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MAD Lions knapp am Weltmeister gescheitert

League of Legends: Europäer mit guter Leistung beim MSI

MAD Lions knapp am Weltmeister gescheitert

Europäischer "Underdog"? Wohl kaum. Die MAD Lions um den Deutschen Norman Kaiser (li.) schlugen sich gut beim MSI.

Europäischer "Underdog"? Wohl kaum. Die MAD Lions um den Deutschen Norman Kaiser (li.) schlugen sich gut beim MSI. Riot Games

Es ist gar nicht so leicht einzuordnen dieser Tage, wo das europäische Team der MAD Lions eigentlich steht. Im Spring Split der heimischen LEC setzten sich die jungen Löwen etwas überraschend gegen die Granden Fnatic und G2 durch. Eher ein Underdog also? Das Mid-Season Invitational (MSI) diente als Prüfstein.

Zur Saisonhälfte lädt Riot Games alljährlich die besten Mannschaften der Welt ein, in der Regel die Champions der nationalen Ligen. In der kleineren Variante von Worlds sind traditionell die Rollen klar verteilt: An China und Korea kommt niemand vorbei - Europa hat nur Außenseiterchancen. Wie fügte sich also der "Underdog" in den Wettbewerb?

Gruppenphase mit Ausrufezeichen

In der ersten Gruppenphase dominierte die Mannschaft um den deutschen Supporter Norman Kaiser. 5:1 nach Spielen zerschlug MAD Lions Vorurteile eines unbeständigen Neuling-Teams in Gruppe B nachhaltig. Das änderte sich in der zweiten Gruppenphase. Jeweils zweimal spielten hier die Gruppenersten und -zweiten gegeneinander.

Weiterhin solide erzielten die Europäer fünf Siege sowie fünf Niederlagen und sicherten sich ihren Platz im Halbfinale. Ärgerlich: Das letzte Spiel gegen den amerikanischen Rivalen Cloud 9 war eine Begegnung zum Vergessen. C9 schloss letztlich mit 3:7 ab, verbuchte aber noch einen Sieg über die MAD Lions. Beide Mannschaften taten ihren Regionen mit dem Match keinen Gefallen, zeigten schlechte Leistungen und regelmäßige Fehler. Allerdings hatte die Begegnung keine sportliche Relevanz mehr.

Um diese Trophäe wurde gespielt. Mit heimnehmen durften sie letztlich die Chinesen von Royal Never Give Up.

Um diese Trophäe wurde gespielt. Mit heimnehmen durften sie letztlich die Chinesen von Royal Never Give Up. Riot Games

Mit einem großen Fragezeichen ging es für die Europäer am Wochenende dann ins Halbfinale gegen den amtierenden Weltmeister DAMWON KIA. Wie bereits erwähnt, sind die Rollen solcher Begegnungen schon vorher in Beton gegossen, erst recht nach fragwürdigen Leistungen gegen die Amerikaner. Doch es kam anders.

Das erste Spiel des Best-of-5 durfte dann auch getrost unter "Abtasten" vermerkt werden. Zwar hielt der europäische Underdog mit, unterlag aber letztlich eindeutig. So leicht wollte man dann aber doch nicht geschlagen geben: In Spiel zwei und drei kam die Wende. MAD Lions rang den Weltmeistern - auch dank deutlicher Überlegenheit der Botlane - zwei Partien ab und hatte in Durchgang vier die Sensation in der Hand.

Ein verpatzter Towerdive reicht Koreanern

Ein paar Minuten lang durften alle europäischen Fans hoffen, doch dann meldete sich DWG KIA brutal zurück. Ein übereifriger und verpatzter Towerdive kostete die Lions viel Gold und öffnete den methodisch nahezu unfehlbaren Koreanern Tür und Tor. Der monetäre Vorsprung aus der einen schlimmen Szene reichte für eine krachende Niederlage in 22 Minuten. Spiel fünf verkam dann zur Formsache. DWG hatte sich eingespielt auf die MAD Lions und zerstörte alle Sensationsträume. Mit 3:2 nach Spielen machte der Weltmeister das vorhergesagte Finale mit Royal Never Give Up (RNG) aus China perfekt.

Was bleibt also von der "Underdog"-Geschichte der Europäer? Im Duell mit dem Weltmeister sahen die MAD Lions streckenweise hervorragend aus, darauf lässt sich aufbauen. Für die zweite Saisonhälfte stehen die Zeichen also auf Worlds-Qualifikation und es ist leise Hoffnung angebracht, dass die europäischen Teams dann auch Chancen haben werden.

Finale RNG vs. DWG

Sehenswert ist das Wort, das das Finale des MSI am besten beschreibt. DWG und RNG brachten beide unterschiedliche Qualitäten mit und setzten diese mit hoher Präzision in Szene. Konnten die Koreaner ihren Matchplan durchziehen, siegten sie. Kam es zu vielen Teamkämpfen, hatten die Chinesen die Nase vorn. Die einen also methodisch sehenswert, die anderen in der Koordination. Den Sieg trug RNG davon. Und es bleibt die Gewissheit, dass beide Mannschaften wohl die Endgegner für alle anderen internationalen Teams bleiben werden.

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