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WM 2022 - Lewandowski: "Meine Träume als Kind kamen hoch"

Große Emotionen nach dem ersten WM-Tor

Lewandowski: "Alle meine Träume als Kind kamen hoch"

Ließ seinen Emotionen nach seinen Treffer freien Lauf: Robert Lewandowski.

Ließ seinen Emotionen nach seinen Treffer freien Lauf: Robert Lewandowski. IMAGO/Xinhua

Aus Katar berichtet Thiemo Müller

Der überragende Spieler auf dem Platz hieß ohne jeden Zweifel Wojciech Szczesny. Polens Keeper parierte gegen Saudi-Arabien nicht nur einen Elfmeter samt Nachschuss glänzend, sondern vereitelte auch weitere gegnerische Großchancen. "Er hat das Spiel gewonnen", urteilte folgerichtig Saudi-Coach Hervé Renard, dessen Pendant Czeslaw Michniewicz ebenfalls über Szczesny schwärmte: "Unser Held." Zum "Man of the Match" kürte die FIFA dann aber doch nicht den 32-jährigen Torhüter von Juventus Turin. Sondern Robert Lewandowski. Was durch dessen entscheidenden Einfluss auf die Partie mit einem Treffer und einem Assist natürlich auch irgendwie gerechtfertigt war. Was aber noch mehr als eine Hommage an Lewandowskis sportliches Lebenswerk daherkam, das nun um einen weiteren Höhepunkt reicher ist.

Man hat nicht viele Möglichkeiten, vermutlich wird es meine letzte WM sein.

Robert Lewandowski

In seiner insgesamt fünften WM-Partie gelang dem zweimaligen Weltfußballer nun also endlich der erste Treffer bei einem globalen Endturnier. Was den so oft als Tor-Roboter daherkommenden 34-Jährigen, dem in seiner Endphase beim FC Bayern Erfolgserlebnisse nicht mal mehr ein Lächeln entlockten, emotional völlig aus der Bahn warf. Lewandowski sank zu Boden und ließ seinen Tränen freien Lauf: "In diesem Moment kamen alle meine Träume als Kind hoch", berichtete der Barca-Profi anschließend, "ich will ja immer treffen - aber dieses Tor war ganz, ganz besonders." Schon bei der Nationalhymne habe er "diesmal ganz spezielle Emotionen" verspürt.

Wohlwissend, dass ihm die Zeit davon laufen könnte nach seinem Elfmeter-Fehlschuss beim 0:0 gegen Mexiko. Denn: "Man hat nicht viele Möglichkeiten, vermutlich wird es meine letzte WM sein." Dabei, versichert der Kapitän, habe er selbstverständlich nicht nur an sich gedacht: "Im Vordergrund steht die Mannschaft, für die mein Tor sehr wichtig war. Aber ich achte auch auf persönliche Statistiken - und wenn beides zusammengeht, ist es doch ideal."

Weiter mit zwei Spitzen? "Zuviel Risiko zahlt sich nicht aus"

Ebenso ans persönliche Interesse wie an den Teamerfolg hatte Lewandowski gewiss gedacht, als er nach dem torlosen Remis zum Auftakt unverblümt eine Taktikänderung eingefordert hatte. Trainer Michniewicz  kam dem prompt nach mit der Umstellung aufs von Lewandowski favorisierte Zwei-Spitzen-System und der Startelf-Nominierung von Arkadiusz Milik. "Wir brauchten jemanden, der um Robert herum spielt", so der Fußballlehrer, "das hat sehr gut funktioniert, beide haben sich sehr gut ergänzt."

Ob der als Defensivfanatiker berüchtigte Michniewicz daran nun festhält, bleibt freilich abzuwarten. Aus seiner grundsätzlichen Einstellung macht er nämlich weiterhin keinen Hehl: "Bei einem Turnier kann jeder Fehler große Konsequenzen haben. Zuviel Risiko zahlt sich da nicht aus." Und: "Du brauchst in einem Spiel nicht mehr als zwei Tore." Für die könnte ein Lewandowski ja bekanntlich auch im Alleingang sorgen…

Thiemo Müller