2. Bundesliga

SV Darmstadt 98 präsentiert Trainer Torsten Lieberknecht

Darmstadt präsentiert neuen Coach

Lieberknecht: "Alles umzustülpen, wäre der falsche Ansatz"

Darmstadts neuer Trainer Torsten Lieberknecht bodenständig, begeisterungsfähig und ambitioniert.

Darmstadts neuer Trainer Torsten Lieberknecht bodenständig, begeisterungsfähig und ambitioniert. imago images

Um die Frage nach dem Saisonziel haben sich Trainer wie Verantwortliche des SV Darmstadt 98 in den vergangenen Jahren meist mit schwammigen Formulierungen gewunden. Der neue Coach Torsten Lieberknecht ist da anders: "Ambitioniert zu bleiben, ist gut, ein einstelliger Tabellenplatz ist auch gut", sagt der 47-Jährige am Donnerstag bei seiner Vorstellung am Böllenfalltor - um dann schmunzelnd anzufügen: "Der einzige einstellige Tabellenplatz, der total beknackt ist, ist Platz vier. Der ist nicht anstrebenswert."

An dieser Aussage eine Zeitenwende festzumachen, ginge wohl zu weit. Lieberknecht selbst betont, dass es ihm wichtig sei, auf das aufzubauen, was der Verein in den vergangenen Spielzeiten begonnen habe. "Alles umzustülpen, wäre der falsche Ansatz", sagt er, stellt aber auch klar, dass er niemanden kopieren wolle.

Viel Tempo und zwei Strafzettel

Wenn Lieberknecht erzählt, schwingt die Begeisterung für sein neues Engagement mit. "Ich war noch nie so schnell an einem Arbeitsplatz wie hier", sagt er, räumt ein, dass er auf dem Weg nach Darmstadt gleich zweimal in eine Radarfalle gerauscht sei, aber beschwichtigt grinsend: "Alles noch im Rahmen."

Etwas langfristig aufzubauen und eine Mannschaft Richtung Aufstiegskampf zu führen, habe ihn schon immer gereizt. Das habe er in Braunschweig und im zweiten Jahr in Duisburg gezeigt. Aber auch über seine Freistellung in Duisburg im vergangenen November spricht er ganz offen und über den Austausch mit der Arbeitsagentur in den vergangenen Wochen. Dellen im Lebenslauf hätten viele Trainer. "Aber das treibt mich umso mehr an", sagt er.

Natürlich gehe es für einen Trainer darum, den Fußball attraktiv zu gestalten und Siege zu holen, sagt Lieberknecht. Aber es sei auch wichtig, dass man eine Identifikation aufbaut zu den Menschen und zur Stadt: "Ich sauge einen Klub direkt auf, eine Stadt, die Fans, Schwingungen - nur so habe ich Energie und brenne auch für die Sache."

Darmstadt ist kein Sprungbrett

In Darmstadt hat die langfristige Perspektive eine große Rolle bei der Trainerwahl gespielt, wie Sportchef Carsten Wehlmann betont. "Torsten steht für Kontinuität", betont er am Donnerstag. Tatsächlich hat sich bei den Lilien in den vergangenen fünf Jahren kein Coach länger als 16 Monate gehalten. Erst gut eine Woche vor Lieberknechts Vorstellung hatte Markus Anfang die Lilien trotz laufenden Vertrages Richtung Bremen verlassen.

"Ich sehe den SV Darmstadt 98 nicht als Sprungbrett für irgendetwas", sagt Lieberknecht. "Meine Haltung und Wertevorstellung sind, dass ich die Verträge, die ich unterschreibe, auch immer erfüllen will. Wenn es über zehn Jahre wie in Braunschweig gehen würde, wäre das fantastisch, weil dann wissen wir, dass es höchstwahrscheinlich erfolgreich war."

Eine große Familie, aber ...

Lieberknechts Vertrag läuft zunächst zwei Jahre. Und auch bis zum Saisonziel einstelliger Tabellenplatz ist es noch ein langer Weg. Zunächst braucht der Verein Ersatz für Torschützenkönig Serdar Dursun und Defensivchef Victor Palsson. "Wir wissen, dass wir diese Positionen neu besetzen müssen", sagt Lieberknecht, gibt sich aber optimistisch: "Die Jungs, die da sind, und die, die neu dazukommen, bekommen dadurch eine Chance. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Lilien Abgänge gut kompensieren konnten."

Lieberknecht bezeichnet sich selbst als Förderer von jungen Spielern, auch wenn er klarstellt, dass natürlich Leistung immer das entscheidende Kriterium sein müsse. "Insgesamt geht es mir darum, dass sich die Mannschaft als eine große Familie empfindet, die trotzdem auch Profisport betreibt", sagt er. "Ich bin jemand, der für seine Mannschaft durchs Feuer geht. Aber ich kann auch eine andere Art an den Tag legen, wenn ich bei Spielern das Gefühl habe, dass sie permanent angeschoben werden müssen."

Stephan Köhnlein

Diese Zweitliga-Sommerneuzugänge stehen bereits fest