Bundesliga

Labbadia lobt Boyata: "Er führt durch seine Präsenz"

Herthas Abwehrchef zurück im Training

Labbadia lobt Boyata: "Er führt durch seine Präsenz"

Dedryck Boyata (Hertha BSC)

Über Dedryck Boyata auf dem Platz ist Bruno Labbadia "ganz besonders froh". imago images

Boyata hatte drei Wochen wegen einer schmerzhaften Reizung des Gleitlagers der Achillessehne pausiert. Ende August war ein Versuch, ins Mannschaftstraining zurückzukehren, fehlgeschlagen. Ohne den etatmäßigen Abwehrchef hatte Hertha in den Testspielen bei Ajax Amsterdam (0:1), gegen PSV Eindhoven (0:4), beim HSV (0:2) und vor allem im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig (4:5) am vergangenen Freitag in der Defensive einen desolaten Eindruck gemacht.

"Ich bin über jeden Spieler froh, der auf dem Platz steht - und bei Dedryck ganz besonders", sagte Hertha-Coach Bruno Labbadia nach der ersten Trainingseinheit der neuen Woche am Montagnachmittag. "Er ist für uns ein ganz wichtiger Spieler. Er hat es in der Endphase der vergangenen Saison unter mir sehr gut gemacht und auch den ersten Teil der Vorbereitung gut mitgemacht. Es war schade, dass er im zweiten Teil Probleme bekommen hat." Boyata war vor Jahresfrist ablösefrei von Celtic Glasgow gekommen und in der maximal turbulenten Hertha-Saison 2019/20 neben Per Skjelbred und Vladimir Darida der einzige Berliner, der konstant seine Leistung brachte. Der WM-Teilnehmer von 2018 schwang sich binnen weniger Monate zum Abwehrchef auf - und er wird jetzt, in der Phase des Umbruchs, dringend gebraucht. "Dedryck ist ein stiller Leader", betonte Labbadia. "Er führt eine Mannschaft durch seine Präsenz. Es ist gut, dass er da ist." Auf "Biegen und Brechen" wäre nach den Worten des Trainers sogar ein Einsatz Boyatas in Braunschweig möglich gewesen - aber das Risiko einer Folgeverletzung erschien dem Staff zu groß. "Da wären wir Gefahr gelaufen, ihn für die nächsten Wochen zu verlieren", so Labbadia. "Jetzt ist er gut vorbereitet."

Hält Boyatas Achillessehne den Trainingsbelastungen der kommenden Tage stand, kann Hertha beim Bundesliga-Start in Bremen auf das Duo im Abwehrzentrum setzen, das nach dem Re-Start der Liga im Mai und Juni ein Garant für Stabilität war: Boyata und Jordan Torunarigha, der im Pokal gesperrt war. Ihre Vertreter Karim Rekik und Niklas Stark erwischten in Braunschweig einen miserablen Tag - wie auch der ebenfalls indisponierte Torwart-Neuzugang Alexander Schwolow bei seinem Pflichtspieldebüt für Hertha. Dass einem Bundesligisten gegen einen unterklassigen Gegner vier Tore nicht zum Weiterkommen reichten, war in der Historie des DFB-Pokals erst zum fünften Mal der Fall. Vor Hertha war dies dem FC Bayern (1978 gegen den VfL Osnabrück/4:5), dem 1. FC Kaiserslautern (1983 gegen den Karlsruher SC/4:5 n.V.), dem VfL Wolfsburg (1999 gegen den VfL Bochum/4:5) und Mainz 05 (2014 gegen den Chemnitzer FC/4:5 i.E./5:5 n.V.) passiert.

Die dominante, wuchtige Offensive, die in Braunschweig 25 Torschüsse fabrizierte, ließ Labbadia nach dem Pokal-K.o. in seiner Analyse gegenüber dem Team außen vor: "In einer anderen Situation wäre ich gewillt gewesen, sehr viele positive Dinge herauszustellen, weil sie nunmal da waren. Beim Pokal und dem Ergebnis haben wir uns aber darauf beschränkt, die negativen Dinge anzusprechen. Wir haben die Fehler ganz klar aufgezeigt. Das waren weniger mannschaftstaktische Probleme als individuelle Fehler. Die sind passiert, das ist bitter genug." Jetzt geht Labbadias Blick Richtung Bundesliga-Start: "Wir haben uns tierisch geärgert und zweimal geschüttelt. Jetzt zählt das, was kommt. Wir wollen eine gute Trainingswoche hinlegen und am Samstag ein sehr, sehr gutes Spiel in Bremen abliefern." Mit dem Auftakt in die Woche zeigte sich der Coach zufrieden. Aus Gründen der Belastungssteuerung trainierten Matheus Cunha, Lucas Tousart, Arne Maier und Karim Rekik am Montag nicht mit dem Team. Alle vier sollen am Dienstag wieder auf dem Platz stehen.

Steffen Rohr