Nationalelf

Löw im kicker-Interview: Klare Ansage und Warnung an die Spieler

"Kann sein, dass der eine oder andere dann doch nicht dabei ist"

Löw: Klare Ansage und Warnung an die Spieler

Er geht voller Entschlossenheit ins EM-Jahr: Bundestrainer Joachim Löw.

Er geht voller Entschlossenheit ins EM-Jahr: Bundestrainer Joachim Löw. GES/Gilliar

Das EM-Jahr 2021 läuft längst auf vollen Touren, doch bei einigen der deutschen Kandidaten für dieses kontinentale Endturnier holpert es noch mächtig. Joachim Löw (61), seit Beginn dieses Kalenderjahres und der Wiederaufnahme der Bundesliga in den Arenen präsent, verfolgt mit seinem Trainerteam diese Entwicklung mit Interesse, aber auch Sorge. Das Leistungslevel seiner Spieler sei, so sagt er im kicker-Interview, das an diesem Montag in kompletter Fassung in der Printausgabe erscheint, "insgesamt ein bisschen schwankend, die Situation ist nicht ungefährlich".

Als "aktuell positive Beispiele" nennt der Bundestrainer Antonio Rüdiger (FC Chelsea) sowie Ilkay Gündogan (Manchester City). Es gebe "daneben aber auch andere, die in der Formkrise sind". Auf den jüngst beim FC Bayern in die Kritik geratenen Niklas Süle, von Löw eigentlich als Abwehrchef vorgesehen, baut der DFB-Chefcoach zwar grundsätzlich, stellt aber klar: "Er kennt meine generellen Anforderungen." Gerade "nach dem, was im November passiert ist", die 0:6-Klatsche in Spanien, "als wir einen echten Rückschlag erlitten haben", müssten die nun klar definierten Vorgaben erfüllt werden. "Insgesamt ist unser Kader größer geworden, von daher ist der Konkurrenzkampf gegeben", sagt Löw, "und deshalb kann es durchaus sein, dass der eine oder andere, der von der EM-Teilnahme überzeugt ist, dann doch nicht dabei ist."

Der Name Younes sollte andere beschäftigen

Ein Julian Brandt, Marco Reus (beide Dortmund) oder Julian Draxler (Paris), allesamt hoch talentierte Kräfte für die Offensive innen wie außen, doch in ihren Vereinen austauschbar, werden es aufmerksam registrieren, wenn Löw sagt, Amin Younes (Eintracht Frankfurt) sei "absolut ein Thema für uns, ob für die EM oder schon im März". Und wenn dann noch Thomas Müller zurückkommt ...

Zudem spricht Löw den auf mehreren offensiven Positionen einsetzbaren Kai Havertz, der nach seinem Wechsel zum FC Chelsea dort noch ein unerfülltes Versprechen ist, direkt an: "Ich kann ihn vielleicht nicht für sechs oder sieben Spiele über die volle Distanz einplanen, aber für die besonderen Momente. Weil er eine außergewöhnlich gute Qualität hat." Bei der Auswahl der 22 EM-Fahrer ist für Löw "das oberste Kriterium: Welche Spieler sind auf welchen Positionen dafür prädestiniert, unseren Spielstil und unsere Anforderungen umzusetzen?"

Der Chefcoach stellt unmissverständlich klar und definiert damit den Anspruch für seine EM-Kandidaten: "Dabei zählt für mich der internationale Maßstab und nicht der in der jeweiligen Liga. Denn wir spielen gegen die Besten wie Mbappé, Griezmann oder Cristiano Ronaldo. Auf allerhöchstem Niveau zu bestehen und die Tore zu machen - das ist unser Anspruch." Löw nennt als Vorbild Miroslav Klose, der "gegen jeden Gegner Tore gemacht" habe, "andere treffen nur gegen Mannschaften, die in der Tabelle hinter der eigenen stehen".

Eine Art Regierungserklärung

Es ist ein klarer, ambitionierter und entschlossener Bundestrainer, der da eingangs des EM-Jahres spricht - der eine Art Regierungserklärung abgibt. "Es ist noch alles sehr fragil, es wackelt noch", räumt er ein. Doch in der unmittelbaren EM-Vorbereitung seien gerade die defensiven Probleme schnell zu beheben. "Die Abwehr ist das kleinste Problem", sagt der Fußball-Lehrer voller Überzeugung; ihm geht es mehr um das Spiel nach vorne. Da sieht er den Schlüssel zu großen Siegen und erläutert im kicker-Interview voller Elan seine fußballtaktischen Ideen.

Bundestrainer Joachim Löw

Voller Vorfreude und mit Feuer für die kommenden Aufgaben: Bundestrainer Joachim Löw. GES/Gilliar

"Das höre ich zu häufig: gegen den Ball arbeiten", sagt er und unterstreicht: "Das Entscheidende im Fußball ist: Was ist zu tun, wenn ich den Ball habe?" Und gewisse fußballspezifische Mängel, die seine Mannschaft noch offenbare, müssten eben mit der entsprechenden Einstellung aufgewogen werden, so Löw in seinem flammenden Appell: "Wir müssen die Mannschaft mit dem größten Ehrgeiz, mit dem größten Willen werden. Diesen Ansatz müssen wir reinkriegen. Wir müssen uns sagen: Wir ziehen es durch! Wir ziehen es konsequent durch!"

Auch sein Verhältnis zum DFB-Präsidenten Fritz Keller und zum DFB-Direktor Oliver Bierhoff beschreibt der Bundestrainer im Gespräch mit dem kicker. Und was er von den Gesprächen mit dem neuen TV-Experten Uli Hoeneß erwartet. Das komplette Interview lesen Sie in unserer Montagsausgabe (am Sonntagabend auch digital abrufbar als e-Magazine).

Karlheinz Wild