U 21

Kuntz über seinen Abschied vom DFB: "Es war total professionell"

Neuer türkischer Nationaltrainer nimmt seine Arbeit auf

Kuntz über seinen Abschied vom DFB: "Es war total professionell"

Stefan Kuntz wurde am Montag als türkischer Nationaltrainer vorgestellt.

Stefan Kuntz wurde am Montag als türkischer Nationaltrainer vorgestellt. Anadolu Agency via Getty Images

Im Rahmen einer "Zeremonie", so zumindest hatte es der türkische Fußballverband angekündigt, unterzeichnete Kuntz am Montagnachmittag einen Dreijahresvertrag und besiegelte damit auch ganz offiziell sein Engagement als türkischer Nationaltrainer. Im Anschluss absolvierte er einen kleinen Presse-Marathon: Erst stand er den türkischen Journalisten Rede und Antwort, dann moderierte er in Ermangelung eines Dolmetscher eine kleinere digitale Medienrunde mit deutschen Pressevertretern kurzerhand selbst.

"Ab und zu muss es mal neue Herausforderungen für mich geben", begründete Kuntz seinen Wechsel an den Bosporus. Eine "A-Nationalmannschaft trainieren und im Ausland arbeiten, noch dazu in einem Land, in dem ich eine positive Vergangenheit habe... das hat mich total geflasht." Entsprechend war schnell abzusehen, dass sich seine überaus erfolgreiche Amtszeit als U-21-Trainer beim DFB dem Ende zuneigen würde. Dabei war es Kuntz aber wichtig, immer mit "offenen Karten" zu spielen - auch um womöglich eines Tages zurückzukehren: "Es ist immer gut, wenn man geht und die Tür ist offen, wenn man wieder kommen möchte."

Auf die Leute, mit denen ich beim DFB zu tun hatte, lasse ich nichts kommen.

Stefan Kuntz

"Der Ablauf war total professionell", betonte der ehemalige Nationalspieler. Dem DFB und den Verantwortlichen um Manager Oliver Bierhoff und Joti Chatzialexiou (Sportlicher Leiter Nationalmannschaften) sei er sehr dankbar. "Auf die Leute, mit denen ich beim DFB zu tun hatte, lasse ich nichts kommen", stellte Kuntz klar. Der Abschied von der Mannschaft, die er im vergangenen Länderspielfenster noch beim Auftakt zur neuen EM-Qualifikation betreut hatte, sei ihm nicht sehr schwer gefallen, "weil es jetzt ein neuer Jahrgang ist". Deutlich emotionaler war dagegen der Abschied vom Trainer- und Betreuerstab, mit dem er in den vergangenen Jahren intensiv zusammengearbeitet hat und die seine Amtszeit fast geprägt haben.

Entsprechend habe es auch Gedankenspiele gegeben, das Trainerteam mit seinen Assistenten Daniel Niedzkowski und Antonio di Salvo mit zum türkischen Verband zu nehmen (der kicker berichtete). Diese Gedankenspiele sind aber inzwischen vom Tisch - auch weil Kuntz beim DFB "keine Löcher reißen" möchte.

Kuntz will mit der türkischen Auswahl zur EM nach Deutschland

Für ihn gehe es nun darum, einen eigenen Stab aufzubauen, Kuntz bestätigte in diesem Zuge auch Interesse am ehemaligen Hannover-Coach Kenan Kocak. Danach beginnt für ihn eine anstrengende Phase bis zum vielleicht schon vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen am 8. Oktober. "Im Moment sieht es so aus, als ob ich den Auto- mit dem Flugzeugsitz tausche", sagte Kuntz. Soll heißen: Ab sofort werde er durch zahlreiche Länder und Ligen reisen, um sich selbst ein Bild von seinen neuen Spielern zu machen.

Überhaupt will er sich nicht allzu sehr mit der Vergangenheit, dem türkischen EM-Abschneiden (Aus in der Vorrunde) und der jüngsten Quali-Schlappe gegen die Niederlande (1:6) befassen. In der WM-Quali gehe es darum, das Beste herauszuholen - doch Kuntz denkt schon an die Phase danach. Es geht um den "Aufbau einer jüngeren Generation mit Blick auf die EM 2024", erklärt er. Gelingt die Qualifikation dafür, kehrt Kuntz in seine Heimat zurück - mit der türkischen Auswahl. Das Turnier findet schließlich in Deutschland statt.

pau