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WM 2022: Lahm kritisiert Flick und den DFB

Ex-Nationalspieler über die WM, Füllkrug und Musiala

Lahm kritisiert Flick und den DFB

Kritischer Beobachter: Philipp Lahm (re.).

Kritischer Beobachter: Philipp Lahm (re.). imago images (2)

Was genau er der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2022 zutraut, sagt Philipp Lahm nicht, doch allzu optimistisch scheint der ehemalige DFB-Kapitän nicht zu sein - auch wenn beim 1:1-Remis gegen Spanien eine positive Tendenz auszumachen war.

"Der Mannschaft fehlt Reife", analysiert Lahm im "Zeit"-Interview. "Sie hatte keine Vorbereitung, erst im Laufe des Spiels gegen Spanien hat sich etwas entwickelt. Man sieht jetzt ein Gerüst. Süle und Rüdiger müssen aber strategischer verteidigen. Die gesamte Mannschaft kann sich noch deutlich darin verbessern, den Gegner vom Tor wegzuhalten. Kimmich im zentralen Mittelfeld ist dabei besonders gefragt."

Im Sextett um Torwart Manuel Neuer, die Innenverteidiger Niklas Süle und Antonio Rüdiger sowie Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan im Mittelfeld sieht Lahm "die deutsche Achse". Doch etwa auf den Außenverteidigerpositionen erkennt der ehemalige Rechtsverteidiger Luft nach oben: "Thilo Kehrer und David Raum sind schnell, sie haben das gut gemacht. Aber sie spielen bisher noch nicht auf Topniveau, daher sind sie abhängig von dem Gesamtgefüge."

Lahm über den "Bruch" gegen Japan - und wie Füllkrug das Spiel vereinfacht

Dass Deutschland mit einer 1:2-Niederlage gegen Japan ins Turnier startete, kreidet Lahm auch dem Bundestrainer an, der Gündogan und Thomas Müller kurz vor Japans Ausgleichstreffer ausgewechselt hatte. "Hansi Flick sollte auf Spieler mit großer internationaler Erfahrung setzen", fordert Lahm. "Er hat es im Verlauf des Spiels dann nicht getan, und es kam zum Bruch. Im zweiten Spiel lief es besser."

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Genau wegen dieser internationalen Erfahrung würde der 39-Jährige auch nicht zwingend auf Niclas Füllkrug in der Startelf setzen. "Er vereinfacht das Spiel der Mannschaft, weil er ein klarer Neuner ist, ein Mittelstürmer. Ich mag seine Unbekümmertheit, ihn kann man immer bringen", sagt Lahm zwar. "Grundsätzlich halte ich es aber für das beste Rezept, auf Spieler von Chelsea, Real Madrid, Manchester City und vom FC Bayern zu setzen, die in der Champions League schon etwas erreicht haben."

Lahm: "Die FIFA war gewiefter als der DFB"

So wie Jamal Musiala, dem trotz seiner 19 Jahre mancher schon in Katar den Aufstieg zum Weltstar zutraut. Lahm jedoch nicht: "Er ist ein großartiger Techniker, der den Ball sehr gut behauptet. Im letzten Drittel des Spielfelds ist er unberechenbar. Ich verstehe, dass die Fans ihn lieben. Ein Weltstar allerdings muss mindestens fünf Jahre lang auf hohem Niveau Leistung zeigen. Er sollte verantwortlich sein für die Erfolge seiner Mannschaften. Diese Kriterien kann Musiala noch nicht erfüllen", erklärt er.

zum Thema

Eine unglückliche Figur attestiert der Turnierdirektor der EM 2024 in Deutschland derweil dem DFB in der Debatte um die "One Love"-Kapitänsbinde. "Die Aktion mit der Binde hätte vor dem Turnier geklärt werden müssen", findet Lahm. "Die FIFA war aber gewiefter als der DFB, sie hat ihn auflaufen lassen. Sie hat aber auch einen Punkt: Die Binde ist ein Ausrüstungsgegenstand, der nach dem Reglement vom Veranstalter gestellt wird. Wäre es wirklich wünschenswert, wenn jedes Land seine eigene Botschaft damit sendet?"

jpe

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