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Lebensberater Sarri und Chelsea: "Ich könnte nie in England leben"

Trainer von Juventus äußert sich offen über etliche Themen

Lebensberater Sarri und die Chelsea-Zeit: "Ich könnte nie in England leben"

Hat persönliche Einblicke gewährt: Juve-Coach Maurizio Sarri.

Hat persönliche Einblicke gewährt: Juve-Coach Maurizio Sarri. imago images

Maurizio Sarri ist seit dieser Saison für Juventus Turin verantwortlich, wo der Italiener seinen Dienst als amtierender Europa-League-Sieger mit dem FC Chelsea im vergangenen Sommer angetreten hat. Die Zeit in London hat allerdings auch viele Scherben produziert. Beispiele: Sarri verließ wutentbrannt das Abschlusstraining der Londoner vor dem EL-Finale oder sorgte in Verbindung mit Keeper Kepa Arrizabalaga für einen Eklat.

Kurzum: Sarri, der bei seinen seit 1990 insgesamt 20 (!) Trainerstationen schon kuriose Spitznamen wie "Mister 33" bekommen hat und überhaupt das Fußballgeschäft als privilegiert ansieht ("Anstrengend ist es, um sechs Uhr aufzustehen und in die Fabrik zu gehen"), war in der englischen Hauptstadt nie der gefeierte Mann auf der Trainerbank. Eher war er der aufgrund seiner vorhergegangenen Erfolge mit Napoli ein geschätzter Coach - der nach dem Triumph auf Europas zweitgrößter Vereinsbühne dann aber auch wieder gen Italien ziehen darf.

Sarri und England: "Ich würde dort nie leben wollen

Dass den Glimmstängel-Fanatiker, der erst kurz vor der zwangsbedingten Corona-Fußballpause sein jetziges Team Juventus rund gemacht hatte, die Zeit bei den Blues noch beschäftigt, stellte sich nun heraus. Gegenüber dem offiziellen YouTube-Channel der Turiner äußerte sich Sarri detailliert über seine Zeit auf der Insel und teilte unter anderem mit: "Umso höher du die Leiter erklimmst, umso schwieriger ist es, richtige Beziehungen mit den Spielern aufzubauen. Das Drumherum verändert sich doch sehr, weswegen tiefgreifende Beziehungen schwer zu erreichen sind. Ich hatte so definitiv kein leichtes Verhältnis mit der Chelsea-Umkleidekabine. Als ich ihnen aber gesagt habe, dass ich gehen würde, haben viele auch geweint."

Maurizio Sarri ist ehemaliger Trainer des FC Chelsea.

Ja, er kann auch lachen: Trainer Maurizio Sarri. imago images

Der in seiner sportlich erfolgreichen Zeit in London von den Medien auch als "Scharlatan" verunglimpfte Fußballexperte legte sogar nach. Besonders der vielfältige und schrille Lifestyle auf der Insel missfalle dem gebürtigen Neapolitaner doch sehr: "Du kriegst schnell das Gefühl, dass junge Menschen in England mehr Möglichkeiten haben - nicht nur im Fußball. Deswegen würde ich dort nie leben wollen. Ich verstehe es auch nicht, wie das dort lebende Italiener wirklich anstellen."

Sarri: "Ich vermisse die Premier League"

Das bedeute allerdings nicht, dass der 61-Jährige seine Zeit als Chelsea-Trainer bereut: "Beim Fußball im Speziellen ist das eine ganze andere Geschichte. Ich vermisse die Premier League. Sie bietet ein außergewöhnliches technisches Level und eine besondere Atmosphäre. Sogar die gegnerischen Fans fragen dich nach einem Bild - und die Stadien sind immer voll, egal in welchem Wettbewerb. Das ist fantastisch."

Andere kommen mit persönlichen Gründen auf mich zu, weil sie Probleme mit der Frau oder den eigenen Kindern haben.

Maurizio Sarri über Beziehungen mit Spielern

Genauso bereue es Sarri auch nicht, öfter mal der sture Kopf zu sein. Er stehe zu seiner Art, zumal diese laut eigener Aussage auch bei einigen gut angekommen soll: "Ich bin nicht die Person, die anderen auf den Rücken klopft. Ich rede viel über das, was falsch läuft - und weniger über die guten Dinge. Das hat einen größeren Einfluss und führt dazu, dass dich die Leute für das akzeptieren, was du bist." Wie zum Beispiel bei Profis vor dem Karriereende, die gerne auch eine Art Lebensberatung in Anspruch nehmen: "Diejenigen, die an ihren Rücktritt vom aktiven Sport denken, fragen mich öfter mal nach Tipps, wie man richtig trainiert. Andere fragen mich, ob sie für ein Jahr Teil meines Stabs sein dürfen. Andere wiederum kommen mit persönlichen Gründen auf mich zu, weil sie Probleme mit der Frau oder den eigenen Kindern haben."

Oder ganz einfach ausgedrückt: Wenn das Eis zwischen einem und diesem außergewöhnlichen Typ, Kettenraucher und gelerntem Bankangestellten namens Sarri mal gebrochen ist und "eine Beziehung startet, dann kann man über alles reden".

mag

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