Bundesliga

Kruse und Kohfeldt: Das nächste Kapitel fest im Visier

Nach dem Aus in Wolfsburg hoffen beide auf einen neuen Klub

Kruse und Kohfeldt: Das nächste Kapitel fest im Visier

Arbeiteten sowohl in Bremen als auch zuletzt in Wolfsburg zusammen: Florian Kohfeldt (li.) und Max Kruse.

Arbeiteten sowohl in Bremen als auch zuletzt in Wolfsburg zusammen: Florian Kohfeldt (li.) und Max Kruse. imago images/MIS

Die heikle Frage nach der Verfassung von Max Kruse meisterte Florian Kohfeldt ganz locker: "Läuferisch überzeugend, fußballerisch bleibt noch Luft nach oben…", lächelte der Fußballlehrer am Samstagabend im Wohninvest-Weserstadion. Dort, an gemeinsamer alter Wirkungsstätte, waren Kohfeldt und Kruse beim Abschiedsspiel von Claudio Pizarro plötzlich doch wieder als Coach und Spieler vereint.

Beim VfL Wolfsburg hatten sich die Wege bekanntlich am Ende der vergangenen Saison mit Kohfeldts Freistellung getrennt. Inzwischen wurde auch Kruse von Kohfeldts Nachfolger Niko Kovac aufs Abstellgleis geschoben. Beruflich warten also beide nach dem fast parallelen Karriereknick auf die nächste Wendung nach oben - und schienen den überaus harmonischen Abend als Gäste der Pizarro-Gala umso mehr zu genießen.

Es sollte künftig etwas normaler sein, wenn ich das ein oder andere Mal auftauche.

Florian Kohfeldt über eine Rückkehr ins Weserstadion

Vom Publikum im ausverkauften Weserstadion mit Sprechchören regelrecht gefeiert wurde Kruse bereits beim Einlaufen und dann auch mehrfach im Spielverlauf. Der Empfang für Kohfeldt fiel immerhin freundlich und warm aus, in den Applaus von allen Seiten mischten sich keinerlei hörbare Pfiffe. Für den 39-Jährigen eine durchaus erleichternde Erfahrung, schließlich hatte Kohfeldt seit seiner Freistellung am 33. Spieltag der Saison 2020/21 und dem unmittelbar folgenden Werder-Abstieg bis dato ganz bewusst auf Stadionbesuche in Bremen verzichtet. "Es war ja nicht die allerbeste Situation damals", erklärt er, "deshalb war ich jetzt sehr froh über diese Begrüßung, das war keine Selbstverständlichkeit."

Für den weiterhin mit Familie in der Hansestadt wohnenden Kohfeldt zugleich so etwas wie das Ende eines Ausnahmezustandes: "Jeder weiß, dass Werder für mich ein Herzensverein bleibt, egal wo ich arbeite. Trotzdem wollte ich erst mal eine gewisse Zeit vergehen lassen. Die ist jetzt vergangen, deshalb sollte es künftig auch etwas normaler sein, wenn ich wieder das ein oder andere Mal hier auftauche."

Für Kruse sollte der finanzielle Aspekt diesmal nicht die größte Rolle spielen

Wann und wo es für ihn im Job weitergehe, sei offen, sagt Kohfeldt, der die Gerüchte um ein Engagement beim FC Kopenhagen ins Reich der Fabel verwies. Fest stehe nur: "Ich will weiter Trainer sein." Ob in der Bundesliga, auf niedrigerem Niveau oder im Ausland sei nicht das entscheidende Kriterium. Womit sich schließlich eine weitere Parallele zu Ex-Schützling Kruse ergibt.

Auch der 34-Jährige kündigte am Samstag an: "Ich denke schon, dass es weitergeht mit mir als Fußballer." In der Bundesliga oder im Ausland? "Mal sehen, was kommt…" Jedenfalls hoffe er, so Kruse, "dass sich im Januar eine passende Möglichkeit ergibt". Bis zur Öffnung des nächsten Transferfensters könne er sich ja ohnehin keinem neuen Klub anschließen. Das klang nicht nach dem Wunsch einer möglichst schnellen Vertragsauflösung in Wolfsburg. Allerdings auch nicht danach, im Winter noch auf eine Abfindung zu pochen. Wenn Kruse es wirklich ernst meint mit der Fortsetzung seiner Karriere, dürfte der finanzielle Aspekt - anders als beim Wechsel von Union zum VfL - diesmal nicht die größte Rolle spielen.

Thiemo Müller