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Joachim Löw: "Da wird es nicht so viele taktische Änderungen geben"

Startelf kommt für Goretzka noch zu früh

Löw: "Da wird es nicht so viele taktische Änderungen geben"

Angriffslustig: Bundestrainer Joachim Löw.

Angriffslustig: Bundestrainer Joachim Löw. Getty Images

"Der Druck wird uns nicht erdrücken", prophezeite Joachim Löw und nahm zugleich seine Belegschaft in die Pflicht: "Wir brauchen ein positives Resultat und ein gutes Spiel. Wir müssen durch Ergebnisse den Schlüssel in der Hand behalten."

Ein Unentschieden wäre da eine gute Basis vor dem Gruppenfinale gegen Ungarn, ein Sieg gar die halbe Miete für die Achtelfinal-Qualifikation und die erhoffte Initialzündung. Mit einer Niederlage wäre hingegen auch Platz zwei in der Gruppe F verspielt, es bliebe als letzte Hoffnung, als einer der vier besten Gruppendritte noch weiterzukommen.

Löws Versprechen

Um die Psyche in seinem Kader macht sich Löw keine Sorgen. "Was ich in der Mannschaft spüre, ist eine entschlossene Stimmung, eine entschlossene Haltung des wirklich absoluten Willens. Jeder weiß, dass wir morgen einige Dinge besser machen wollen, besser machen müssen und auch werden", versprach der aus dem Münchner Teamquartier, in dem der aus Herzogenaurach angereiste DFB-Tross um 19:25 Uhr eingetroffen war, zugeschaltete Bundestrainer.

Die vergangenen beiden Tage standen ganz im Zeichen der Aufarbeitung des mutlosen 0:1 gegen Frankreich mit nur einer Torchance in 90 Minuten und den notwendigen Konsequenzen. Löws Forderung lautet: "Nach vorne müssen wir dynamischer, intensiver, präziser werden. Den Spielern ist klargeworden, dass wir in der Offensive anders reagieren und andere Räume besetzen müssen."

Das hat was mit Mut und Vororientierung zu tun - und auch mit Risikobereitschaft.

Joachim Löw

Dies gelte auch für Thomas Müller und Kai Havertz. Löw widersprach der These, die erst zweimal gemeinsam aufgetretenen Offensivspieler müssten erst noch zusammenfinden.

"Das hat nichts mit Zueinanderfinden zu tun, glaube ich", entgegnete Löw: "Ich glaube, dass diese Spieler jetzt gesehen haben, wo die Probleme lagen. Das hat nichts mit Zusammenspiel zu tun, weil sie sich nicht kennen. Das hat was mit Mut und Vororientierung zu tun - und auch mit Risikobereitschaft."

Gegen Frankreich war allerdings offensichtlich, dass die Beiden immer wieder dieselben Räume für sich beanspruchten.

Löw lässt sich selbstredend nicht in die Karten schauen

Mit welchen Veränderungen er seine Mannschaft torgefährlicher und durchschlagskräftiger machen möchte, ließ Löw selbstredend offen. Einen Systemwechsel in Form einer Umstellung von Dreier- auf Viererkette, wie er von Teilen der Öffentlichkeit gefordert wird, scheint er nicht in Betracht zu ziehen: "Defensiv waren wir gut organisiert, da wird es nicht so viele taktische Änderungen geben." Denkbar aber ist, dass Emre Can in die Abwehr rückt und Matthias Ginter die rechte Außenbahn besetzt. Dann könnte Joshua Kimmich wieder auf seiner angestammten Position im Zentrum agieren.

Goretzka "kann nicht von 0 auf 100 durchstarten"

Mit dem schmerzlich vermissten Leon Goretzka indes plant Löw offenbar nicht in der Startelf. Der Münchner ist zwar nach fast sechswöchiger Verletzungspause einsatzbereit, Löw warnte aber: "So ein Spieler kann nicht von 0 auf 100 durchstarten. Ich denke, dass er eher eine Alternative im Lauf des Spiels ist."

Ohnehin wolle er bei aller Notwendigkeit zu einer offensiveren Spielweise nicht gleich alles auf eine Karte setzen: "Wir wollen nicht auf Teufel komm raus das Stadion stürmen."

Es gelte vielmehr auch, gegen den Titelverteidiger einen Rückstand zu verhindern. "Portugal ist keine One-Man-Show mehr", warnte Löw: "Portugal kommt mehr über Kombinationen, das ist technisch höchstes Niveau und schwierig in Schach zu halten." Das gelte erst recht und noch immer für Superstar Cristiano Ronaldo, wie Löw mit einem gewitzten Spruch verdeutlichte: "Ronaldo kann mehr als nur Colaflaschen verschieben."

Oliver Hartmann

kicker.tv Hintergrund

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