Nationalelf

Löw wirft Kuranyi raus!

Berater Wittmann: "Hätte es besser machen können"

Löw wirft Kuranyi raus!

Kevin Kuranyi

Absatzkick ins Aus: Kevin Kuranyi steht auf dem DFB-Abstellgleis. imago

Bis Sonntagmittag hatte Löw noch von "Klärungsbedarf" gesprochen - bis zur Trainingseinheit hatte es auch noch keinen Kontakt zum Spieler gegeben -, doch dann reagierte er auf das unangekündigte Verlassen des Stadions mit dem Rauswurf. "So wie Kevin gestern reagiert hat, kann ich das nicht akzeptieren und werde ihn deshalb in Zukunft nicht mehr für die Nationalmannschaft nominieren", sagte Löw in Düsseldorf.

"Ich kann seine Enttäuschung verstehen, aber die Reaktion, die dann am Abend passiert ist, ist nicht akzeptabel und verständlich. Wir sind hier derzeit bei der Nationalmannschaft 20 Topleute und da werden wir Trainer immer wieder aufs Neue harte Entscheidungen treffen müssen", hatte Löw zuvor noch deutlich gemacht.

Spielbericht

"Wir sind selber erstaunt. Es war für uns alle überraschend", so der Bundestrainer weiter. Zweifellos hatte die Aktion des Spielers wenig Stil, zumal die DFB-Funktionäre Kuranyi bislang "trotz mehrerer Versuche" telefonisch nicht erreicht hätten.

Was war passiert? Nachdem Löw in der Mannschaftssitzung vor dem Russland-Spiel die Aufstellung bekanntgegeben hatte und Kuranyi nicht zum Aufgebot zählte, war der Spieler auf den Trainer zugegangen und hatte seiner Enttäuschung Luft gemacht. Heimfahrt statt Tribüne, so die spontane Entscheidung Kuranyis zur Pause des Spiels.

Der Mensch Kevin Kuranyi spielt auch eine Rolle – und der hat so entschieden.

Roger Wittmann, Berater Kevin Kuranyis

Dessen Berater Roger Wittmann bestätigte am Sonntag die gezielte Aktion seines Klienten. "Er hat entschieden, was er für sich selbst als richtig empfindet, zu sagen, ich gehe nach Hause", erklärte Wittmann im DSF. Man hätte es zwar besser machen können, räumte der Berater ein. "Aber der Mensch Kevin Kuranyi spielt auch eine Rolle – und der hat so entschieden." Auch Schalkes Manager Andreas Müller ergriff am Nachmittag auf der Vereinswebsite Partei für seinen Schützling und beklagte mangelndes Vertrauen des Bundestrainers.

Im ersten Abschnitt saß Kuranyi noch gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Jermaine Jones und den Nationalmannschafts-Betreuern auf der Gegentribüne. Danach verschwand er. Noch in der Nacht hatten zwei Bekannte des 26-Jährigen im Düsseldorfer Hilton-Hotel die persönlichen Sachen des 52-maligen Nationalspielers abgeholt.