Bundesliga

Freiburgs Vorstand Oliver Leki im Interview über 50+1

Freiburgs Vorstand zu 50+1, DFB und der Debatte um die Vermarktung der Liga

Leki im Interview: "Ich würde die Bundesliga nicht ständig in Schutt und Asche reden"

Beim SC Freiburg Vorstand für Finanzen, Organisation und Marketing: Oliver Leki.

Beim SC Freiburg Vorstand für Finanzen, Organisation und Marketing: Oliver Leki. imago images/Sportfoto Rudel

Herr Leki, glauben Sie, dass die 50+1-Regel weiterhin und dauerhaft im deutschen Profifußball Bestand haben kann?

Ja, das glaube ich mehr denn je. Ich stehe in aller Deutlichkeit seit vielen Jahren für den Erhalt dieser Regel ein. Es ist sehr erfreulich, dass die Grundregel 50+1 laut Bundeskartellamt keinen kartellrechtlichen Bedenken unterliegt. Es wird jetzt unsere Aufgabe als DFL-Präsidium sein, mit dem Bundeskartellamt in den Dialog zu treten, um die verbleibenden Bedenken, die angemeldet wurden, entweder auszuräumen oder Lösungswege zu finden, um letztlich eine kartellrechtlich tragfähige Regelung zu haben.

Sehen Sie ein berechtigtes Interesse der Werksklubs und Hoffenheim auf ihre beantragten Ausnahmeregelungen?

Ich kann die Position derer, die unmittelbar betroffen sind, nachvollziehen. Sie berufen sich ja auch auf eine bestehende Satzung.

Ist es nicht ein Interessenkonflikt, wenn sich beispielsweise DFL-Präsidiumsmitglied Oke Göttlich als Präsident des FC St. Pauli - auch ein erklärter Befürworter von 50+1 - zu dem Verfahren rund um 50+1 beiladen lässt?

Was uns seit mindestens einem Jahrzehnt beschäftigt, ist die Tatsache, dass es einfach unterschiedliche Ansichten und Positionen zu diesem Thema gibt. Das ist in der Liga so und auch in den Gremien. Viele Akteure mit unterschiedlichen Meinungen zu dem Thema haben sich beiladen lassen und werden sich über Stellungnamen einlassen. Entscheidend ist aber, dass wir als Präsidium die Interessen aller 36 Erst- und Zweiligaklubs vertreten. Dem fühle ich mich auch verpflichtet. In jedem Fall stehen wir vor einer echten Herausforderung.

Das würde unser bestehendes Fußballsystem aber nicht ausreichend schützen.

Leki über FFP

Das klingt nicht nach einer schnellen Lösung, sondern einem weiter langwierigen Prozess.

Wir können uns die Welt ja nicht schöner malen als sie ist. Vor zwei Jahren ist die Anfrage an das Kartellamt gestellt worden. Das Kartellamt hat nun geantwortet. In Teilen wie gesagt sehr erfreulich, wenn man Verfechter der 50+1-Regel ist. Aber es gibt eben Details, mit denen das Kartellamt nicht einverstanden ist. Diese zu einer Lösung zu führen, ist die Aufgabe. Ich bin der Meinung, dass man es schaffen kann, eine Lösung zu finden und damit Rechtssicherheit herzustellen, was ja auch unser Ausgangspunkt war.

Was wäre am Wegfall der Regel so schlimm? Könnte die DFL nicht über andere Instrumente versuchen, die Bundesligakultur zu bewahren und zu verhindern, dass von heute auf morgen die Liga von Großinvestoren geflutet wird?

Nach meinem Dafürhalten schützt die 50+1-Regel den Fußball, wie ich und viele anderen ihn mögen. Es wird ja öfter versucht, Financial Fairplay als eine Art Ersatzregelung ins Gespräch zu bringen. Das würde unser bestehendes Fußballsystem aber nicht ausreichend schützen.

Wenn irgendwann ein Klub gegen die Regel klagt, hätte man am Ende eines solchen Prozesses auch Rechtssicherheit.

Es kann sicherlich nie das Ziel sein, innerhalb einer Liga auf dem Klageweg irgendetwas zu erreichen. Dazu habe ich eine ganz klare Haltung, das sollte unter allen Umständen verhindert werden.

Eintracht Frankfurts Vorstand Axel Hellmann warnte zuletzt vor einer "Verzwergung" der Bundesliga, die zu einer Abnahme der internationalen Wettbewerbsfähigkeit führe. Was sagt der kontinuierlich gewachsene, aber immer noch zur kleineren Hälfte der Erstligisten zählende SC Freiburg dazu?

Ich finde die Verwendung der Begrifflichkeit "Verzwergung" völlig unangebracht. Wenn zum Beispiel wie in diesem Sommer zwei kleinere Vereine in die Bundesliga aufgestiegen sind und ein großer, so genannter Traditionsverein eben nicht, dann verdienen diese beiden Aufsteiger großen Respekt. Dies gilt gleichermaßen auch für das Thema Klassenerhalt und Abstieg. Und zwar uneingeschränkt und ohne im gleichen Atemzug eine Reichweiten-Debatte zu führen. Ich rate hier zu mehr Zurückhaltung und würde uns als Bundesliga auch nicht ständig selbst in Schutt und Asche reden. Das bringt uns nämlich als Liga nicht weiter. Nichtsdestotrotz haben wir auch auf der kommerziellen Seite Themen in der Liga, um die wir uns definitiv kümmern müssen.

Das will ich mir nicht kaputt reden lassen.

Leki

Welche?

Die nationalen Fernsehrechte sind das wichtigste zentral vermarktete Produkt der Liga. Das Produkt ist ohne Wenn und Aber attraktiv, muss es aber auch bleiben. Wir werden uns auf einen sich weiter verändernden Medienmarkt einstellen müssen. Den rückläufigen Erlösen aus der Auslandsvermarktung entgegenzuwirken, wird auch kurzfristig ein wichtiges Thema sein. Diese Themen müssen wir anpacken, aber nicht auf Kosten des gemeinsamen Verständnisses, dass wir ein Verband der 36 sind, der den FC Bayern, genauso aber zum Beispiel den SV Sandhausen einschließt.

Sehen Sie den SC Freiburg als kleinen Verein in der Bundesliga?

Wir können uns realistisch einschätzen (lacht). Es geht aber um etwas anderes: Ich bin ein großer Verfechter der 36. Da gibt es größere und kleinere Klubs mit teilweise völlig unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten. Es bleibt aber trotz allem ein Erfolgsmodell. Dass einige größere Reichweiten als andere erzielen, ist richtig. Das wurde auch zum ersten Mal in der Fernsehgeldverteilung berücksichtigt. Das kann ich auch nachvollziehen. Mir geht es eher um ein grundsätzliches Miteinander.

Ein Interessenausgleich zwischen Sandhausen und dem FC Bayern scheint nicht gerade einfach.

Genau, das ist ja die Kunst und die Aufgabe, einen Ligaverband zu führen, in dem es Bayern München und Sandhausen gibt. Es gibt Stimmen, die sagen, das kann man nicht unter einen Hut bringen, das muss man trennen. Ich glaube das nicht, denn in den vergangenen Jahrzehnten ist es der Liga ziemlich gut gelungen, das unter einen Hut zu bringen. Das will ich mir nicht kaputt reden lassen.

Oliver Leki

Ebenso Teil des DFL-Präsidiums: Oliver Leki. imago images/Revierfoto

Auf welche Weise wollen Sie den Laden der 36 zusammenhalten?

Ich werde nicht müde zu sagen, dass alle der 36 Mitglieder etwas dafür tun müssen, dass dieser Verband auch noch in Zukunft besteht. Auch in Zukunft wird es daher Kompromisse brauchen und bei Kompromissen ist es eben so, dass man selten seine Maximalforderungen durchsetzen kann. Ich bin überzeugt, dass das der einzig richtige Weg ist. Man wird weiter miteinander reden und verhandeln, mal einen schmerzhaften Kompromiss eingehen müssen, ohne dass es zu einer Einbahnstraße wird.

Eine passende Überleitung zum DFB: Kann der weltgrößte Sportfachverband, bei dem Sie als DFL-Vertreter auch im Präsidium sitzen, in seiner jetzigen Form überhaupt zurück in die Spur finden?

Die Causa Fritz Keller zeigt doch eines: Dem DFB fehlt es an den richtigen Strukturen, um einen solch großen Verband professionell und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Das ist für mich die zentrale Botschaft. Es gibt aber immer noch Personen, die überzeugt sind - oder zumindest so tun -, als ob alles in bester Ordnung ist und der DFB eher ein Opfer sei. Das ist für mich nur schwer zu ertragen und eine ungeeignete Grundhaltung, um einen Veränderungsprozess zu initiieren, den es dringend braucht. Natürlich ist die Frage, wer wird der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin von großer Wichtigkeit, entscheidender ist für den langfristigen Erfolg aber etwas anders.

Ich möchte nichts anderes als einen gutgeführten und erfolgreichen DFB.

Leki

Was meinen Sie konkret?

Unter anderem bin ich davon überzeugt, dass es im Rahmen einer Ausgliederung ein hauptamtliches Top-Management braucht, das die Geschäfte mit einem umfassenden Verantwortungsbereich führt, an dem man es auch messen kann. Auch müssen die Aufgaben und die Rolle der Präsidentin oder des Präsidenten ganz klar definiert sein. Das sind für mich ganz zentrale Punkte, die aber eben konsequent umgesetzt werden müssen, um wirklich einen Schritt nach vorne zu machen.

Sie sprechen als Vertreter eines Profiklubs. Die Landesverbände und mit ihnen die Amateurvereine fürchten bei einer solchen Strukturreform um Einfluss. Wie wollen Sie deren Interessen wahren?

Dafür habe ich Verständnis, wie im Übrigen für viele Anliegen der Landesverbände. Ich glaube aber schon, dass in dem Punkt ein Blick zur DFL lohnt, wo vor vielen Jahren ein starkes hauptamtliches Management eingeführt wurde, das die Interessen aller 36 Mitglieder mit weitreichenden Kompetenzen im Blick hat. Das ist beim DFB zugegebenermaßen komplizierter, dennoch halte ich es für den richtigen Weg. Ein ehrenamtliches Präsidium kann dies nicht leisten und zu viele Schnittstellen sind in hohem Maße ineffizient.

Sieht es nicht aktuell danach aus, dass beim außerordentlichen DFB-Bundestag im März 2022 einfach neu gewählt wird und strukturell alles so weiterlaufen soll wie bisher?

Ich habe meine Position sehr deutlich gemacht. Das Thema ist viel zu wichtig, um schlechte Kompromisse mitzutragen.

Das heißt im Umkehrschluss, dass die DFL eingreifen muss?

Die DFL ist Mitglied beim DFB und trägt damit Verantwortung im Verband. Wir machen unsere Positionen deutlich. Jedoch muss man den Eindruck haben, dass bei einigen eine echte Debatte um die besten Lösungen nicht wirklich gewollt ist. Ich möchte nichts anderes als einen gutgeführten und erfolgreichen DFB.

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