Bundesliga

Labbadia lobt Marton Dardai: "Er ist sehr klar"

Herthas nächstes Eigengewächs und die Fortsetzung einer Familien-Saga

Labbadia lobt Marton Dardai: "Er ist sehr klar"

Marton Dardai gab mit 18 Jahren sein Bundesliga-Debüt.

Marton Dardai gab mit 18 Jahren sein Bundesliga-Debüt. imago images

Die Nachspielzeit war bei Herthas 3:0-Sieg in Augsburg am Samstag schon angebrochen, als Marton Dardai für Kapitän Dedryck Boyata aufs Feld durfte. Der Youngster begann damit das nächste Kapitel in einem schon jetzt ziemlich dicken Buch, das der 2017 verstorbene Opa Pal sr. einst als renommierter Spieler und Trainer in Ungarn begann. Vater Pal (44), im Dezember 1996 aus Ungarn nach Berlin gekommen, ist bis heute mit 286 Bundesliga-Einsätzen Herthas Rekordspieler. Für Martons Bruder Pal jr. (21), von allen Palko gerufen und auf der offensiven Außenbahn zu Hause, stehen neun Bundesliga-Einsätze zu Buche, der bislang letzte datiert aus dem April 2019. Aktuell spielt er für Herthas in der Regionalliga beheimatete U23 (sieben Saisoneinsätze/zwei Tore/zwei Assists), sein jüngerer Bruder Marton ist unter Bruno Labbadia an ihm vorbeigezogen.

Labbadia hofft auf Weiterentwicklung

Der deutsche U-19-Nationalspieler bekommt ein Lob von seinem Vereinstrainer: "Marton hat einen sehr guten linken Fuß, einen guten Spielaufbau, lernt stetig dazu, ist sehr wissbegierig und hat sich jetzt auch körperlich nochmal entwickelt." Das Debüt des Talents, das schon am Ende der Vorsaison mehrfach im Spieltagskader stand, nennt Labbadia "eine logische Folge". Jetzt erwartet er, dass der 1,88 Meter große Verteidiger nicht nachlässt: "Wir arbeiten gern mit ihm. Ich hoffe, dass er weiter diese Entwicklung nimmt. Entscheidend ist, dass solche jungen Spieler bereit sind, immer weiter an sich zu arbeiten. Wir fordern und fördern sie, durch die Tür müssen sie selbst gehen."

"Sehr klarer Junge"

Mit der Geduld einiger Talente war's bei Hertha zuletzt nicht allzuweit her, obwohl Labbadia in der Branche einen Ruf als Talente-Förderer genießt, seit er beim VfB Stuttgart Timo Werner und Antonio Rüdiger formte. Lazar Samardzic brach im Sommer unter einigem Getöse seine Zelte in Berlin ab und ging zu RB Leipzig. Omar Rekik wollte Anfang Oktober unbedingt zum FC Arsenal, der Wechsel platzte und könnte nun im Januar über die Bühne gehen. Jessic Ngankam - von den Jungen aktuell am weitesten und zuletzt in München mit seinem ersten Bundesliga-Tor - stand zwischenzeitlich kurz vor dem Absprung zur TSG Hoffenheim. Bei Marton Dardai hoffen die Verantwortlichen auf Weitsicht und Augenmaß bei der Karriereplanung und sind guter Dinge. "Wenn ich die sieben Monate sehe, die ich jetzt hier bin, muss ich sagen: Marton ist ein sehr klarer Junge, bei dem vor allem die Mama eine gute Erziehung gemacht hat. Beim Papa weiß ich's nicht so ganz", sagt Labbadia und lacht. Kleiner Scherz, das Verhältnis zwischen ihm und Pal, der zwischen Februar 2015 und Sommer 2019 Hertha Profis trainierte, ist seit Jahren gut.

Eines hat Marton Dardai seinem Vater und dem großen Bruder in jedem Fall voraus - er debütierte mit 18 Jahren und 269 Tagen und damit früher als die beiden. Palko war bei seinem Bundesliga-Einstand 19 Jahre und 4 Tage alt, Pal 21 Jahre und 202 Tage. Die Bundesliga-Geschichte der Dardais, bei denen Mama Monika, frühere Erstliga-Handballerin in Ungarn, zu Hause den Laden zusammenhält, muss mit Marton nicht vorbei sein. Der dritte der Brüder, Bence (15), gilt als großes Sturm-Talent und spielt in Herthas U16. Er ist dort fachlich in besten Händen. Sein Trainer ist Papa Pal, der nach einem Sabbat-Jahr im Sommer in die Nachwuchs-Akademie des Klubs zurückkehrte und die U16 übernahm.

Steffen Rohr