2. Bundesliga

Lieberknecht verurteilt Schmähgesänge gegen Ex-Coach Anfang

"Das passt nicht zu den Lilien-Fans"

Lieberknecht verurteilt Schmähgesänge gegen Ex-Coach Anfang

Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht (li.) und sein Vorgänger Markus Anfang.

Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht (li.) und sein Vorgänger Markus Anfang. imago images/Nordphoto

Der Abgang von Trainer Markus Anfang im Sommer hat bei Verantwortlichen wie Fans des SV Darmstadt 98 einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Insbesondere bei der Frage, ob es eine Ausstiegsvereinbarung gab, widersprechen sich beide Seiten. Präsident Rüdiger Fritsch hatte vor dem Gastspiel Anfangs mit seinem neuen Verein Werder Bremen am Böllenfalltor erklärt, er glaube nicht, dass es bei den Fans gut ankomme, wenn sich jemand aus einem laufenden Vertrag herauslaviere. Doch was Anfang dann beim 0:3 an alter Wirkungsstätte von einem Teil des Lilien-Anhangs zu hören bekam, ging weit über das normale Maß hinaus - beziehungsweise deutlich unter die Gürtellinie.

"Das passt in dieser Form nicht zu den Lilien-Fans", fand Anfangs Nachfolger Torsten Lieberknecht. Er habe das Publikum in Darmstadt als sehr offen und begeisterungsfähig erlebt. "Es gab ein paar Sachen, die haben mir nicht gefallen." Dabei ging es ihm nicht um das "Siehst Du Anfang, so wird das gemacht", das die Fans anstimmten, als Darmstadt deutlich führte. "Es gab andere Unmutsäußerungen, bei denen ich sage: Das hat der Markus nicht verdient."

Lieberknecht: "Das war ein schwieriger Moment"

Lieberknecht legt viel Wert auf einen respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen - egal ob Spielern oder Kollegen. Deswegen überlegte er auch einige Momente, ob er nach Schlusspfiff zu den Fans auf der Südtribüne gehen sollte, von wo die teils schwer beleidigenden Anti-Anfang-Sprechchöre kamen. "Das war ein schwieriger Moment", sagte er über die Momente davor. "Der Respekt gegenüber Markus und seiner Arbeit hier bei den Lilien mit der stärksten Rückrunde aller Zeiten ist bei mir schon sehr ausgeprägt."

Schließlich ging er dann doch, denn auch die Nähe zu den Fans ist ihm wichtig. "Letztlich freut man sich dann auch mit - für uns, für die Fans, für meine Mannschaft. Da haben es die Menschen auch verdient, dass man sich noch einmal zeigt", sagte er. Tatsächlich hatte auch ein deutlich lauterer Teil des Anhangs den aktuellen Coach während und nach dem Spiel mit "Lieberknecht"-Sprechchören gefeiert, statt sich an dessen Vorgänger abzuarbeiten.

Anfang: Darmstadt bleibt in positiver Erinnerung

Anfang wirkte nach der klaren Niederlage sehr enttäuscht. Auf die Frage, ob er sich einen anderen Empfang gewünscht hätte, sagte er, er sei von den Menschen, mit denen er in Darmstadt täglich zusammengearbeitet habe, sehr freundlich empfangen worden. "Die haben mich in den Arm genommen und geherzt und sich gefreut, mich zu sehen", sagte er. "Darmstadt wird für mich trotz der einen oder anderen Gesänge heute für mich in positiver Erinnerung bleiben."

Stephan Köhnlein

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