Bundesliga

Leitl: "Das ist die Königsdisziplin im Fußball"

Fürth setzt bei Hertha BSC auf defensive Stabilität und Umschaltmomente

Leitl: "Das ist die Königsdisziplin im Fußball"

"Wir müssen in der eigenen Hälfte keinen Schönheitspreis gewinnen." Stefan Leitl.

"Wir müssen in der eigenen Hälfte keinen Schönheitspreis gewinnen." Stefan Leitl. imago images/Zink

Auch wenn die SpVgg Greuther Fürth am Ende mal wieder mit leeren Händen dastand, taugte der Auftritt am vergangenen Samstag gegen Wolfsburg als berechtigter Mutmacher für die nächsten Aufgaben. Nur vier zugelassene Schüsse aufs Tor waren der Beleg für eine deutlich verbesserte Abwehrleistung. "Für uns war jetzt erst mal wichtig, die Defensive zu stabilisieren", bekräftigte Leitl auf der Pressekonferenz am Donnerstag den gegen den Bundesliga-Spitzenreiter gewählten Ansatz als "richtiges Mittel". Dieses sah vor, erstmals mit vielen langen Bällen zu agieren, um die Wölfe erst gar nicht ins Pressing kommen zu lassen. Ein abermaliges Abweichen vom sonst mutigen und kombinationsstarken Spielstil schließt Fürths Chefcoach nicht aus: "Wir versuchen schon, auch weiterhin im eigenen Ballbesitz Struktur reinzubekommen, aber wir wollen das Risiko in der eigenen Hälfte minimieren, um schneller in die gegnerische Hälfte zu kommen - und da darf es dann auch mal ein langer Ball sein."

Leitl: "Wir müssen keinen Schönheitspreis gewinnen"

Nach schon elf Gegentoren in erst vier Spielen - acht davon bei den Auswärtspleiten in Stuttgart (1:5) und in Mainz (0:3) - machte Leitl klar, worum es für die Spielvereinigung in erster Linie geht: "Jedem muss klar sein, dass wir deutlich mehr Stabilität reinbekommen müssen. Die Arbeit gegen den Ball und eine Defensivleistung wie gegen Wolfsburg muss die Basis für unser Spiel sein, um erfolgreich zu sein. Das muss in unsere Köpfe rein!" Um hinten wenig bis gar nichts anbrennen zu lassen, ist dem 44-Jährigen jedes Mittel recht: "Wichtig ist, dass die Jungs lernen, konsequent zu verteidigen. Wir müssen in der eigenen Hälfte keinen Schönheitspreis gewinnen. Da zählt es auch mal, vielleicht die Kugel aus dem Stadion zu schlagen, um keine Gefahr entstehen zu lassen." Eine Umstellung im Vergleich zur vergangenen Aufstiegssaison, als das Kleeblatt auch im eigenen Drittel häufig auf spielerische Lösungen setzte. "Wir müssen lernen, dass wir uns nicht wie im letzten Jahr permanent aus diesen Situationen befreien können", fordert Leitl ein Umdenken.

Viergever und Griesbeck mit tragenden Rollen

Insbesondere den am letzten Tag der Transferperiode verpflichteten Nick Viergever (32) und Sebastian Griesbeck (30), die gegen Wolfsburg beide direkt ihr Startelfdebüt gaben und durchspielten, kommt bei der Umsetzung des Defensivkonzepts eine tragende Rolle zu: "Wir haben jetzt die Spieler, um defensiv kompakter zu stehen", freut sich Leitl und führt aus: "Wir haben einen Sebastian Griesbeck vor der Abwehrkette, der eine große Dynamik im Spiel gegen den Ball hat und diese Wichtigkeit erkennt, was Defensive bedeutet im Spiel gegen den Ball." Gleiches gelte für Innenverteidiger Viergever: "Wir haben mit Nick einen Spieler, der über Jahre hinweg auf höchstem Niveau gespielt, sofort das Kommando übernommen und auch erkannt hat, wo wir den Hebel ansetzen müssen, um erfolgreich zu sein - und das ist die Defensive", bekräftigt Leitl. "Da müssen wir einfach hinkommen in dieser Liga."

Aus Fürther Sicht am besten schon am Freitagabend bei Hertha BSC. Schließlich haben die Franken erst einen Punkt auf der Habenseite. Auch, weil das Kleeblatt - in der Vorsaison mit 69 Toren noch die zweitbeste Offensive der 2. Liga - eine Etage höher erst zwei Treffer erzielt hat. "Das Spiel im letzten Drittel ist die Königsdisziplin im Fußball", findet Leitl, der in der Hauptstadt neben den Langzeitverletzten Jessic Ngankam (Kreuzbandriss) und Gideon Jung (Knie-OP) nur auf Angreifer Robin Kehr (Bänderverletzung im Sprunggelenk) verzichten muss. Um die noch lahmende Offensive um Neu-Stürmer Cedric Itten in Schwung zu bringen, fordert der Trainer mehr Ruhe im Ballbesitz und ein besseres Ausspielen der Umschaltmomente.

Das Ziel: Umschaltmomente nutzen - so wie zuletzt die Hertha

So wie es Gegner Hertha BSC beim 3:1 am vergangenen Sonntag in Bochum vorgemacht hat. "Sie haben mit dem Sieg in Bochum die richtigen Schlüsse aus den ersten Spielen gezogen, ihre Art, Fußball zu spielen, etwas verändert, den Bochumern den Ball gegeben, sehr tief verteidigt und aus Umschaltmomenten großes Kapital geschlagen", hat Leitl den jüngsten Auftritt der Berliner analysiert. "Ich bin gespannt, wie sie uns empfangen, ob sie die gleiche Herangehensweise wie in Bochum wählen oder ob sie uns zu Hause einen Tick offensiver empfangen." Wie dem auch sei: "Wir sind für alle Eventualitäten vorbereitet", betont der Fürther Aufstiegscoach. Um dem Mutmacher gegen Wolfsburg nun auch einen in Form von Punkten folgen zu lassen.

Fabian Istel