Int. Fußball

FC Chelsea: Frank Lampard muss um seinen Job bangen

Chelsea in der Krise

Lampard unter großem Druck - auch wegen Werner und Havertz

Angezählt: Chelsea-Trainer Frank Lampard.

Angezählt: Chelsea-Trainer Frank Lampard. imago images

Wenn es mal nicht läuft, dann läuft wohl auch wirklich gar nichts. Der FC Schalke kann das bestätigen, Timo Werner aber auch. Am Sonntagabend wurde der Nationalspieler im Netz gefeiert, leider hatte er selbst nichts zu feiern.

Spöttisch wurde über eine Szene gelacht, die ein bisschen das widerspiegelt, was beim FC Chelsea gerade passiert. Werner wollte eine Ecke schnell ausführen, streifte dabei aber mit seinem Spann die Eckfahne. Der Ball kullerte vom Halbkreis ins Feld, und Werner ging mit leichten Schmerzen in die Hocke. Und Chelsea stand wieder mal ohne Punkte da.

Auch Werner ist ein Grund, warum es für die Blues gerade gar nicht rund läuft und schon eifrig über eine Ablösung von Trainer Frank Lampard spekuliert wird. Wäre er nicht eine Klubikone, hätte Besitzer Roman Abramovich wohl schon längst die Reißleine gezogen. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison hatten Lampard und Chelsea drei Punkte mehr auf dem Konto, im Sommer zuvor aber nicht über 200 Millionen Euro auf dem Transfermarkt ausgegeben.

Und da kommt neben Werner auch Kai Havertz ins Spiel, beziehungsweise nicht so richtig rein. Seit dem 7. November wartet Erstgenannter auf sein nächstes Tor, hat aber immerhin schon nachgewiesen, dass er die Qualität mitbringt, Chelsea auf ein neues Level zu heben. Bei Havertz sah das bislang noch überhaupt nicht so aus.

Der 100-Millionen-Einkauf aus Leverkusen wurde von Lampard schon fast überall aufgestellt; mal als Zehner, als Achter, als Flügelspieler oder als falsche Neun. Fuß fassen konnte der 21-Jährige aber weder hier noch da und steht nach 21 Pflichtspielen bei vier Treffern (drei davon im League Cup gegen Zweitligist Barnsley) und fünf Vorlagen.

Nach dem 1:3 gegen Manchester City am Sonntagabend sah sich Lampard nicht zum ersten Mal zu einer Pflichtverteidigung seines teuersten Neuzugangs gezwungen. Havertz' Landsmann Werner hatte der Trainer eine Woche zuvor nach dem 1:3 bei Stadtrivale Arsenal noch öffentlich angezählt.

Dabei ist es Lampard selbst, der langsam um seinen Job fürchten muss. Glaubt man "The Athletic", haben die Blues die Nachfolger-Suche schon aufgenommen. Lampard wird neben der Ergebniskrise auch zur Last gelegt, noch keinen richtigen Platz für Werner und Havertz gefunden zu haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Coach bei der erstbesten Wahl gehen muss. Kommen die Ergebnisse zurück, heißt es, dürfte Lampard bleiben. Überraschend.

Timo Werner

Sinnbildlich: Bei Timo Werner klappt gerade nicht viel. imago images

Aber wann lässt der Gegenwind denn mal wieder nach? Nach vier Niederlagen aus den vergangenen sechs Spielen ist der einstige Titelanwärter auf den achten Platz abgerutscht. "Wir sind nicht auf dem Level von Manchester City oder Liverpool", kommentierte Lampard eine wieder mal schwache Vorstellung seiner Mannschaft am Sonntag. Und recht hatte er, ManCity war mindestens eine Klasse besser.

Die Frage ist, wann Chelsea "dieses Level" vorhat zu erreichen. Irgendwann reichen Lampard auch die Argumente "Rekord-Torschütze" und "Fan-Liebling" nicht mehr. Am Anfang der Saison waren es der Torwart und die Abwehr, die Sorgen bereiteten, die durch die Verpflichtung von Edouard Mendy aber wie durch Zauberhand weggewischt waren.

Jetzt, zwei Monate nach der Ankunft des Keepers, klappt fast gar nichts mehr. Chelsea agiert ideenlos, kraftlos und auch wieder anfällig. Selbst Mendy hat im Training vielleicht einmal zu oft auf Nebenmann Kepa geschaut.

So steht Lampard nach 55 Spielen im Amt mit einem Punkteschnitt von 1,67 da, so erfolglos war in der Ära Abramovich kein anderer Trainer. Nicht mal Andre Villas-Boas (1,7). Insgesamt kommen nur drei Chelsea-Trainer (Ruud Gullit, Ian Porterfield und Glenn Hoddle) auf eine noch schlechtere Bilanz.

"Ich denke nicht nach, was die Leute sagen, weil ich mich nicht ablenken lassen will", sagte Lampard am Sonntag noch, weil er das auch sagen musste. Am kommenden Wochenende wartet mit Viertligist FC Morecambe ein denkbar dankbares Los im FA Cup, danach heißen die Aufgaben in der Liga Fulham, Leicester und Wolverhampton. Für Lampard geht der Kampf um seinen Job jetzt richtig los.

mkr

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