Bundesliga

Leverkusen: Darum gibt Xabi Alonso alleine den Takt vor

Rolfes: "100 Prozent Sicherheit hast du nie"

Liverpool, München, Bayer? Darum gibt Xabi Alonso alleine den Takt vor

Kommt im Sommer bei mehreren Klubs infrage: Xabi Alonso.

Kommt im Sommer bei mehreren Klubs infrage: Xabi Alonso. picture alliance/dpa

Simon Rolfes ist kein Rheinländer. Im westfälischen Ibbenbüren geboren, beim SV Werder Bremen zum Profi ausgebildet, dominiert eher das Norddeutsche beim 42-Jährigen. Doch als Leverkusens Geschäftsführer am Mittwochmorgen vom kicker auf die Zukunft von Trainer Xabi Alonso angesprochen wird, bedient er sich ausnahmsweise des kölschen Dialekts. Ein "joodes Jeföhl" (gutes Gefühl) habe er, dass der Erfolgscoach auch kommende Saison den Werksklub trainiere.

Bei Bayer 04 gehen sie davon aus, dass sich der Status quo des Spaniers im Sommer nicht ändert. Etwas anderes bleibt den Verantwortlichen aber auch nicht übrig, die natürlich liebend gerne mit Xabi Alonso weiterarbeiten würden. Die sich aber, da sie den Basken halten wollen, auch nicht in der Lage befinden, dem 42-Jährigen ein Ultimatum zu setzen, bis wann er sich verbindlich für die kommende Saison bekennen soll. Als im Januar der Abschied von Jürgen Klopp zum Saisonende beim FC Liverpool und im Februar der von Thomas Tuchel beim FC Bayern verkündet wurde, hatte der Welt- und Europameister seine Zukunft offen gelassen.

Und so ist Geduld gefragt. Die erneut von den beiden Geschäftsführern Fernando Carro und Rolfes nach außen demonstrierte Zuversicht, dass sich der Welt- und Europameister auch in der kommenden Saison als Werkself-Trainer verdingt, ist "nur" die Zusammenfassung der Fakten, die den Bossen vorliegen.

Xabi Alonso hat einen Vertrag bei Bayer 04 bis 2026. Dieser beinhaltet zwar keine Ausstiegsklausel, doch zwischen den Klub-Bossen und dem Spanier besteht ein Gentleman Agreement, dass dem Trainer bei der Offerte eines Topklubs keine Steine in den Weg gelegt werden.

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Die Bedeutung einer fixierten Ausstiegsklausel wird hierbei überschätzt. Möchte der FC Liverpool oder Bayern München Xabi Alonso verpflichten - und möchte dieser auch gehen - dann wird ein Trainerwechsel in Leverkusen erfolgen. Das sind die Mechanismen des Geschäfts.

"100 Prozent Sicherheit hast du nie", weiß auch Rolfes und unterstreicht dies mit einer rhetorischen Frage und einem Beispiel: "Wenn eine Führungskraft zu einem anderen Klub möchte, was passiert dann?" Wolle beispielsweise ein spanischer Klub Fernando Carro als CEO verpflichten, und Carro wolle dorthin gehen, dann gebe es halt früher oder später eine Einigung. Gleiches würde auch für die Trainerposition gelten.

Deswegen präparieren sie sich in Leverkusen für den unerwünschten Fall. "Natürlich muss man gewisse Szenarien vorbereiten", sagt Rolfes. Alles andere wäre unprofessionell und nicht Bayer-like. Diese Maßnahme stellt allerdings reine Prophylaxe dar.

Keine Indizien für eine Entscheidung

Dafür, dass der Leverkusener Trainer bereits eine Entscheidung getroffen hat, haben sie in Leverkusen keine Indizien. "Wir planen die neue Saison mit Xabi Alonso", erklärte Carro am Dienstag. Dass der Trainer bei den Gesprächen zur Kaderzusammenstellung genauso engagiert und mit maximaler Leidenschaft dabei ist wie im Vorjahr, wird als positives Signal gewertet. Dafür, dass der Baske seine Zeit in Leverkusen nach dieser Saison nicht zwingend für beendet ansieht.

"Er gibt weiter Gas", analysiert Rolfes nicht nur Xabi Alonsos Arbeit auf dem Trainingsplatz, sondern auch bei den immer wiederkehrenden internen Meetings über das kickende Personal für die kommende Saison, "ich habe weiter ein gutes Gefühl, dass er sich hier wohlfühlt."

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Das Gefühl passt, Gewissheit gibt es nicht. Auch Xabi Alonso selbst kann sich noch nicht sicher sein, ob er bleibt. Hätte er dies den Leverkusener Bossen doch bereits mitgeteilt und der Klub dies natürlich nach außen kommuniziert.

Die Trainerfrage in der Öffentlichkeit ohne Not am Brodeln zu halten, wäre fahrlässig vor dem anstehende Saisonendspurt, in dem Bayer 04 mit der reellen Aussicht auf drei und der sehr hohen Wahrscheinlichkeit von zwei Titeln jegliche Irritationen minimieren muss.

Bayer 04, das für die kommende Saison in Sachen Kaderplanung anders als im Vorjahr keinen Umbruch vollziehen, sondern nur das Fein-Tuning vornehmen muss, kann dabei mit der Hängepartie aber deutlich besser leben als der FC Bayern. Werden in München doch größere Einschnitte in die Kaderstruktur angestrebt, die natürlich auch mit dem neuen Trainer abgestimmt werden sollten. Der Rekordmeister steht bei der Trainerfrage also unter einem deutlichen höheren Zeitdruck.

Doch die Thematik ist komplex, weil sie auch für Xabi Alonso selbst nicht einfach ist. Für alle drei Klubs - Liverpool, die Bayern und Bayer 04 - gibt es jeweils genügend Pro- und Contra-Argumente aus Sicht des für bedachtes Handeln bekannten Spaniers. Einige davon sind aufgrund des noch nicht feststehenden sportlichen Abschneidens jetzt noch nicht einmal endgültig zu bewerten.

Xabi Alonso ist kein Getriebener

Doch Druck hat Xabi Alonso ohnehin nicht. Vielmehr hat er für seine Entscheidung alle Zeit der Welt, weil es kein wirkliches Worst-case-Szenario gibt. Entschieden sich Liverpool und die Bayern für einen anderen Trainer, weil Xabi Alonso nicht schnell genug zusagen würde, bliebe ihm immer noch Bayer 04. Ein Klub, der ihm ideale Arbeitsbedingungen, für die kommende Saison wieder einen Top-Kader sowie in der Champions League die Möglichkeit bietet, auf seiner ersten Station als Erstligatrainer seine erfolgreiche Arbeit auf höchstem Niveau zu bestätigen.

So wird alleine Xabi Alonso das Tempo bestimmen in der Frage, wen er nächste Saison coacht. Und mit erst 42 Jahren ist er auch kein Getriebener, der eine einmalige Chance in Liverpool oder München verpassen könnte. Würden sich ihm diese in der Zukunft doch erneut bieten.

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Und dass Xabi Alonso dazu fähig ist, große Offerten abzulehnen, bewies er bereits im Frühjahr 2021, als der heutige Bayern-Sportvorstand Max Eberl ihn nach Gladbach lotsen wollte. Xabi Alonso sagte damals als Trainer der zweiten Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian ab, weil er diesen Schritt noch nicht gehen wollte. 99 von 100 Trainer hätten eine solche Möglichkeit nicht verstreichen lassen. Xabi Alonso hingegen ließ sich nicht von der vermeintlich große Chance treiben.

Sowohl die Münchner als auch die Leverkusener dürften also bezüglich ihres Wunschtrainers so schnell keine faktische Sicherheit erhalten. Für die kann nur Xabi Alonso selbst sorgen. Und das dürfte noch dauern - weil der Baske sich offenbar selbst noch nicht sicher ist, wie seine Zukunft aussieht.

Stephan von Nocks