2. Bundesliga

Fürth-Trainer Leitl: "Alles mitnehmen, was wir mitnehmen können"

Fürth: Fünf Dreier in Serie, aber seit 2017 ohne Sieg gegen den FCH

Leitl: "Alles mitnehmen, was wir mitnehmen können"

Greuther Fürths Trainer Stefan Leitl durfte sich zuletzt über fünf Siege in Serie freuen.

Greuther Fürths Trainer Stefan Leitl durfte sich zuletzt über fünf Siege in Serie freuen. imago images

Sorgen, dass dies innerhalb der Mannschaft anders sein könnte, hat der 43-Jährige nicht. Im Gegenteil: "Die Jungs können das sehr gut einschätzen. Sie sind auch in den Trainingseinheiten sehr gierig. Ich habe das Gefühl, sie wollen immer mehr und immer weiter." Durch das 3:2 über den 1. FC Nürnberg ist die Siegesserie inzwischen auf fünf Partien angewachsen. "Jeder Sieg gibt noch mal einen Schub", weiß Leitl um die Bedeutung des Dreiers am vergangenen Sonntag, noch dazu im Derby beim Lokalrivalen. Und will mit seinem Team weiter auf der Erfolgswelle reiten: "Wir haben sehr viel Selbstvertrauen und ein gutes Momentum. Das wollen wir natürlich ausnutzen, den Lauf und die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt, so lange wie möglich fortsetzen und alles mitnehmen, was wir mitnehmen können."

Fürth fünfmal in Folge ohne Sieg gegen Heidenheim

Gegen den 1. FC Heidenheim, der am Samstag im Ronhof gastiert, fiel die Ausbeute des Kleeblatts in der jüngeren Vergangenheit eher mau aus. Fürths bis dato letzter Sieg über den FCH datiert aus dem Dezember 2017 (1:0), seitdem gab es drei Remis und zwei Niederlagen - und unter Leitl als Coach der Spielvereinigung in den drei Duellen seit Februar 2019 noch gar kein Tor zu bejubeln (0:0, 0:1, 0:0). "Seitdem ich in Fürth bin", blickt der gebürtige Münchner zurück und voraus, "erwischen wir Heidenheim immer in einer Phase, in der sie nicht ganz so schlecht performen."

Auch diesmal: Nach dem Erstrundenaus im DFB-Pokal beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden (0:1) und nur fünf Punkten aus den ersten sechs Ligaspielen holte der FCH aus den jüngsten drei Partien sieben Punkte. "Das ist eine gestandene und gute Zweitligamannschaft", warnt Leitl, "das hat man schon in der vergangenen Saison gesehen, als sie kurz davor waren, in die Bundesliga aufzusteigen", in der Relegation gegen Werder Bremen aber knapp den Kürzeren zogen (0:0, 2:2). "Die vergangenen drei Spiele zeigen: Frank hat wieder eine gute Mannschaft geformt, die zu den Topteams in dieser Liga gehört", zieht Leitl den Hut vor seinem Trainerkollegen Frank Schmidt, auch wenn Heidenheim derzeit sechs Punkte und acht Ränge hinter Fürth liegt.

Leitl warnt nicht nur vor der "Comeback-Qualität" des FCH

Respekt zollt Leitl auch der "Comeback-Qualität" des kommenden Gegners: Dank fünf (!) Treffern von Torjäger Christian Kühlwetter machte der FCH zuletzt in Kiel aus einem 0:2 spät noch ein 2:2 und eine Woche später gegen den HSV aus einem erneuten 0:2-Rückstand sogar noch ein 3:2. Auf einen reinen Willenssieg möchte Leitl Heidenheims Erfolg über Hamburg aber nicht reduzieren: "Da stecken schon ein guter Plan und gute Abläufe dahinter. Das ist eine sehr laufstarke Mannschaft, die sehr gut anläuft und den Gegner unter Druck setzt", erwartet Fürths Chefcoach, dass der FCH auch gegen sein Team hoch pressen und dadurch früh stören wird. Umso mehr werde es neben den "eigenen Prinzipien" - sprich einem starken Ballbesitz- und Positionsspiel - auch auf "gute Lösungen" ankommen, erklärt Leitl und meint damit etwa, "auch mal den einen oder anderen Pressingmoment zu überspielen".

Dass seine Mannschaft als eines der spielstärksten Teams im Unterhaus dazu in der Lage ist, weiß er, definiert seine Truppe aber nicht allein darüber: "Du darfst die Tugenden der 2. Liga nie außer Acht lassen. Erstmal über den Kampf, die Einstellung und die Bereitschaft ins Spiel zu finden, ist in dieser Liga enorm wichtig." Siehe das 267. Frankenderby am vergangenen Sonntag, als das Kleeblatt 119,6 Kilometer und damit vier mehr als der 1. FCN abgespult hat.

Zum sechsten Mal hintereinander mit derselben Startelf?

Dass darüber hinaus die Mechanismen im Fürther Spiel greifen, beweist die Mannschaft seit Wochen. Auch, weil Leitl seit dem 3:1 in Kiel, dem Beginn der Siegesserie, seine Startformation nicht mehr verändert hat. "Wenn man eine Mannschaft hat, die fünfmal in Folge gewinnt und so performt, ist es natürlich schwer, jetzt zu wechseln", weiß der Trainer - auch wenn ihm bis auf den dritten Torwart Leon Schaffran (Sprunggelenk-OP) der komplette Kader zur Verfügung steht. Das heißt: Gegen Heidenheim wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut seine Erfolgself im 4-4-2 mit Raute aufbieten, in der Branimir Hrgota und Havard Nielsen die Doppelspitze bilden.

Nielsen und Hrgota: Ein gut harmonierendes Duo mit "Luft nach oben"

Dass der Norweger Nielsen mit sechs Torbeteiligungen (3 Tore/3 Assists) bisher fast an jedem dritten Tor der gemeinsam mit dem HSV torgefährlichsten Offensive (je 19 Treffer) Anteil hatte und der Schwede Hrgota mit sieben Torbeteiligungen (5/2) sogar an mehr als einem Drittel, ist für Leitl kein Zufall: "Man hat schon in der vergangenen Saison gesehen, dass die beiden gut miteinander harmonieren, auch wenn Havard damals noch ein bisschen tiefer auf der Zehnerposition gespielt hat." Dass sich die beiden 27-jährigen Skandinavier so gut ergänzen, begründet er auch mit den unterschiedlichen Spielertypen: "Havard ist ein sehr flexibler Spieler, der sich auch sehr gut an der letzten Kette bewegen kann. Branimir hingegen ist eher der Zwischenspieler, der Freiraum braucht." Dass beide nicht nur treffen, sondern sich wie beim 1:0 im Derby, als Hrgota Nielsen mit einem herrlichen Schnittstellenpass bediente, ihre Tore auch gegenseitig vorbereiten, freut Leitl selbstredend. Steigerungspotenzial sieht er aber dennoch: "Ich bewerte Stürmer nicht nur an ihren Toren, sondern auch im Spiel gegen den Ball. Da ist bei beiden schon noch etwas Luft nach oben, das wissen sie aber auch."

Fabian Istel

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