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Löws Lächeln über die Kritiker

Boateng steigt am Sonntag wieder ein

Löws Lächeln über die Kritiker

Präsentierte sich bei der Pressekonferenz am Samstag ausgeglichen und souverän: Joachim Löw.

Präsentierte sich bei der Pressekonferenz am Samstag ausgeglichen und souverän: Joachim Löw. picture alliance

Aus Evian berichtet Thiemo Müller

"Vor zwei Jahren hatten wir dieselbe Debatte, nach dem Titelgewinn war das dann alles ganz anders. Jetzt geht es nach einem Vorrundenspiel wieder los, das sagt doch alles." Dies wirkte keineswegs aufgesetzt, vielmehr verströmte Löw echte Lockerheit. Zu deren Glaubwürdigkeit trug auch bei, dass der Fußballlehrer die am Donnerstag aufgetretenen Mängel im Offensivspiel keineswegs schönfärbte - und Abwehrchef Jerome Boateng für dessen offene Kritik nach Abpfiff lobte.

"Wir hatten gegen Polen kaum Chancen, das war lange nicht mehr der Fall", betonte Löw und nannte diese Begründung: "Wir haben zu wenig in Laufwege investiert, um mit hohem Tempo aus verschiedenen Positionen in den Strafraum zu kommen und den Gegner damit unter Stress zu setzen. Die polnische Innenverteidigung wäre da normalerweise schon anfällig gewesen." Allerdings hielt der Bundestrainer auch fest: "Das hat jetzt mal in diesem einen Spiel nicht funktioniert. Ich sehe kein Grundsatzproblem in der Offensive." Auch die Frage "echte oder falsche Neun" sei gegen Polen nicht entscheidend gewesen. Sondern: "Wir hatten generell zu wenige Leute im Strafraum, das war das Problem." Überhaupt äußerte sich Löw auch mit dem als Mittelstürmer auf verlorenem Posten stehenden Mario Götze gegen Polen "zufrieden". Denn: "Er hat viele Wege gemacht, gut gearbeitet, auch wenn er kaum Abschlüsse hatte."

Löw macht sich keine Sorgen um Özil und Müller

Bemerkenswert gelassen und inhaltlich fundiert antwortete Löw in diesem Zusammenhang auf eine Reporterfrage nach Götze und Mesut Özil als vermeintlichen "Trainerlieblingen". Solche gebe es natürlich nicht, so der Coach, um dann fachlich zu erklären: "Wir haben nicht so viele Eins-gegen-Eins-Spieler. Deshalb müssen wir vor allem über Kombinationen zu Chancen kommen, was uns in den letzten Jahren auch regelmäßig sehr gut gelingt. Özil und Götze sind einfach herausragende Passspieler, die wir für unser Kombinationsspiel brauchen." Um Özils Form macht sich Löw nach eigenem Bekunden dabei ebenso wenig Sorgen wie um die Verfassung Thomas Müllers: "Mesut hat viel Laufarbeit geleistet, er wird schon kommen. Und für Thomas ist es sicher ungewöhnlich, dass er keine Chancen bekommt. Aber wir haben eben generell kaum Möglichkeiten rausgespielt. Wenn alle die richtigen Laufwege machen, wird es auch bei Thomas wieder funktionieren."

Boateng gegen Nordirland fest eingeplant

Dass Jerome Boateng die Offensivleistung am Donnerstagabend mit deutlichen Worten kritisierte, kam bei Löw unterdessen bestens an: "Ich fand es gut, dass er die Dinge so klar angesprochen hat. Das gehört zu einem Führungsspieler. Die Kritik war nicht persönlich, sondern er hat vollkommen realistisch und zutreffend angesprochen, was ohnehin für jeden klar zu sehen war. Da braucht sich niemand angegriffen zu fühlen." A propos Boateng: Der Abwehrchef hatte beim Regenerationstraining am Freitag gefehlt, wird nach dem für die Mannschaft freien Samstag am Sonntag aber wieder einsteigen. "Jerome hatte eine Prellung an der Hüfte", so Löw, "am Dienstag gegen Nordirland ist er aber wieder fest eingeplant."

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