere Mannschaft. Denn es war ein sehr schwieriges, aber auch sehr wichtiges Spiel." Was für die nächste Partie am kommenden Montag freilich erst Recht gilt: "Ghana ist das Team, das wir schlagen müssen", formuliert der Mann, der 2018 von Jeonbuk Hyundai Motors zu Holstein Kiel wechselte und sich seitdem im deutschen Profifußball etabliert hat.

Im Fokus stand Lee gegen Uruguay besonders zweimal, jeweils kurz vor der Pause. Erst nach einer sehenswerten Ballstafette mit einem intelligenten Querpass in den gegnerischen Strafraum, wo die Kugel aber keinen Abnehmer fand. Und dann nach einem Eckball vor dem eigenen Gehäuse: Im Kopfballduell mit Uru-Kapitän und Rekordnationalspieler Diego Godin zog Lee den kürzeren, doch Südkorea hatte Glück, dass der Ball an den Pfosten klatschte. Lee (1,81 Meter) gegen Godin (1,86 Meter) - zumindest gefühlt war das ein ungleiches Duell für den Unterlegenen: "Er ist schon viel größer. Es war auch nicht der Plan, dass ich ihn bewache, aber wir verteidigen im Raum."

"Unsere Fans unterstützen uns immer und überall. Auch das macht uns stolz."

Zumindest streckenweise konnten die Koreaner derweil auch ihren eigene Marschroute durchbringen, die Lee so beschreibt: "Wir wollen immer mit Ballbesitz agieren, Flanken schlagen und zu Torchancen kommen. Gegen Ghana wollen wir das noch besser umsetzen." Dabei können Lee und Co. erneut auf den Rückhalt von geschätzt gut 15.000 Anhängern vor Ort bauen. "Unsere Fans unterstützen uns immer und überall, auch das macht uns stolz."

Von den überaus kritischen Diskussionen über die Katar-WM in seiner deutschen Wahlheimat hat Lee gehört. In seinem Land herrsche jedoch eine ganz andere Perspektive und Atmosphäre: "In Korea sind die Menschen begeistert von der WM." Was sich auf die Spieler zusätzlich übertrage: "Unsere Fans unterstützen uns, deshalb will auch ich immer kämpfen und immer noch dazulernen." Auch mit 30 Jahren sind schließlich längst noch nicht alle Träume ausgeträumt.