Bundesliga

Labbadias Fehlgriff mit Rolfes und Vidal

Leverkusen: Bayers jüngster Startelf-Kader aller Zeiten zahlt Lehrgeld

Labbadias Fehlgriff mit Rolfes und Vidal

Bruno Labbadia

Muss sich die Systemfrage stellen: Liga-Novize Bruno Labbadia legte einen Fehlstart hin. imago

Die jüngste Bayer-Startelf aller Zeiten (23,45 Jahre, zuvor stand dieser Rekord bei 24,06 Jahren vom 17. Spieltag 1986/87) war angetreten, um Lehrgeld zu zahlen. Und mit ihr der Trainer, Liga-Novize Bruno Labbadia (42). Dessen Entscheidung, die Mannschaft im 4-1-3-2- System antreten zu lassen, wird zunehmend kritisch gesehen. Kapitän Simon Rolfes läuft sich vor der Abwehr einen Wolf und fällt für die Offensive komplett weg. Die Frage nach dem "Warum?" muss erlaubt sein angesichts der Qualitäten des Blondschopfs, der in der vergangenen Rückrunde sechs Tore erzielte - mehr als jeder andere Bundesligaspieler auf dieser Position. Mit Arturo Vidal verfügt Labbadia über einen zweiten Sechser, der neben Rolfes spielen und ihm bei Bedarf den Rücken freihalten kann. Doch wo tauchte der Chilene auf? Der Fachmann staunte, der Laie wunderte sich: Vidal agierte offensiv zentral! Zumindest bis diese Fehlbesetzung aufgehoben wurde und Renato Augusto, der famose Twen aus Brasilien, fortan das Geschehen lenkte - Bayers Spiel wurde prompt besser. Vidal jedoch trieb sich in der Folge mal hier, mal dort herum, vergab eine große Chance und wurde schließlich durch die Auswechslung erlöst.

Was ein paar andere Profis an diesem Samstag veranstalteten, ist sicherlich nicht die Schuld des Trainers. Er wird weder Gonzalo Castro noch Tranquillo Barnetta verboten haben, normale Leistung abzurufen. Reichlich uninspiriert spulen die beiden Leistungsträger momentan ihr Pensum runter, so wird man Kompaktheit nie erreichen.

Auch die Anfänger-Fehler des Linksverteidigers Constant Djakpa (21) und die der Innenverteidiger Manuel Friedrich (28) und Henrique (21) gehen nicht auf die Kappe des Trainers, der die Truppe immerhin zum Laufen gebracht hat: Bis zur letzten Minute ging sie volle Pulle - sicherlich eine positive Folge des intensiven Trainings.

Doch wie lange wird es dauern, ehe alles passt in dieser talentierten Mannschaft? Von fehlender Balance wollte Manuel Friedrich nicht sprechen, räumte jedoch ein, dass die Spielweise so sei, "dass man den ein oder anderen mehr vorne hat", der hinten eben nicht helfen kann. Vidal auf jeden Fall, dessen Stärke die Balleroberung ebenso ist, wie das Zerstören gegnerischer Angriffe, hätte gut gepasst in den Momenten, als Djakpa nicht wusste, ob er angreifen oder abwarten sollte. Das Zusammenspiel weist Defizite auf, die vom Trainer beklagte zerrissene Vorbereitung wird da eine Rolle spielen.

Doch: Wenn man dies weiß, meidet man Risiken, geht auf Nummer sicher. Was mit einem Arturo Vidal auf der Zehner-Position hinten und vorne nicht klappen kann.