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Lisa Mayer: "Für Rio liebäugeln wir mit einer Medaille in der Staffel"

Sport-Stipendiat des Jahres 2016, Teil 4

Lisa Mayer: "Für Rio liebäugeln wir mit einer Medaille in der Staffel"

Wird bei der EM über 200 Meter starten: Lisa Mayer.

Wird bei der EM über 200 Meter starten: Lisa Mayer. Maja Hitij

Du hast schon früh in der Saison die Olympianorm über 100 und 200 Meter unterboten und bist bei den deutschen Meisterschaften fulminant in die nationale Spitze gesprintet. Hast du deine Erfolge schon verarbeiten können?

Ich freue mich riesig über die Leistungen der vergangenen Wochen. Natürlich war ich im ersten Moment ein klein wenig enttäuscht, dass es in dem super knappen 200-Meter-Finale der deutschen Meisterschaften auf den letzten Metern nicht ganz zum Sieg gereicht hat. Die neue persönliche Bestzeit und die Nominierung für die Europameisterschaften entschädigen aber dafür! Und dann kommen noch die Olympischen Spiele! Das war eigentlich gar nicht primär in meiner Saisonplanung drin, auch wenn ich natürlich davon geträumt habe – welcher Sportler tut das nicht!? Die Nominierung für Rio ist erst am 12. Juli, aber für die Staffel dürfte ich eigentlich gesetzt sein. Von daher freue ich mich riesig!

Während viele Sprinter die 100 Meter bevorzugen, läufst du lieber die doppelte Distanz. Warum?

Ich bin am Start noch nicht die Allerbeste, auch wenn ich da in letzter Zeit aufgeholt habe. Das wirkt sich auf der kürzeren Strecke deutlich stärker aus. Aber ich finde die 200 Meter auch viel spannender, die 100 Meter sind einfach viel zu schnell vorbei. Bei den deutschen Meisterschaften habe ich es zum ersten Mal geschafft, vom Start an und auch in der Kurve Vollgas zu geben, ich bin 110 Prozent gelaufen – und dann kam mit 22,87 Sekunden eine Zeit deutlich unter 23 Sekunden raus. Darüber bin ich echt happy.

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Persönliche Bestzeit über 200 Meter, im Mai auch über 100 Meter mit 11,25 Sekunden, und Anfang Juni in Regensburg bist du gemeinsam mit Tatjana Pinto, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase mit exakt 42 Sekunden die beste Zeit einer deutschen Staffel seit 1990 gelaufen. Wieso läuft es plötzlich so gut bei dir?

Insgesamt ist das Niveau im deutschen Damensprint gestiegen. Ich glaube, dass wir uns gegenseitig treiben, die Leistung der anderen ist Ansporn, in jedem Training 110 Prozent zu geben. Meine Leistungssteigerung hat sich eigentlich auch schon 2013 angedeutet, als ich 11,63 Sekunden beziehungsweise wenige Wochen später bei der U18-WM 23,75 Sekunden gelaufen bin. 2014 war ich viel verletzt, da hat mich kaum jemand wahrgenommen. Deshalb kam 2015 meine Zeit von 11,31 Sekunden für Außenstehende extrem überraschend. Die letzten zwei Jahre bin ich verletzungsfrei geblieben, das ist auch ein Verdienst meines Trainers Rainer Finkernagel, der jedes Training behutsam und sorgfältig plant. Er hört auf meinen Körper und zieht nicht stur einen Trainingsplan durch, vielmehr schauen wir gemeinsam von Woche zu Woche. Seitdem ich in Frankfurt studiere, werde ich immer wieder gefragt, warum ich nicht den Verein wechsel. Aber warum hätte ich das vor einem so wichtigen Jahr wie 2016 tun sollen, wenn es so gut läuft!?

Wie sieht denn dein Alltag aus, wo bringst du neben dem Training das Studium noch unter?

Im Sommer ist das in der Tat schwierig. Aktuell habe ich nur einen Kurs belegt. Aber deshalb habe ich bereits, um in der Regelstudienzeit zu bleiben, im Wintersemester vorgearbeitet, also mehr als die eigentlich vorgesehenen Kurse belegt. Ich baue mir die Seminare um Training und Physiotherapie herum. Die Tage im Winter sind deshalb stark komprimiert, sie beginnen früh und enden spät, alles ist relativ strikt getaktet. Trotzdem klappt beides bislang recht gut. Auch wenn es anstrengend ist – das Studium ist mir sehr wichtig, als zweites Standbein, aber auch als Ablenkung und Abwechslung zum Sport.

Was würdest du dir wünschen, um Sport und Studium noch besser vereinbaren zu können?

Mein Trainer sollte nach Frankfurt ziehen. (lacht) Nein, im Ernst. Die Pendelei zwischen Frankfurt und Langgöns ist teilweise relativ anstrengend. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man in drei Minuten zu Fuß zu Hause ist oder sich noch 45 Minuten ins Auto setzen muss.

Bewerbungs-Video von Lisa Mayer zur Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres: https://www.youtube.com/watch?v=QcmVZc5LQwQ

Wie sieht deine Vorbereitung auf die Europameisterschaften aus?

Die Grundausdauer habe ich, jetzt muss ich es hinbekommen, schnell zu bleiben und das Niveau zu halten. Bei der EM werde ich über 200 Meter starten. Ich hoffe, dass ich meine Zeit weiter steigern kann und mir so eventuell eine Chance auf das Finale erlaufe. Mehr Chancen haben wir sicherlich mit der Staffel, da wollen wir eine Medaille. In Vorbereitung auf Rio werden wir zwei Lehrgänge in Kienbaum absolvieren, zwischendrin laufe ich noch bei den deutschen U23-Meisterschaften die 200 Meter. Und dann geht es am 6. August auch schon nach Rio.

Was sind deine Ziele für die Olympischen Spiele?

Bei meinem Einzelstart möchte ich Erfahrungen sammeln und lernen. Ich will meine beste Leistung abrufen, zu was das dann reicht, wird man sehen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch klar auf der Staffel. Unser Lauf in Regensburg mit 42,00 Sekunden war gut, aber noch nicht perfekt, wir können noch was drauflegen. In einer Staffel kann immer viel passieren. Dass wir im Juni Weltjahresbestzeit gelaufen sind, war schön, sagt aber für Rio nicht viel aus. Manche Nationen wie die Amerikanerinnen waren zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gelaufen. Aber wir liebäugeln mit einer Medaille. Das wäre natürlich der absolute Traum!

Interview: Heike Schönharting