2. Bundesliga

SC Paderborns Coach Kwasniok: "Ich-AGs bremsen"

Paderborns Trainer über seinen Stil, den SCP und ein Leben ohne Fußball

Kwasniok: "Mir geht es darum, die Ich-AGs zu bremsen"

Lockerer Typ: Paderborns Trainer Lukas Kwasniok.

Lockerer Typ: Paderborns Trainer Lukas Kwasniok. IMAGO/Köhn

Das Motto ist ganz simpel. "Cabeza, Corazon, Cojones - das ist wirklich alles, was ich von den Spielern verlange", sagt Lukas Kwasniok. Frei übersetzt aus dem Spanischen fordert er: Köpfchen, Herz und Eier. Kein Wunder, dass der Trainer von Zweitligist SC Paderborn bei solchen Sprüchen immer wieder mit Vorgänger und Vorbild Steffen Baumgart verglichen wird. Dem aktuellen Trainer des 1. FC Köln folgte Kwasniok 2021 auf den Trainerstuhl in Ostwestfalen.

In der vergangenen Spielzeit sprang gleich Rang 7 heraus und auch jetzt steht der kleine Klub aus der 150.000-Einwohner-Stadt mit sechs Punkten nach drei Partien wieder gut da. "Das ist wohl der stärkste Kader, mit dem ich bisher gearbeitet habe. Da sieht man aber auch, in welchen Sphären ich mich bisher bewegt habe", flachst Kwasniok. Vor seiner Zeit beim SCP war der 41-Jährige - abgesehen von zwei Spielen als Interimscoach beim Karlsruher SC - vor allem in der 3. Liga an der Seitenlinie aktiv. Mit dem 1. FC Saarbrücken stieß er 2019/20 aber immerhin bis ins Halbfinale des DFB-Pokals vor.

In Paderborn darf er auch mal Fehler machen

Dabei wollte Kwasniok gar nicht unbedingt Profi-Trainer werden. Verletzungen stoppten seine Karriere auf dem Platz, als U-17-Coach beim KSC hatte er gerade einmal eine C-Lizenz. Inzwischen undenkbar in den durchprofessionalisierten Nachwuchsleistungszentren.

In Paderborn nun kann der zweifache Vater frei arbeiten, "auch mal Fehler machen, die Jungs mal von der Leine lassen". Dabei muss es immer voran gehen: Aus einem Besprechungsraum soll ein Kino werden, "zum bloßen verwalten wäre ich der Falsche. Ich selbst brauche dieses Gefühl auch, um glücklich zu sein". Und immer steht das Team im Vordergrund. Kwasniok fordert Geduld und Verständnis von seinen Spielern für seine Entscheidungen. Vertrauen, dass zurückgezahlt werden soll: "Mir geht es darum, das Aufkommen der vielen Ich-AGs zu bremsen."

Der anspruchsvolle Job fordert seinen Tribut

Nur: Wie lange geht das gut? Bis maximal Mitte 50 will er Cheftrainer sein, der anspruchsvolle Job fordert körperlichen Tribut. Der gebürtige Pole kann sich auch ein Leben abseits des Fußballs vorstellen, schließlich war er bereits im Sportsponsoring, in der Verwaltung und auf dem Bau tätig. "Wenn es einmal im Fußball keinen Markt für mich gibt, mache ich wieder etwas anderes", betont Kwasniok.

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Doch bis dahin könnte noch einige Zeit vergehen. "Bevor ich etwas nicht mit 100 Prozent mache, mache ich es lieber gar nicht", sagt der Paderborner Coach, der inzwischen übrigens gegen das Coronavirus geimpft ist. Und klingt dabei wieder ganz ähnlich wie der prominente Vorgänger Baumgart.

jim, Michael Richter

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