Europa League

Loy: "In Barcelona demoralisierte die Eintracht den Gegner"

Teil 2 des Interviews mit Frankfurts Meistertorwart

Loy: "In Barcelona demoralisierte die Eintracht den Gegner"

Eintracht Frankfurts Meistertorwart Egon Loy.

Eintracht Frankfurts Meistertorwart Egon Loy. kicker

kicker: Was trauen Sie der Eintracht im Finale zu?

Loy: Alles ist machbar. Sie dürfen sich nur nicht auf die Zweikämpfe einlassen, sondern müssen Fußball spielen. Gegen britische Mannschaften muss man versuchen, den Ball laufen zu lassen. Wenn Glasgow den Ball hat, geht nach vorne die Post ab, da gibt es auch mal Kick and Rush. Da müssen wir ein bisschen achtgeben. Aber wenn sie Fußball spielen und die Chancen konsequent nutzen, ist ihnen alles zuzutrauen. Wenn man die Leistungen in der Bundesliga und der Europa League sieht, sind das zwei verschiedene Mannschaften. Vielleicht liege ich falsch, aber ich habe den Eindruck, dass manche Spieler darauf aus sind, sich einen guten Namen im Ausland zu machen, um besser wechseln zu können. Heute haben ja alle Spieler ihre Berater, die interessiert daran sind, dass sie sich zeigen. Aber an und für sich sind das nette Jungs bei uns, es gibt keinen linken Vogel.

"Hasebe ist die Seele die Mannschaft"

kicker: Welcher Spieler imponiert Ihnen besonders?

Loy: Ich habe ein Faible für Makoto Hasebe. Er ist die Seele die Mannschaft. Dass man für so einen Spieler keinen Platz findet, leuchtet mir gar nicht ein. Der haut nicht so rein wie Hinti oder Jakic, aber er hat ein Gespür, einen Riecher, und er schlägt auch mal Pässe, die keine Sicherheitspässchen sind. Und dann ist da natürlich Filip Kostic. Wenn der mal loszieht, da ist schon was dahinter. Leider haben wir vorne in der Box keinen mehr wie André Silva.

Vorschau

kicker: Was sagen Sie als Torwart-Fachmann zu Kevin Trapp?

Loy: Jetzt kommt ja die Debatte: Manuel Neuer oder Kevin? Neuer wird bei den Bayern nicht so oft geprüft, Kevin bekommt viel mehr aufs Tor und kann glänzen. Ich liebe sein Spiel, er fliegt nicht, wenn er nicht muss. Außerdem hat er ein gutes Stellungsspiel, strahlt Ruhe und Sicherheit aus, und im Eins-gegen-eins ist er sehr gut. Auch am Ball ist er gut, allerdings ist Neuer bei der Spieleröffnung schneller. Da ist Kevin manchmal ein bisschen langsam, guckt erst noch einmal, legt sich den Ball noch einmal hin. Dann hat sich der Gegner hinten wieder postiert. Bei Neuer geht das schnell, der spielt viele Bälle direkt weiter, dann kommt der Gegner nicht mehr so schnell zurück. Aber ansonsten ist Kevin ein klasse Mann.

kicker: Wie sehen Sie Trapps Entwicklung seit dem 2:1-Sieg bei den Bayern am 7. Spieltag?

Loy: In München hat er scheinbar die Schallmauer durchbrochen. Das war für ihn der Wendepunkt. Ab diesem Zeitpunkt hat er spitze gespielt.

"Torwarttraining in der Weitsprung-Sandgrube"

kicker: Wie lief das Torwarttraining zu Ihrer Zeit? Einen speziellen Torwarttrainer gab es schließlich nicht.

Loy: Es wurde Schusstraining gemacht. Und unter Adolf Patek (Eintracht-Trainer von 1956-58, anm. d. Red.) machte ich Torwarttraining in der Weitsprung-Sandgrube hinter dem Tor. Das Training in der Sandgrube war damals modern, aber ich hasste es. Zwar fiel man weich, doch die Ohren, die Nase, die Augen, alles war voller Sand. (lacht) Es gab noch ein Pendel, mit dem man das Fausten üben konnte. Unter Patek haben wir auch mal mit kleineren Bällen und Medizinbällen trainiert. Und nach dem Training hat Alfred Pfaff oft noch Freistöße geübt, da stand ich hinten drin.

... bis mir meine Schwiegermutter irgendwann Wollhandschuhe strickte.

Egon Loy

kicker: Stimmt es, dass Sie anfangs nicht mal Handschuhe hatten?

Loy: Ja, bis mir meine Schwiegermutter irgendwann Wollhandschuhe strickte. Aber wenn man die zweimal im Training anhatte, waren sie wieder kaputt. Viele Torleute trugen gar keine Handschuhe. Im Winter steckte man die Hände in die Hose, wenn man nichts zu tun hatte. Damit sie warm blieben.

kicker: Wie kamen Sie zu Ihren ersten richtigen Handschuhen?

Loy: Die habe ich mir bei unserer Freundschaftsspielreise in Russland besorgt. Wir hatten einen Dolmetscher dabei, der mich fragte, ob ich keine Handschuhe besitze. Dann brachte er mir abends ein paar Lederhandschuhe vom Gegner vorbei. Aber die waren nach vier Wochen Training kaputt. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte der Schalker Norbert Nigbur als erster Torhüter richtige Handschuhe.

"Trikots gab es nur für die Feldspieler"

kicker: Sie trugen den Spitznamen Panther. Lag das an Ihrem schwarzen Oberteil oder an der Sprungkraft?

Loy: Als ich zur Eintracht kam, bekam ich vom Platzmeister ein Hemd. Das war eines von den Amerikanern, die in Frankfurt ihre braunen Hemden hatten. Meins war schwarz gefärbt, und hinten war die Rückennummer 1 schon aufgenäht. Das war angenehm und schön zu tragen, aber sehr oft kaputt. Der Tormann musste in der Oberligazeit seine Sachen noch selbst mitbringen, Trikots gab es nur für die Feldspieler. Meine Frau wusch es immer und musste es auch stopfen, weil öfter mal ein Loch drin war. Heute befindet es sich im Eintracht-Museum. Dieter Lindner nannte mich dann irgendwann Panther, das lag aber auch daran, wie ich mich Ball und Gegner entgegenwarf.

kicker: Wie war der Stellenwert der Spieler in der Öffentlichkeit? Konnten Sie ungestört ausgehen?

Loy: Wir konnten uns unbehelligt bewegen. Doch wenn man irgendwo mal nach seinen Namen gefragt wurde, hieß es schon mal: Sind Sie der und der? Eine Zeitlang wohnten wir am Schweizer Platz, da fuhr ich mit der Trambahn zum Spiel - und keiner erkannte mich.

Fußball ist ein einfaches Spiel, wenn es gut gemacht wird.

Egon Loy

kicker: Zum Abschluss: Wie geht das Finale gegen die Rangers aus?

Loy: 3:1 für Eintracht Frankfurt. Sie dürfen sich nur nicht auf die Zweikämpfe einlassen. Dann ist es vorbei. In Barcelona haben sie es hervorragend gemacht, da demoralisierten sie den Gegner durch die vielen Ballstafetten. Sie spielten nicht nur quer, sondern auch nach vorne in die Gasse. Auch gegen die Rangers müssen wir den Ball laufen lassen. Und wenn der Gegner den Ball hat, spielen wir defensiv, da hat jeder seinen Mann oder Raum. Fußball ist ein einfaches Spiel, wenn es gut gemacht wird.

Lesen Sie hier Teil 1 des großen Interviews:

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