Tennis

Kurioser Tie-Break ebnet Weg: Zverev im US-Open-Halbfinale

US Open

Kurioser Tie-Break ebnet den Weg: Zverev steht im US-Open-Halbfinale

Im Gespräch: Alexander Zverev und Lloyd Harris (re.)

Im Gespräch: Alexander Zverev und Lloyd Harris (re.) Getty Images

Nachdem Harris als Erster aufschlagen durfte und sich dabei schadlos gehalten hatte, musste Zverev in seinem ersten Service Game gleich mal einen Breakball abwehren. Der Weltranglistenvierte tat das aber souverän und glich zum 1:1 aus. Der Deutsche wirkte hellwach, war hochkonzentriert und kam dank guter Returns selbst schon bald zu zwei Breakbällen, die Harris jedoch abwehrte.

Es war das erwartete Duell zweier Aufschlag-Riesen, wenngleich Zverev spielerisch einen Tick besser zu gefallen wusste und Harris bei dessen Aufschlag mehr forderte als andersrum. Und dennoch: Bei 4:3 wackelte der Deutsche plötzlich und wurde vom stark spielenden Südafrikaner umgehend gebreakt. Harris schaffte es dann aber nicht, den Satz zuzumachen, kassierte direkt das Re-Break. Der Satz wurde anschließend im Tie-Break entschieden, der bot enorme Spannung und eine Szene, die eigentlich skandalös war.

Nach Harris' Wutausbruch: Wischaktion auf dem Court

Was war passiert? Zverev hatte sich noch weit vor Beginn des Tie-Breaks lautstark darüber beschwert, dass eine Videowand für Irritationen sorgen würde. Als dann Harris beim Stand von 6:5 zum Satzgewinn aufschlagen durfte, musste er plötzlich eine gefühlte Ewigkeit warten. Der Grund: Die Unparteiische wurde wegen der Videowand-Thematik angerufen - ein unglaublich mieses Timing der Veranstalter. 

Alle packen mit an: Alexander Zverev (re.) wischt den Boden auf.

Alle packen mit an: Alexander Zverev (re.) wischt den Boden auf. Getty Images

"Die Aufnahmen sind immer verspätet. Das heißt, wenn er den Ball hochwirft, wird die Großaufnahme kleiner", sagte Zverev nach dem Match bei "Eurosport" und erklärte, wie störend das ist. "Wir versuchen dem kleinen gelben Ball zu folgen, das ist nicht einfach bei der Geschwindigkeit, bei der wir spielen." Wenig Verständnis zeigte er aber für das Timing des Gesprächs, das war für ihn einfach nur "doof".

Harris warf das völlig aus der Bahn. Der Südafrikaner gab beide seiner Aufschläge ab und verlor den Tie-Break schließlich mit 6:8. Vor Wut pfefferte er anschließend zwei Flaschen auf den Platz, weshalb eilig gewischt werden musste: Ballkinder, Harris, Zverev und die Schiedsrichterin halfen mit - eine kuriose Szene.

Zverev zwickt's im Rücken

Sportlich war das Match danach nicht mehr das, was es zuvor gewesen war. Harris war offenbar noch immer nicht drüber hinweg, spielte hektisch, fahrig und lag schon sehr bald 0:3 zurück. Für Zverev lief alles nach Plan, doch dann bekam er Rückenprobleme. Beim Seitenwechsel stretchte er sich, wollte die Muskeln ganz offenbar lockern. Schlimm schien das Wehwehchen aber nicht gewesen zu sein, denn Zverev schlug weiterhin bärenstark auf und spielte auch druckvoll von der Grundlinie.  

Ich weiß nicht genau, was los ist.

Alexander Zverev über seine Rückenprobleme

"Im ersten Satz habe ich ein komisches Gefühl gehabt, aber es wurde nicht besser. Mein Rücken ist steif geworden. Ich weiß nicht genau, was los ist", sagte Zverev im Nachhinein und meinte, dass noch einmal gecheckt werden wird.

Harris wacht zu spät auf

Satz zwei gewann der Deutsche locker mit 6:3 und hatte auch im Dritten leichtes Spiel, was auch an seinem 24-jährigen Kontrahenten lag. Der Weltranglisten-46. aus Kapstadt leistete sich teils unfassbare Fehler und lag sehr schnell mit Doppel-Break zurück. Zverev ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen, auch wenn er hintenraus doch noch kämpfen musste, da Harris seinen Kampfgeist wiederentdeckt hatte und Alles oder Nichts spielte - das Aufbäumen kam jedoch zu spät.

Zverev verwandelte nach 2:04 Stunden seinen ersten Matchball mit seinem 21. Ass (!) zum 7:6 (8:6), 6:3, 6:3 und konnte sich anschließend entspannt zurücklehnen und die Night Session erwarten. In dieser ermittelten Novak Djokovic (Serbien) und Matteo Berrettini (Italien) in der Neuauflage des Wimbledon-Finales den Halbfinal-Gegner der deutschen Nummer 1. Zverev gab zu, dass er sich das Spiel nicht entgehen lassen wird: "Ich bin ein Riesen-Tennisfan. Ich denke, dass das Match sehr spannend und hochintensiv sein wird. Ich freue mich auf das Match - und auf das Halbfinale." Und in diesem wartet tatsächlich Djokovic.

drm

20, 20, 20! Meiste Grand-Slam-Titel: "Big Three" unter sich