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WM 2022 - Luis Enrique: "Es waren Minuten der Panik"

Spaniens Nationalcoach wusste nichts von Costa-Rica-Führung

Luis Enrique: "Es waren Minuten der Panik"

Sah eine Demontage seiner Mannschaft: Luis Enrique.

Sah eine Demontage seiner Mannschaft: Luis Enrique. FIFA via Getty Images

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

"Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich einen Herzinfarkt bekommen", sagte Spaniens Nationaltrainer Luis Enrique nach dem 1:2 gegen Japan und angesprochen auf die zwischenzeitliche Führung Costa Ricas im Parallelspiel gegen Deutschland. Er meinte es nicht als Scherz. Er hatte zuvor das zeitweise virtuelle Aus seiner Seleccion während des Spiels "gar nicht mitbekommen", wie der Coach nach dem Weiterkommen im Khalifa International Stadium erklärte. Dennoch war er alles andere als erfreut über den Verlauf des Abends.

Gruppenfinale

Der 52-Jährige betonte: "Ich bin nicht glücklich, obwohl wir uns qualifiziert haben. Japan hat uns in wenigen Minuten komplett demontiert." Und mehr noch: "Wir sind zusammengebrochen, und wenn sie noch zwei Tore hätten erzielen müssen, dann hätten sie dies auch getan."

Japan "wie ein Flugzeug"

Luis Enrique fällte kein gutes Urteil über seine Mannschaft, die vor der Pause zunächst leichtes Spiel gehabt hatte und durch Alvaro Morata, den Torschützen aus dem Deutschland-Spiel, in Führung gegangen war. Dann aber verpasste es sein Team, diese gegen vor dem Wechsel passive Japaner auszubauen.

Nach dem Seitenwechsel dann ein völlig anderes Bild: Einwechselspieler Ritsu Doan brachte die Wende, der Freiburger traf in der 48. Minute zum 1:1 und war nur Minuten später in der Entstehung des 2:1 durch den Düsseldorfer Ao Tanaka entscheidend. Ob der Ball zuvor im Aus war, hatte der Coach nicht gesehen. Er glaube jedoch der Technologie.

"Es waren Minuten der Panik", gab Luis Enrique zu mit Blick auf die entscheidende Phase. "Wenn eine Mannschaft wie Japan nichts zu verlieren hat, fliegt sie wie ein Flugzeug." Und: "Japan ist verdientermaßen Gruppensieger."

Mit Pau und Balde wackliger

Dass die Niederlage den diversen Wechseln zu den vorherigen beiden Spielen geschuldet sei, wollte der Coach nicht als Grund anführen. Er habe in alle seine Spieler Vertrauen. Aber ja, mit dem Wissen um das Ergebnis würde er im Nachhinein vielleicht eine andere Formation wählen. Die Hereinnahme von Pau und Alex Balde für Aymeric Laporte und Jordi Alba trug jedenfalls nicht zu defensiver Stabilität bei.

Doch auch ein Stammspieler wie Rodrigo waren nicht auf der Höhe des Geschehens, das Barça-Mittelfeld aus Kapitän Sergio Busquets und den Toptalenten Gavi und Pedro war diesmal eine reine Enttäuschung, auch der Leipziger Dani Olmo konnte nicht überzeugen.

Zudem sei man mit dem "aggressiven Verteidigen" des Gegners nach dessen Führung nicht zurechtgekommen. "Wir haben alles vermissen lassen", attestierte Luis Enrique seiner Roja, die letztlich nur im ersten Gruppenspiel beim 7:0 gegen Costa Rica eine Furie war, wie ihr Spitzname sagt. Wichtig war ihm aber nochmal: "Ich habe vollstes Vertrauen in meine Spieler, einige Minuten Panik werden dies nicht zerstören."

Und mit Blick auf das Achtelfinale am Dienstag gegen Marokko: "Wir sind qualifiziert, wenn auch nicht so, wie wir wollten." Auch gegen die Nordafrikaner müsse man sich auf ein Spiel wie gegen Japan einstellen. "Marokko hat eine starke Gruppe gewonnen. Also müssen wir uns gut vorbereiten." Und vor allem: "Wir müssen uns verbessern."