Formel 1

Das sind die Formel-1-Regularien ab 2026

Weitreichende Änderungen an den Boliden

Kürzer, schmaler - und schneller? Das sind die Formel-1-Regularien ab 2026

An diesem Konzept-Auto werden sich die Teams orientieren.

An diesem Konzept-Auto werden sich die Teams orientieren. FIA

Mit den neuen Autos sei es teilweise unmöglich, die Kurven zu sehen. Man müsse nach Gefühl fahren. So oder so ähnlich hörte man es öfter im Fahrerlager der Formel 1, nachdem zur Saison 2022 die neuen Ground-Effekt-Boliden eingeführt wurden. Die Autos wurden breiter, die Reifen wurden größer - und das Sichtfeld immer kleiner. Dafür sollte das Geschehen auf der Strecke spannender werden, die neue Aerodynamik ermöglichen, dass das hinterherfahrende Auto weniger Probleme durch die verwirbelte Luft hat, um letztlich besser zu überholen.

Mit Red Bull hat vor allem ein Team das neue Konzept verstanden, Max Verstappen war bis zuletzt der Alleinunterhalter. Die anderen Rennställe holen langsam aber sicher auf - und ab 2026 könnte sich das Blatt wieder komplett wenden. Am Donnerstag veröffentlichte der internationale Motorsport Dachverband FIA die lang erwarteten neuen Regularien, die ab übernächster Saison in Kraft treten. Es wird sich im Bereich der Motoren, des Chassis, der Aerodynamik, der Sicherheit und der Nachhaltigkeit einiges ändern.

Der neue Motor

Bereits im August 2022 wurde die Triebwerksverordnung ab 2026 veröffentlicht, nun gibt es Details. Während die vom ICE-Element, dem Verbrennungsmotor, abgeleitete Leistung von 550-560 kW auf 400 kW sinkt, steigt die Leistung des Batterieelements massiv an - von 120 kW auf 350 kW. Das bringt der elektrischen Leistung eine Steigerung um fast 300 Prozent. Die Gesamtleistung bleibt somit erhalten, während die Nachhaltigkeit - unterstützt von einem zu 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff - weiter gesteigert wird. Die Antriebseinheit wird durch den Wegfall der MGU-H, einem Elektromotor, zusätzlich vereinfacht.

Darüber hinaus wird die rekuperierbare Energiemenge beim Bremsen auf 8,5 MJ pro Runde verdoppelt. Um bessere Überholmöglichkeiten zu schaffen, wurde ein manueller Override-Modus integriert. Während der Einsatz eines führenden Fahrzeugs nach 290 km/h abnimmt und bei 355 km/h auf Null geht, profitiert das nachfolgende Fahrzeug vom Override-Modus, der bis zu einer Geschwindigkeit von 337 km/h 350 kW und 0,5 MJ zusätzliche Energie liefert. Diese Vorschriften sollen laut FIA "neue Hersteller für den Sport gewinnen" und "zu Verpflichtungen bestehender Zulieferer wie Ferrari, Mercedes und Alpine, zur Rückkehr von Honda als Hersteller und zur Einführung von Audi und Red Bull Ford Powertrains geführt" haben.

Das neue Chassis

Die Rennwägen werden ab 2026 wieder kleiner und leichter. Die Abmessungen wurden geändert, um dem Konzept des "flinken Fahrzeugs" zu entsprechen. Der Radstand sinkt von maximal 3,6 auf 3,4 Meter, während die Breite von 2 auf 1,9 Meter reduziert wurde. Die maximale Bodenbreite wird um 150 Millimeter reduziert.

Auch die Gewichtsreduzierung war ein wichtiges Ziel. Ab 2026 werden die Autos ein Mindestgewicht von 768 Kilogramm haben - 30 Kilo weniger als die Boliden seit 2022. Dies setzt sich aus 722 Kilo Auto und Fahrer sowie einer geschätzter Reifenmasse von 46 Kilo zusammen.

Verstappen, Hamilton und Co.: Das Fahrerfeld der Formel-1-Saison 2024

Zusätzlich wurde der Abtrieb - die Kraft, die das Auto an den Boden zieht - um 30 Prozent und der Luftwiderstand um 55 Prozent reduziert. Die im Jahr 2022 eingeführte 18-Zoll-Radgröße wird derweil beibehalten, allerdings wurde die Breite der Vorderreifen um 25 Millimeter und die der Hinterreifen um 30 Millimeter reduziert. Dadurch soll es minimalen Gripverlust geben.

Die neue Aerodynamik

Die Boliden werden ab 2026 von völlig neuen aktiven Aerodynamiksystemen profitieren. Das System mit beweglichen vorderen und hinteren Kotflügeln wird bei Einsatz des Z-Modus, in dem die Fahrer um die Kurven fahren, zu höheren Kurvengeschwindigkeiten führen. Auf Geraden können Fahrer in den X-Modus wechseln - eine Konfiguration mit geringem Luftwiderstand, die darauf ausgelegt ist, die Geschwindigkeit auf der Geraden zu maximieren.

Ein dreiteiliger aktiver Heckflügel wird übernommen, während der untere Trägerflügel entfernt und die Endplatten vereinfacht wurden. Der Frontflügel wird 100 Millimeter schmaler als derzeit sein und über eine zweiteilige aktive Klappe verfügen.

Im Gegensatz zu den aktuellen Fahrzeugen werden zudem die vorderen Radkästen entfernt und ein Teil der Radkarosserie wird vorgeschrieben, um eine optimale Nachlaufleistung zu erreichen. Die Autos werden zudem über einen teilweise flachen Boden und einen Diffusor mit geringerer Leistung verfügen, was den Bodeneffekt und die Abhängigkeit der Autos von extrem steifen und niedrigen Set-ups, also Autoeinstellungen, verringert.

Die neue Sicherheit

Das strenge Streben der FIA nach Sicherheit wird fortlaufend bestätigt. Überarbeitete Frontalaufprallvorschriften sehen nun eine zweistufige Struktur vor, um in den letzten Jahren auftretende Vorfälle zu vermeiden, bei denen Strukturen nach einem ersten Aufprall in der Nähe der Überlebenszelle abgebrochen sind und das Fahrzeug für einen späteren Aufprall ungeschützt blieb.

Der seitliche Einbruchschutz wurde zudem erhöht. Die neue Spezifikation bietet einen verbesserten Schutz rund um das Cockpit und verdoppelt den Schutz an der Seite der Brennstoffzelle um mehr als das Doppelte. Der verbesserte Schutz wird ohne zusätzliches Gewicht erreicht.

Die Endplattenleuchten des Heckflügels sollen außerdem deutlich sichtbarer und heller als die aktuellen werden. Es werden seitliche Sicherheitslichter eingeführt, um den ERS-Status eines auf der Strecke stehenden Fahrzeugs zu erkennen. Die GPS-Antenne wird zudem neu positioniert, um die Empfindlichkeit zu verbessern.

Die neue Nachhaltigkeit

Wie bereits erwähnt, werden ab 2026 Formel-1-Aggregate mit vollständig nachhaltigem Kraftstoff betrieben. Dieser Kraftstoff wird "Drop-in" sein, was bedeutet, dass er in fast jedem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor verwendet werden kann und eine potenziell bahnbrechende Lösung für die Treibhausgasemissionen im Transportsektor bietet.

Die Nachhaltigkeit wird durch eine stärkere Nutzung elektrischer Energie in den Kraftwerksblöcken und eine Umstellung auf eine 50 Prozent elektrische und 50 Prozent thermische Energieverteilung verbessert. Die Vorschriften für 2026 stehen im Einklang mit dem Ziel der FIA, bis 2030 Netto-Null-Kohlenstoff zu erreichen.

Alle vorgestellten Neuerungen werden am 28. Juni vom World Motor Sport Council offiziell ratifiziert.

Tim Sohr

Neue Farben, neue Designs: Die Formel-1-Boliden der Saison 2024